Nach dem Bundesgerichtsentscheid zu den Talentschülern: Aussengemeinden sind geteilter Meinung

Im Streit um die Schulgelder für Talentschüler äussern die Aussengemeinden Kritik – aber teils auch Verständnis für die Position der Stadt.

David Grob
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Eine Talentschülerin wird im Bereich Gestaltung im Schulhaus Bürgli zusätzlich gefördert.

Eine Talentschülerin wird im Bereich Gestaltung im Schulhaus Bürgli zusätzlich gefördert.

Hanspeter Schiess (20. August 2019)

Wer bezahlt für Jugendliche aus Eggersriet, Gaiserwald oder Wittenbach, die eine Talentschule der Stadt St. Gallen besuchen? Diese Frage ist Teil eines Politikums zwischen Stadt, Aussengemeinden und Kanton. Letzte Woche entschied das Bundesgericht für den Kanton und gegen die Stadt St. Gallen.

Doch um was geht es? Die Stadt nimmt viele Schülerinnen und Schüler aus Aussengemeinden auf. Und erhält für diese pro Kopf 21 500 Franken für die auswärtige Beschulung. Für einen Talentschüler hat der Kanton in einer Verordnung vom Sommer 2018 die Tarife festgesetzt, welche die Aussengemeinden an die Stadt zahlen – und diese sind tiefer als für Schüler ohne Talentstatus:

  • 11'000 Franken für ein Talent im Sport
  • 15'000 Franken für ein Talent in der Kunst

Die Stadt forderte die Differenz bei den Eltern ein. Auch zog sie mit einer Beschwerde vors Bundesgericht, um Klärung zu erreichen. Die Richter in Lausanne schmetterten die Beschwerde ab.

Damit ist klar: Die Stadt kann die Differenz zu den Vollkosten für einen auswärtigen Schüler nicht mehr den Eltern auferlegen. Und die Gemeinden müssen nur den vom Kanton festgelegten Tarif an die Stadt bezahlen.

Die Kosten sollten gedeckt sein

Wie beurteilen die Schulbehörden der Aussengemeinden die Situation? Hat man Verständnis für das Vorgehen der Stadt? Jein, lautet der Tenor aus den umliegenden Oberstufenschulgemeinden.

Georges Gladig, Oberstufenschulpräsident von Wittenbach.

Georges Gladig, Oberstufenschulpräsident von Wittenbach.

Ralph Ribi

Lukas Beck, Schulpräsident von Eggersriet, das keine eigene Oberstufe betreibt, sagt etwa: «Es ist für die Stadt natürlich schwierig, dass die Vollkosten nicht gedeckt sind.» Zwei Talentschüler aus Eggersriet besuchen derzeit die Talentschulen in St. Gallen. Auch Georges Gladig, Oberstufenschulpräsident von Wittenbach, äussert ansatzweise Verständnis für die Position der Stadt St. Gallen:

«Es ist nicht plausibel, warum die Beiträge für Talentschüler tiefer sind als für Schüler ohne Talentstatus. Der Kanton müsste die Tarife hinterfragen.»

Wittenbach bietet eine eigene Talentklasse im OZ Grünau an und schickt zurzeit einen Talentschüler in die städtischen Talentschulen.

Ähnlicher Meinung wie Gladig ist auch die Fraktion der SP und Grünen im Kantonsparlament. Gestern forderte sie in einer Medienmitteilung kostendeckende Tarife für Talentschüler. Insbesondere hätten die Gemeinden die Kosten zu tragen – und nicht die Stadt.

Jürg Seitter, Schulpräsident in Gaiserwald, stört sich insbesondere daran, dass die Stadt die Differenz der Schulgeldbeträge den Eltern auferlegte. «Die obligatorische Schulzeit ist gemäss Volksschulgesetz gratis – auch für Talentschüler», sagt Seitter. Seine Gemeinde dürfe gar nicht den vollen Betrag der 21500 Franken übernehmen, den die Stadt für einen auswärtigen Schüler verrechnet. «Wir müssen uns an die Gesetze halten», sagt Seitter. Das Bundesgerichtsurteil stütze diese Haltung nun.

Jeder sollte in eine Talentschule aufgenommen werden

Jürg Seitter, Schulpräsident von Gaiserwald.

Jürg Seitter, Schulpräsident von Gaiserwald.

Bild: Johannes Wey

Kritischer betrachten die Schulratspräsidenten aber den Entscheid der Stadt, seit diesem Schuljahr keine neuen Talentschüler aus Aussengemeinden aufzunehmen. Seitter sagt:

«Wenn man den Status einer Talentschule hat, dann sollte man auch jeden aufnehmen.»

Auch für den Eggersrieter Schulpräsidenten Lukas Beck ist dieser Entscheid stossend. Er bleibt aber positiv: «Man findet immer Lösungen.»

Klar ist jedenfalls: Talentschüler aus Aussengemeinden, die in St. Gallen gefördert werden, dürfen ihre Schulzeit beenden. Und die Stadt hat bereits angekündigt, mit den Schulgemeinden, die Talente nach St. Gallen schicken, das Gespräch zu suchen. Wichtig ist der Stadt dabei, auch jenen Gemeinden, die kein Rechtsmittel ergriffen haben, die gleichen Rechte zukommen zu lassen.

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