Vier Jahre nach Brand auf Baustelle in Engelburg: Zwei Arbeiter vom Kreisgericht St.Gallen freigesprochen

Das Kreisgericht St.Gallen hat den Fall eines Baustellenbrands beurteilt, bei dem hoher Sachschaden entstand. Die Verhandlung hat mit zwei Freisprüchen geendet.

Claudia Schmid
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Das Dach des Hauses brannte 2016 lichterloh.

Das Dach des Hauses brannte 2016 lichterloh.

Bild: Kantonspolizei

Im September 2016 brach nachts auf der Baustelle eines Mehrfamilienhauses in Engelburg ein Brand aus, der um drei Uhr in der Nacht von Anwohnern entdeckt wurde. Es entstand ein Sachschaden von rund 600000 Franken zum Nachteil der Gebäudeversicherungsanstalt des Kantons St.Gallen.

Tags zuvor hatten Arbeiter am Neubau Schweissarbeiten ausgeführt. Laut Anklageschrift wurden im Auftrag des Arbeitgebers Winkel-Schutzbleche unterhalb der Holzfassade angebracht, um ein Eindringen von Brandpartikeln in die Isolation zu verhindern. Die Arbeiter beendeten die Schweissarbeiten um etwa 17 Uhr und verliessen die Baustelle knapp eine Stunde später. Zuvor hätten sie sich immer wieder vergewissert, dass sich durch die Schweissarbeiten keine Unregelmässigkeiten entwickelt hätten.

Zeuge beantwortete Fragen

Nach dem Brand wurde dem verantwortlichen Schweisser vorgeworfen, er habe sich bereits nach 45 Minuten von der Baustelle entfernt, obwohl gemäss Branchenverband zwei Stunden eingehalten werden müssten.

Ihm lastete die Staatsanwaltschaft an, dass er nicht kontrolliert hatte, ob tatsächlich Winkel-Schutzbleche sachgemäss angebracht waren und die Arbeiter die Wartezeit eingehalten haben. Ausserdem hätte er überprüfen müssen, ob allenfalls für die Nacht eine Überwachung zu organisieren sei.

An der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen wurde zunächst ein Zeuge befragt. Es ging darum, fachspezifische Fragen rund um Isolationen, Schweissarbeiten und die nötigen Vorsichtsmassnahmen, aber auch das Vorgehen auf der betreffenden Baustelle zu klären.

Die Verfahrenskosten trägt der Staat

In der Befragung des Schweissers und seines Vorgesetzten, wiesen beide die Vorwürfe zurück. Er habe die Arbeiten wie immer mit der nötigen Vorsicht ausgeführt und die geforderten Sorgfaltsmassnahmen eingehalten. Ihm sei bekannt, welche Massnahmen bei Schweissarbeiten getroffen werden müssten, da er über entsprechende Ausbildungen und Berufserfahrung verfüge. Der Vorgesetzte betonte, man habe sehr wohl Winkel-Schutzbleche eingesetzt, die extra für die Bedürfnisse der Baustelle zugeschnitten worden seien.

Der Einzelrichter sprach sowohl den Schweisser als auch seinen Vorgesetzten vom Vorwurf der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst frei. Die Zivilklage der Gebäudeversicherung des Kantons St.Gallen verwies es auf den Zivilweg. Die Kosten des Verfahrens und die Honorare der Verteidiger trägt der Staat.