«Mutig und massvoll»: Ostschweizer Wohnbaugenossenschaften loben die neue Wohnraumstrategie des St. Galler Stadtrats

Der Vorstand des Regionalverbandes Ostschweiz von Wohnbaugenossenschaften Schweiz begrüsst die neue Wohnraumstrategie des St. Galler Stadtrats. Das Bekenntnis zu einer aktiveren Bodenpolitik sei mutig und richtig. Und: Die Genossenschaften wollen mithelfen, die Ziele der neuen Strategie zu erreichen.

Luca Ghiselli
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Die Ruckhalde könnte zur Nagelprobe für die neue Wohnraumstrategie des Stadtrats werden.

Die Ruckhalde könnte zur Nagelprobe für die neue Wohnraumstrategie des Stadtrats werden.

Bild: Benjamin Manser

Als die neue Wohnraumstrategie des St. Galler Stadtrats Ende Oktober präsentiert wurde, kritisierten die St. Galler Hauseigentümer das Papier vehement. Von kollektivistischen Tendenzen war die Rede, von der Verstaatlichung des Wohnens. Es gibt aber auch andere Stimmen. In einer Mitteilung meldet sich der Regionalverband Ostschweiz des Verbandes Wohnbaugenossenschaften Schweiz zu Wort. Darin lobt der Vorstand die Strategie. Diese sei «mutig, richtig und massvoll».

Unter anderem sieht das Papier vor, dass die Stadt ihr eigenes Liegenschaftenportfolio in den kommenden zehn Jahren um zehn Prozent aufstockt und die Limite für den Stadtrat beim Erwerb von Liegenschaften erhöht wird. Die Wohnbaugenossenschaften schreiben dazu: «Die Erhöhung ist überfällig.» Bei attraktiven Angeboten müsse die Stadt rasch zugreifen können. Profitieren werde die ins Stocken geratene Abgabe von Liegenschaften im Baurecht an gemeinnützige Wohnbauträger im Rahmen des sogenannten Zwölf-Millionen-Kredits.

Wohnbaugenossenschaften haben Kräfte gebündelt

Gemäss Mitteilung gehören rund 3000 Wohnungen in der Stadt St. Gallen gemeinnützigen Wohnbauträgern. «Die St. Galler Wohnbaugenossenschaften und -stiftungen haben ihre Kräfte gebündelt. Sie wollen wachsen.» Sowohl bei der sozialverträglichen Sanierung des Bestandes als auch bei der Entwicklung der letzten freien Areale wolle man eine «tragende Rolle» spielen. Das gelte auch für die Segmente Wohnen im Alter, Mehrgenerationenwohnen und neue Wohnformen. Eine Partnerschaft zwischen der Stadt und Gemeinnützigen im Rahmen der aktiven Bodenpolitik werde ein wichtiger Baustein bei der erfolgreichen Umsetzung der Wohnraumstrategie sein, heisst es im Communiqué weiter.

Jacques-Michel Conrad, Geschäftsführer Regionalverband Ostschweiz der Wohnbaugenossenschaften Schweiz.

Jacques-Michel Conrad, Geschäftsführer Regionalverband Ostschweiz der Wohnbaugenossenschaften Schweiz.

Bild: PD

Nachfrage bei Jacques-Michel Conrad, Geschäftsführer der Wohnbaugenossenschaften Ostschweiz (WBG). «Die Abgabe von Liegenschaften im Baurecht an Gemeinnützige ist in den vergangenen Jahren ins Stocken geraten», sagt er. Einerseits sei das Verfahren komplizierter geworden, andererseits seien die Preise in die Höhe geschossen. «So ist man am Markt zu langsam.»

«Jetzt die Weichen stellen»

Zudem sei der Leidensdruck in St. Gallen in puncto Mietpreisen geringer als in Zürich oder Basel, wo der gemeinnützige Wohnungsbau weiter ist. «Wir müssen aber jetzt die Weichen stellen, damit wir auch in Zukunft keine solchen Verhältnisse bei uns haben. Die tiefen Mieten sind diesbezüglich eine grosse Chance.» Gut also, sagt Conrad, dass der Stadtrat gemäss Strategie künftig mehr finanziellen Spielraum erhält. «Von der Abgabe im Baurecht profitieren schliesslich nicht nur Gemeinnützige, sondern auch Private.»

Was sagt Conrad zur Kritik der Hauseigentümer? «Das kann man unter Wahlkampf abbuchen.» Er sei überzeugt, dass sich diese negative Haltung legen werde. «Es ist sachlich schlicht falsch, bei einer massvollen Aufstockung des städtischen Liegenschaftenportfolios in den kommenden zehn Jahren von einer Verstaatlichung oder Kollektivismus zu sprechen.» Die Wohnbaugenossenschaften auf dem Platz St. Gallen seien jedenfalls bereit, ihre Bautätigkeit in den kommenden Jahren deutlich zu steigern.