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Mutter und Tochter in der Politik: Doris Königer und Monika Simmler sassen schon gemeinsam im St.Galler Stadtparlament

Doris Königer und Monika Simmler politisieren beide für die SP. Viele wissen nicht, dass sie Mutter und Tochter sind.
Marion Loher
Doris Königer (links) und Monika Simmler teilen nicht nur ihre Leidenschaft für Politik, sondern auch fürs Segeln. (Bild: Ralph Ribi)

Doris Königer (links) und Monika Simmler teilen nicht nur ihre Leidenschaft für Politik, sondern auch fürs Segeln. (Bild: Ralph Ribi)

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen
der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch.

Monika Simmler erinnert sich noch gut daran, als sie erstmals realisierte, dass sie eine politisch aktive Mutter hat. «Ich war in der dritten Klasse und meine Mutter hatte im Museumsquartier einen Globi aufgestellt, weil sie Tempo 50 für zu schnell hielt auf diesen Strassen und eine Geschwindigkeitsreduktion verlangte.» Doris Königer lacht: «Stimmt, das war eine meiner ersten Aktionen als VCS-Vorstandsmitglied.» Zur Tochter gewandt sagt sie:

«Du und die Nachbarskinder habt geholfen, Tempo-30-Kleber zu verteilen.»

Königer und Simmler sind zwei Stadtsanktgaller Politikerinnen. Viele wissen nicht, dass sie Mutter und Tochter sind. «Wahrscheinlich, weil wir nicht den gleichen Nachnamen haben», vermutet Simmler, «was nicht immer ein Nachteil sein muss.» Vor allem in den drei Jahren, als sie gemeinsam für die SP im Parlament sassen, waren sie froh, dass nicht ihre Mutter-Tochter-Beziehung im Fokus stand, sondern ihre Politik.

Da würden sie sich thematisch «ziemlich» unterscheiden, sagt Simmler, die seit gut drei Jahren im Kantonsrat sitzt. Sie beschäftigt sich vor allem mit den «klassisch roten Themen» wie Personal- und Steuerpolitik, aber auch mit Sicherheitspolitik. Ihre Mutter gehört seit 18 Jahren dem Stadtparlament an und befasst sich vorwiegend mit Verkehrs-, Planungs- und Umweltthemen.

Flirt mit dem Freisinn

Doris Königer ist in Barcelona unter dem Franco-Regime aufgewachsen. «Das hat mich politisch geprägt», sagt die heute 57-Jährige. «Ungerechtigkeiten und Schwachstellen sind mir ein Dorn im Auge.» Mit 19 Jahren kam sie in die Schweiz, um an der ETH Zürich Architektur zu studieren. Seit 32 Jahren lebt sie in der Stadt St.Gallen, wo sie ihr eigenes Planungs- und Architekturbüro betreibt. Neun Jahre nach der Geburt ihrer Tochter trennte sich Doris Königer von deren Vater, und sie nahm das Mädchen fortan überallhin mit, zu politischen Anlässen, auf Veloflohmärkte und zu kulturellen Veranstaltungen. «Ich wollte meiner Tochter zeigen, was ich alles so mache», sagt Doris Königer.

Bei Königer/Simmler zu Hause wurde viel diskutiert. Auch als der Lebenspartner der Mutter, Heinz Brunner, ebenfalls SP-Mitglied, am Familientisch Platz nahm. «Ich bin mit linken Grundwerten aufgewachsen», sagt die 29-Jährige, «da war es schwer, mich von einer anderen politischen Haltung zu überzeugen.» Einmal allerdings, mit 15 Jahren, liebäugelte sie mit einem Wechsel zu den Jungfreisinnigen. «Ich merkte aber schnell, dass das mit der Freiheit ohne soziale Gerechtigkeit dort nicht aufgeht.» Was jedoch, wenn sie beim Freisinn geblieben wäre? «Wir hätten sie sicherlich nicht verstossen», sagt Mutter Doris.

Zurück bei den Jungsozialisten ging es für die Tochter politisch rasant aufwärts. Mit 18 Jahren wurde sie zur Juso-Präsidentin des Kantons St.Gallen gewählt, vier Jahre später zur Präsidentin der kantonalen SP. Sie war drei Jahre lang St.Galler Stadtparlamentarierin, bevor sie 2016 in den Kantonsrat gewählt wurde. Damals war Monika Simmler gerade 26 Jahre alt. Umso überraschender kam nach vier Jahren der Rücktritt als Kantonalpräsidentin. «Ich hatte ein Angebot aus Grossbritannien und den USA, als Gastforscherin meine Dissertation fertigzustellen», sagt die Juristin. «Das konnte und wollte ich mir nicht entgehen lassen.»

Essen, segeln, diskutieren

Mittlerweile ist Monika Simmler zurück in St.Gallen. Für den Kantonsrat will sie nächsten Frühling wieder kandidieren. Sie engagiert sich im Vorstand der Gewerkschaft im öffentlichen Dienst (VPOD), verzichtet aber vorläufig auf weitere politische Ämter. «Momentan steht die Wissenschaft im Vordergrund.» Simmler habilitiert an der HSG, doziert über Strafrecht und Kriminologie und arbeitet Teilzeit bei der Staatsanwaltschaft.

Doris Königer ist stolz auf ihre Tochter und froh, sie wieder in der Nähe zu haben. So kann der traditionelle Znacht am Sonntagabend wieder stattfinden oder das gemeinsame Segeln – beide haben kürzlich den Segelschein gemacht.

Zu diskutieren gibt es genug. Mutter Doris will auch nach fast 20 Jahren weiter politisieren. «Noch habe ich das Gefühl, etwas bewegen zu können.» Ihre Tochter bewundert sie für die Ausdauer.

«Ich hätte den Schnuf nicht, mich so lange für jeden einzelnen Zebrastreifen in der Stadt einzusetzen.»

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