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Nach Absage Thals zum Durchgangsplatz: Rorschach empfängt Fahrende mit offenen Armen

In Rorschach haben sich Fahrende mit mehreren Wohnwagen zwischen Strandbad und Schlachthof niedergelassen. Nach der Ablehnung Thals eines provisorischen Durchgangsplatzes, zeigt sich Rorschach unkompliziert.
Valentina Thurnherr / Rahel Jenny Egger
Ronaldo Bichsler (Mitte) und Freunde geniessen die Lage am See auf dem Gelände beim Schlachthof. (Bilder: Rahel Jenny Egger)

Ronaldo Bichsler (Mitte) und Freunde geniessen die Lage am See auf dem Gelände beim Schlachthof. (Bilder: Rahel Jenny Egger)

Kürzlich erhielten Fahrende von Thal eine Absage für einen provisorischen Durchgangsplatz auf dem Areal Fuchsloch. Der Gemeinderat war sich in der finalen Abstimmung uneinig und das Projekt wurde in letzter Minute verworfen. Nun haben sich am vergangenen Mittwoch Fahrende zwischen dem Strandbad Rorschach und dem Schlachthof niedergelassen. Der Parkplatz war vermutlich nicht abgesperrt worden, nachdem die letzten Wagen der Chilbibetreiber ihn verlassen hatten. Obwohl die Gemeinden Rorschach und Roschacherberg so vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, empfingen sie die Fahrenden mit offenen Armen – und das nur einen Katzensprung von der Gemeinde entfernt, wo sie kürzlich so harsch abgewiesen wurden.

Thomas Müller, Stadtpräsident von Rorschach und Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg besuchten die Fahrenden gemeinsam, nachdem sie von der Polizei über deren Anwesenheit informiert wurden.

«Ich freue mich, dass die Fahrenden in Rorschach Halt machen. Sie sind schliesslich ein Teil unserer Kultur», sagt Müller.

Den Besuchern werde ein ToiToi-WC zur Verfügung gestellt für das sie bezahlen müssten und die städtischen Betriebe würden kostenlos eine Wasserleitung ziehen. «Wir rechnen damit, dass sie zwei bis drei Wochen hier bleiben und haben sie angewiesen, Ordnung zu halten.» Es sei aber schön, dass es auch den Jenischen und Sinti in Rorschach gefalle.

Vorurteile könnten beseitigt werden

Auch Beat Hirs ist positiv eingestellt: «Diese Leute haben nun mal ihre Lebensweise und sind auf solche Durchgangsplätze angewiesen. Wir haben mit ihnen geredet und meiner Meinung nach sind das anständige Leute.» Sie hätten keine Hinweise darauf, dass diese Fahrenden Probleme bereiten könnten. «Wenn alles gut läuft, ist das auch eine grossartige Chance für die Fahrenden herrschende Vorurteile abzubauen», ist Hirs überzeugt.

«Mir ist es auch ein Anliegen zu zeigen, dass es funktionieren kann, besonders nachdem in Thal so ein Theater gemacht wurde.»

Er habe ein gewisses Verständnis dafür, dass die Fahrenden sie quasi vor vollendete Tatsachen gestellt hätten. «Diese Leute haben auch ihre Erfahrungen gemacht, die nicht immer positiv waren.» Hirs könnte sich eine Nutzung als Provisorium auch für nächstes Jahr vorstellen. «Rechtlich gäbe es bei diesem Platz keine Probleme. Diese Nutzung muss aber in einem klar geregelten Rahmen stattfinden.»

Der Parkplatz gehört der Gemeinde Rorschach, liegt aber auf dem Boden der Nachbargemeinde Rorschacherberg.

Der Parkplatz gehört der Gemeinde Rorschach, liegt aber auf dem Boden der Nachbargemeinde Rorschacherberg.

