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«Früher hatte es hier viel mehr Insekten»: Goldacherin züchtet aus Liebe zur Natur Schmetterlinge

Die Goldacherin Vreni Borter züchtet bei sich Zuhause Schmetterlinge - auch aus Liebe zur Natur. Trotz der positiven Effekte der Zucht rufen Naturschützer zur Vorsicht auf.
Jolanda Riedener
Gegen 3600 verschiedene Schmetterlingsarten leben in der Schweiz. Vreni Borter züchtet einige in Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

Gegen 3600 verschiedene Schmetterlingsarten leben in der Schweiz. Vreni Borter züchtet einige in Goldach. (Bild: Jolanda Riedener)

«Das Schönste ist, wenn die Schmetterlinge davonfliegen», sagt Vreni Borter. Die 76-jährige Goldacherin ist fasziniert von den Tieren und züchtet sie hobbymässig. In ihrem Garten mit Blick über den Bodensee verbringt sie viel Zeit. «Ich bin eine Naturliebhaberin», sagt sie. Alles blüht in ihren Beeten und Töpfen. Seit beinahe 40 Jahren wohnt sie hier.

«Früher hatte es viel mehr Schmetterlinge und Insekten allgemein», sagt Vreni Borter. Eine Veränderung, die sie nachdenklich stimme. Ihr Haus liegt nahe am Wald, manchmal kommt ein Fuchs zu Besuch. Neben der Terrasse hat sie eine Futterstelle und ein Sandbecken für Vögel aufgestellt.

Im Raupenkasten haben sich 23 Schwalbenschwänze verpuppt. Mehr als die Hälfte ist bereits geschlüpft. (Bild: Jolanda Riedener)

Im Raupenkasten haben sich 23 Schwalbenschwänze verpuppt. Mehr als die Hälfte ist bereits geschlüpft. (Bild: Jolanda Riedener)

In ihren Gemüsebeeten hat sie die winzigen, kaum sichtbaren Schmetterlingseier entdeckt. Etwa einen Millimeter gross sind sie zu Beginn. «Man muss schon wissen, wonach man sucht», sagt sie. Damit die selten gewordenen Insekten nicht von den Vögeln gefressen werden, hat sie diese in einen Raupenkasten gesteckt. Vorwiegend Fenchel haben die Rauben zum Fressen bekommen. Nach drei Wochen haben sie ordentlich zugelegt und sind bereits, sich zu verpuppen.

Sie sei zufällig dazu gekommen. Ihr Sohn habe es auch schon ausprobiert und so habe sie zum ersten Mal auf diese Weise Schmetterlinge beobachten können. «Das hat mich fasziniert», sagt Borter. Nachdem sie vergangenes Jahr die ersten Schwalbenschwänze hat fliegen sehen, liess sie einige Tiere überwintern.

Kinder wissen kaum mehr Bescheid

In ihren Kokon eingepuppt heften sie sich an Äste, die Vreni Borter liebevoll bereit gestellt hat. Während mehrerer Monate harrten die 23 Puppen so aus. «So haben sie den Winter gut überstanden», sagt sie.

Diesen Schwalbenschwanz hat Vreni Borter kürzlich freigelassen. (Bild: Vreni Borter)

Diesen Schwalbenschwanz hat Vreni Borter kürzlich freigelassen. (Bild: Vreni Borter)

Vor gut zwei Wochen war es soweit und das lange Warten nahm ein Ende: Erste Schmetterlinge waren bereit zum Abflug. «Wenn sie aus ihrer Verpuppung kriechen, sind ihre Flügel ganz zerknittert», sagt sie. Erst bewegen sie ihre bunten Flügel nur langsam. Wenige Stunden später beginnen sie zu fliegen. «Dann muss man sie sofort aus dem Raupenkasten befreien.» Sonst würden die Tiere nervös und wie verrückt flattern.

Kindern Tier- und Pflanzenwelt näher bringen

Auch die Kinder aus der Nachbarschaft kommen vorbei, um sich die Schmetterlinge anzusehen. «Ich finde das wichtig», sagt Borter. Denn oft wüssten sie gar nicht viel über die Pflanzen- und Tierwelt. Für sie ist es besonders spannend, was im Raupenkasten vor sich geht.

Während die letzten Schwalbenschwänze nun schlüpfen, hat Vreni Borter bereits einige Brennnesseln für die nächsten Raupen gepflückt: «Kleine Füchse» sollen aus den haarigen Raupen einmal werden.

Schmetterlinge fördern im Garten und auf dem Balkon

Die Naturschutzorganisation Pro Natura hat auf ihrer Webseite Tipps für einen Schmetterlingfreundlichen Garten zusammengestellt. So fühlen sich die Falter besonders wohl:

  • Bieten Sie eine blumenreiche Wiese an. Mähen Sie selten und nicht die ganze Fläche auf einmal. So finden Schmetterlinge Nektarpflanzen und Platz für die Eiablage. Wiesenkräuter sind willkommenes Futter für Raupen.
  • Reservieren Sie eine Ecke als kleine Wildnis mit Brennnesseln und Disteln. Diese Pflanzen sind Nahrungsquellen für viele Raupen und Schmetterlinge.
  • Pflanzen Sie eine Hecke mit einheimischen Sträuchern. Hecken bieten ausser Nahrung auch geschützte Ruheplätze für Falter und Puppen.
  • Gibt es in Ihrem Garten Beeren, Gemüse und blühende Kräuter? Umso besser, das ernährt viele Raupen und Falterarten. Auch Ihre Grosszügigkeit ist gefragt, wenn sich etwa die Schwalbenschwanz-Raupe am Rüeblikraut gütlich tut.
  • Seien sie intelligent faul, wenn es ums Aufräumen im Garten geht. Alte, absterbende Bäume sind wichtige Überwinterungsplätze, genauso wie Asthaufen, dürre Stauden, altes Gras und Kletterpflanzen.

Aufzucht hat positive Seiten, kann aber auch schaden

Die Naturschutzorganisation Pro Natura beantwortet online Fragen zu Schmetterlingen. «Mit der Raupenzucht verhält es sich ähnlich wie mit der Winterfütterung der Vögel: Für die Erhaltung der Arten bringt es nichts», heisst es. Schmetterlingsraupen der freien Wildbahn zu entnehmen, sie zu Hause aufzuziehen und dann wieder freizulassen, ändere nichts an der Qualität des Lebensraums. Unter Umständen könnte dies gar schädlich sein:

«Wenn bei der Aufzucht andere Bedingungen herrschen als im Lebensraum, kann dies die Überlebenschance negativ beeinflussen.»

Die Zucht hat aber auch positive Seiten. Eine Schmetterlingsraupe aufziehen, ihr beim Verpuppen zuzuschauen, und das Ausschlüpfen des fertigen Schmetterlings zu beobachten, ist spannend und lehrreich, schreibt die Naturschutzorganisation. Weiter heisst es:

«Wenn die Aufzucht mit häufigen, nicht geschützten Arten geschieht, wenige Raupen der Natur entnommen werden und die geschlüpften Falter am selben Ort freigelassen werden, ist dies eine sinnvolle Aktivität.»

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