Nach den gescheiterten Plänen für ein Olma-Kongresshotel: Es gibt neue Ideen für ein Hotel bei der Olma

Die Forol AG von Urs Peter Koller plant an der St.-Jakob-Strasse vis-à-vis des Hotels Radisson Blu ein Hotel und Studentenwohnungen.

Daniel Wirth
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Das Haus, in dem sich heute die Metzgerei Schmid befindet, müsste genauso weichen wie die drei nächsten Häuser an der St.-Jakob-Strasse.

Das Haus, in dem sich heute die Metzgerei Schmid befindet, müsste genauso weichen wie die drei nächsten Häuser an der St.-Jakob-Strasse.

Bild: Lisa Jenny (10.Januar 2020)

Fifa-Hauptsitz in Zürich, Kybunpark St.Gallen, Raiffeisen-Zentrale St.Gallen, Radisson Blu Hotel St.Gallen, Stade de la Maladière in Neuchâtel, Unique One Headquarter Flughafen Zürich: Diese und andere Grossprojekte hat Urs Peter Koller als Mehrheitsaktionär und Leiter des Ostschweizer Generalunternehmens HRS verwirklicht.

Urs Peter Koller

Urs Peter Koller

Bild: PD

2008 verkaufte Koller sein HRS­-Aktienpaket. Heute ist er Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Forol AG mit Sitz in Herisau. Mit dieser Gesellschaft will Koller an der St.-Jakob-Strasse ein Hotel mit Studentenwohnungen realisieren. Hiefür müssten vier Liegenschaften abgerissen werden. Die Grundstücke hat sich Koller mittels Vereinbarung oder Kaufrecht gesichert, wie er auf Anfrage sagt. Über die Zahl der Zimmer und Wohnungen, die das Projekt «St.-Jakob-Strasse» dereinst umfassen soll, gibt Koller keine Auskunft. Dafür sei es zu früh.

Koller gelangte mit seiner Idee an die Stadt. Die Dienststelle Stadtplanung der Direktion Planung und Bau ist zuständig bei Sondernutzungsplanungen. Sie prüfte – wie immer bei einem Innenentwicklungsprozess – Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten in einem grösseren Umfeld sowie die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen, wie Alexander Weiss, Leiter Abteilung Raumentwicklung bei der Stadtplanung, erklärt.

Grundeigentümer und Quartierverein informiert

Hiefür wurde ein Perimeter zwischen der St.-Jakob-Strasse und der Sonnenstrasse definiert (Infografik unten). Im März 2019 wurde den Grundeigentümerschaften die Projektidee sowie Möglichkeiten für das weitere Vorgehen präsentiert. Es ging auch darum, allfällig weitere entwicklungswillige Grundeigentümerschaften zu eruieren.

Der Quartierverein Nordost-Heiligkreuz war an der Präsentation vertreten durch Vorstandsmitglied und Architekt Mathias Inhelder. Er sagt, die Anstösser seien abgeholt worden und würden ernstgenommen. Das sei zumindest sein persönlicher Eindruck. Das Quartier wird in absehbarer Zeit grosse bauliche Veränderungen erleben: Am Platztor entsteht ein Universitätscampus. Dass Urs Peter Koller, der das «Radisson Blu» baute und dem das Hotel früher auch gehörte, in der Nähe des neuen stadtnahen Campus’ Studentenwohnungen bauen will, liegt aus ökonomischer Sicht auf der Hand.

Hinzu kommt die Nähe zu den Olma-Messen, die in den nächsten Jahren auf einer Autobahn-Überdachung die grösste stützenfreie Messe- und Eventhalle der Deutschschweiz hinstellen werden. Auf dem Areal der abgebrannten Degustationshalle 7 wollten die Olma-Messen schon vor mehr als zehn Jahren das 45-Millionen-Projekt CC6 verwirklichen, einen Hotelturm mit Kongresszentrum.

Geplant war, dass die Hotel Betriebs & Management AG St.Gallen (HBM) das Olma-Kongresshotel in Pacht übernehmen würde. Der Kopf hinter der HMB: Urs Peter Koller. Doch aus den Plänen wurde nichts. Das Projekt CC6 wurde 2013 nach einem langen und zähen Rechtsverfahren beerdigt. Nachbarn hatten sich mit Einsprachen gegen den Hotelturm gewehrt. Jetzt nimmt Koller einen neuen Anlauf für ein Olma-Hotel.

Alexander Weiss

Alexander Weiss

Bild: PD

Mathias Inhelder vom Quartierverein Nordost-Heiligkreuz sagt, ein zusätzliches Hotel und Studentenwohnungen brächte neues Leben ins Quartier und setzte möglicherweise wichtige Impulse, zentral sei dabei eine lebendige Erdgeschossnutzung. Ähnlich sieht das auch Alexander Weiss von der Stadtplanung: «Im Perimeter zwischen der St.-Jakob-Strasse und der Sonnenstrasse sehen wir ein gewisses Potenzial für eine zumindest partielle Erneuerung.» Einzelne Neu- oder Ersatzbauten könnten Impulse leisten.

Es braucht einen Sondernutzungsplan

Wann an der St.-Jakob-Strasse die Bagger auffahren und die vier bestehenden Gebäude für ein neues Hotel abreissen werden, steht in den Sternen.

Gemäss Dienststelle Stadtplanung ist für dessen Verwirklichung ein Sondernutzungsplan notwendig. Laut Weiss wird sich in den kommenden Entwicklungsphasen eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den Investoren um Urs Peter Koller und den Fachleuten der Stadtplanung ergeben. Die Leitung ist auf privater Seite. Die Rolle der Stadtplanung besteht in der Prozessbegleitung und der Wahrung der Qualitätssicherung. Wichtig sei, dass in einem frühen Stadium alle Anspruchsgruppen ins Boot geholt worden seien. «Die Vorzeichen stehen aus unserer Sicht gut», sagt Alexander Weiss.

Die Hotelfronten aufweichen

An einem runden Tisch will der Stadtrat zusammen mit dem Hotelierverein, St. Gallen-Bodensee Tourismus und der Olma-Direktion die künftige touristische Marschrichtung festlegen. An grossen Kongressen soll festgehalten werden.
David Gadze