Dankbarkeit für Rorschachs Entgegenkommen

«Normalerweise ist es nicht unsere Art, einfach irgendwo anzuhalten und zu warten bis die Gemeinde auf uns zukommt. Aber dieses Mal hatten wir wirklich keine andere Möglichkeit», sagt Ronaldo Birchler. Er ist 21 Jahre alt und Teil der Fahrenden Gemeinschaft, die seit Mittwoch in Rorschach campiert. Ursprünglich hätten sie einen anderen Platz in Aussicht gestellt bekommen, aber plötzlich kam die Absage. «Einfach so und ohne konkreten Grund», sagt er. Das Wieso sei ihm aber ziemlich klar: «Wir werden von den Bauern und Gemeinden meist in denselben Topf mit den ausländischen Fahrenden geworfen. Diese hinterlassen oft Chaos und Sauerei. Wir Schweizer Fahrende tun alles, um einen sauberen Eindruck hinterlassen. Das Verhalten der anderen schwärzt auf uns ab.»

Es sei schwer einen Platz auf der Durchreise zu finden. «Es gibt viele Bauern, die wir schon seit eh und je kennen und auf deren Wiesen wir willkommen sind», sagt Birchler. Bei den Gemeinden sei es schwieriger.

«Es ist selten, dass eine Gemeinde so offen auf uns zukommt, wie hier in Rorschach. Wir sind sehr dankbar für die Bleibe und die Art der Kommunikation» sagt Birchler.

Mangel lässt sich nicht leugnen

Von der Absage zum geplanten Durchgangsplatz in Thal hat die Gemeinschaft nicht viel mitbekommen, aber ein Mangel an Plätzen lasse sich nicht leugnen. «Es gibt ca. zehn Durchgangsplätze in der ganzen Schweiz. Auf diesen haben jeweils knapp zwölf Wohnwagen Platz. Das geht bei der Anzahl Schweizer Fahrenden einfach nicht auf», erklärt Birchler. Allein ihre Gemeinschaft umfasse vierzehn Wohnwagen.

Sie gehören zu den Jenischen und Sinti. Im Winter würde die Mehrheit sesshaft an einem Ort verweilen. Viele hätten eine Wohnung, die sie das ganze Jahr durch mieten, und im Winter wieder beziehen würden. Durchgangsplätze seien deshalb besonders wichtig für die Arbeitssuche während der Sommermonate. Diese sei ein Auf- und Ab.

«Unser Leben als Fahrende ist natürlich unbeständiger, aber es ist unsere Tradition. Es gehört zu uns und wir kennen nichts anderes. Deswegen hoffe ich, dass in Zukunft mehr Gemeinden so offen auf uns zukommen werden wie hier in Rorschach», sagt er.

Der Kanton hofft auf Provisorium am See

Bei den kantonalen Stellen ist man positiv überrascht von der Reaktion der Gemeinden. «Das ist sehr erfreulich, besonders nach den Schwierigkeiten in Thal», sagt Alex Biber, Fachspezialist Siedlungsentwicklung beim Baudepartement. Seit fast fünf Jahren versucht der Kanton St. Gallen provisorische Durchgangsplätze für Fahrende einzurichten. «Mit diesen ‹Testläufen› wollen wir bei der Bevölkerung Ängste und Vorurteile gegenüber den Fahrenden abbauen.» Zurzeit gebe es leider keinen einzigen solchen Durchgangsplatz im Kanton. «Es gibt nur vereinzelt Areale, die sporadisch zur Verfügung stehen», sagt Biber. Ziel des Kantons sei es jedoch, Plätze einzurichten, die von März bis Oktober genutzt werden können. «Ich hoffe, dass in Rorschach alles gut geht und die Fahrenden einen positiven Eindruck bei der Bevölkerung hinterlassen. Schön wäre auch, wenn die Gemeinde Rorschach den Platz für die nächsten ein, zwei Jahre als Provisorium zur Verfügung stellt.»

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