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Privatschulen seien zu teuer: Ostschweizer Mutter sucht Hilfe bei der UNO

Eine Mutter, deren Kinder die Steinerschule St.Gallen besucht haben, hat bei der UNO eine Beschwerde eingereicht. Dass Privatschulen teurer seien als öffentliche, verstosse gegen die Kinderrechtskonvention. Ähnliches fordert die Elternlobby Schweiz in einer aktuellen kantonalen Petition.
Roger Berhalter
1100 bis 2200 Franken Schulgeld pro Kind und pro Monat: Die Rudolf-Steiner-Schule in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser (2. Juni 2017))

1100 bis 2200 Franken Schulgeld pro Kind und pro Monat: Die Rudolf-Steiner-Schule in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser (2. Juni 2017))

Seit bald 20 Jahren lebt Stella Ledermann in der Schweiz. Und noch immer kann und will die gebürtige Deutsche nicht verstehen, wie das Schulgeld hierzulande finanziert ist. Warum müssen Eltern, die ihr Kind an eine Privatschule schicken, für diese Ausbildung viel Geld bezahlen, während die öffentliche Schule kostenlos ist? Ledermann wehrt sich gegen diese Ungleichbehandlung.

Die 50-Jährige ist selber ehemalige Waldorfschülerin und arbeitet heute an der Steinerschule in St.Gallen, wo sie in der Betreuung und der Handarbeit tätig ist. Alle ihre vier Kinder haben diese Privatschule besucht, drei davon schon ab dem Kindergarten. «Wir mussten für das Schulgeld selber aufkommen», sagt sie an einer Medienorientierung vor Ort am Donnerstagmorgen.

Und dieses Schulgeld summiere sich, kostet doch die Steinerschule je nach Einkommen pro Kind und pro Monat zwischen 1100 und 2200 Franken. Doch das pädagogische Konzept der Steinerschule war der Familie Ledermann dieses Geld wert.

Das Recht auf Bildung gehe verloren

Nun beschwert sich Stella Ledermann beim UNO-Ausschuss für Kinderrechte in Genf. Die hohen Kosten für Privatschulen verstossen ihrer Ansicht nach gegen die Kinderrechtskonvention und seien eine zu hohe finanzielle Belastung für Normalverdiener. Es gebe Ehen, die diesem Druck nicht standhalten, und manche Mütter müssten sich wegen des Schulgelds die Mahlzeiten vom Mund absparen. Kinder, die eine kantonal bewilligte private Schule besuchten, seien finanziell benachteiligt und somit diskriminiert.

In ihrer Beschwerde fragt Ledermann:

«Ist es mit der Kinderrechtskonvention vereinbar, dass Kinder in der Schweiz, welche aus pädagogischen Gründen nicht die Gemeinde- oder Kantonsschule besuchen, ihr Recht auf finanzielle Unterstützung und somit ihr Recht auf Bildung verlieren?»

Ledermann hat ihr Anliegen bei der UNO als Privatperson eingereicht; seit 2017 gibt es diese Möglichkeit einer sogenannten Individualbeschwerde. Der St.Galler Steinerschule kommt die Initiative aber natürlich gelegen. «Das ist in unserem Sinn», sagt Schulleiterin Heidrun Weber. «Wir haben viele Anfragen von Eltern, die ihr Kind bei uns anmelden wollen, sich das aber nicht leisten können.» Das sei «eine Realität, mit der wir leben müssen». Anders als etwa in Deutschland, wo die Kosten für die Eltern deutlich tiefer seien und die Waldorf- beziehungsweise Steinerschulen Wartelisten führten.

Auch die Elternlobby Schweiz begrüsst das Anliegen. «Die Individualbeschwerde von Frau Ledermann ist absolut gerechtfertigt», sagt Erwin Ogg von der Elternlobby an der Medienorientierung. Freie Bildungswahl sei ein Menschenrecht, und die Elternlobby setze sich dafür ein, dass Eltern ohne bürokratische und finanzielle Hindernisse die Schule wechseln könnten.

In den vergangenen Jahren hat die Organisation in St.Gallen und anderen Kantonen per Volksinitiative versucht, die «freie Schulwahl für alle» einzuführen. Die Idee: Eltern, die ihre Kinder an eine Privatschule schicken, wären vom Staat mit Bildungsgutscheinen entschädigt worden und hätten somit nicht mehr bezahlt als für eine öffentliche Schule. Die Initiativen wurden abgelehnt. Aktuell sammelt die Elternlobby Schweiz im Kanton St.Gallen erneut Unterschriften für eine Petition «Bildungswahl für alle».

Hoffnung auf eine Empfehlung an die Schweiz

Stella Ledermann möchte mit ihrem Anliegen nicht den politischen Weg beschreiten. Sie sei schon mehrfach aufgelaufen, und ihre zeitlichen Kapazitäten seien begrenzt. «Für mich ist das keine politische, sondern eine sozial-ethische Frage», sagt die Mutter. Sie erhoffe sich, dass die UNO gegenüber der Schweiz bald eine Empfehlung ausspreche, die Schulgeldregelung zu überdenken.

185 Privatschüler in der Stadt

Derzeit besuchen 185 Stadtsanktgaller Kinder und Jugendliche eine private Schule – das entspricht 2,7 Prozent der Schulpflichtigen. Gemäss Marlis Angehrn, Leiterin Schule und Musik, schwankt die Zahl seit Jahren, ohne in eine Richtung auszuschlagen. Eine deutliche Zunahme zeigt sich aber bei den privaten Schulen auf Stadtgebiet: Gemäss kantonalem Amt für Volksschule gibt es derzeit neun Privatschulen. Vor zehn Jahren waren es noch fünf. Am stärksten genutzt werden Angebote auf Primar- und Oberstufe: Je knapp 200 Schüler aus verschiedenen Kantonen und aus dem Ausland besuchen private St.Galler Institutionen. Ausländer sind vor allem im Institut auf dem Rosenberg anzutreffen. Von insgesamt 230 Schülern des Instituts stammen nur fünf aus St.Gallen; 95 Prozent kommen aus 50 verschiedenen Nationen. (seh)

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