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Die Forsters aus Gossau gehören zu den wenigen Bauern, die Haselnüsse anbauen

Ursula und Albert Forster bauen seit über zehn Jahren Haselnüsse an. Die Gossauer gehören damit zu den wenigen Bauern, welche diese Nuss kultivieren. Denn in der Schweiz ist Haselnussanbau eine Nische.
Martin Brunner
Ursula und Albert Forster sind die einzigen Haselnussbauern Gossaus. Bei der Familie stehen 280 Bäume. (Bilder: Martin Brunner)

Ursula und Albert Forster sind die einzigen Haselnussbauern Gossaus. Bei der Familie stehen 280 Bäume. (Bilder: Martin Brunner)

Die Haselnussanlage von Ursula und Albert Forster in Gossau gibt ein eindrückliches Bild ab. 280 Bäume reihen sich aneinander. Überall schauen die hellgrünen Früchte hervor. Sie zeigen, dass ihnen die Trockenheit nichts anhaben konnte und eine gute Ernte zu erwarten ist. «Haselnüsse gedeihen ursprünglich in trockenen Gebieten wie dem Piemont und der Türkei», erklären die beiden.

«Deshalb gehen wir davon aus, dass unsere Ernte im normalen Rahmen ausfällt. Das sind rund 500 Kilogramm.»

Ursula und Albert Forster gehören zu den wenigen Haselnussbauern in der Schweiz. Hierzulande ist der Haselnussanbau eine Nische. Die grösste Produktion realisiert die St. Galler Saatzuchtgenossenschaft. Sie hat nebst der Familie Forster auch Cornel Angehrn aus Muolen für diese Obstart gewinnen können. So kommen auf einer Anbaufläche von einer Hektare mit rund 800 Bäumen durchschnittlich eine Tonne Nüsse pro Jahr zusammen. Mit einer Ausbeute von 20 Prozent entsteht ein Haselnussöl, eine Spezialität, die nicht ganz günstig ist.

Importiert werden jährlich über 10000 Tonnen in die Schweiz. Dabei könnten die Nüsse auch in anderen Regionen angebaut werden. «Wir wissen, dass der Bedarf grösser wäre», sagt Christoph Gämperli von der St. Galler Saatzuchtgenossenschaft in Flawil. «Das Potenzial für den Absatz wäre vorhanden. Auch die Qualität ist hervorragend. Doch im Moment gilt es, den Anbau zu optimieren.»

Nüsse aus der Türkei

Die Schweiz hat 2017 über 10000 Tonnen Haselnüsse im Wert von mehr als 77 Millionen Franken importiert. Der mit Abstand grösste Teil stammte aus der Türkei. Das Land am Bosporus hat einen Anteil von rund 75 Prozent an der weltweiten Haselnuss-Produktion und ist der grösste Haselnuss-Exporteur. (mab)

Noch zu wenig Wissen vorhanden

Als einen Grund für die Zurückhaltung nennt Gämperli die Langfristigkeit. «Wir ziehen zwar in Flawil die Jungpflanzen vier Jahre lang auf, bevor sie beim Landwirt eingepflanzt werden», sagt er. «Doch ein richtiger Ertrag stellt sich erst später ein, der Vollertrag sogar erst nach zehn bis zwölf Jahren.» Er erwähnt zudem, dass über die Führung solcher Kulturen in Schweizer Breitengraden nur wenig Wissen verfügbar sei. Dazu komme, dass Jungpflanzen der geeignetsten Sorte momentan in ganz Europa praktisch nicht verfügbar seien. Auch bei Forsters kommt der Ausbau ihrer Anlage nicht in Frage. «Solche Kulturen gehören zwar zu unserem Betrieb und bereichern unsere Betriebsausrichtung», sagen sie.

«Für eine Ausweitung fehlt uns aber die Zeit.»

In Gossau werden die Haselnüsse von Hand geernet.

In Gossau werden die Haselnüsse von Hand geernet.

Zeit erfordert auch die Pflege der Bäume und des Bodens. Bei dieser müssen die Gossauer das eine oder andere beachten. Den Haselnussbohrer, ein Rüsselkäfer, und andere Schädlinge halten Forsters mit einer «sanften Behandlung» in Schach. Die natürlichen Fressfeinde Specht und Eichhörnchen würden glücklicherweise keine Probleme machen. Geerntet wird im Herbst. «Die Ernte dauert rund drei Wochen von Ende September bis im Oktober», sagen sie. «Wir ernten von Hand, das heisst, wir lesen die Nüsse aus den Netzen, die wir am Boden ausgelegt haben.» Danach folgt die Trocknung, bevor fleissige Hände die Hüllblätter der Nüsse entfernen.

Für unbekannte Kultur entschieden

Ihr Weg zu den Haselnüssen verlief für Ursula und Albert Forster zufällig. «2006 waren wir vom Feuerbrand betroffen und mussten viele Obstbäume fällen», sagen sie. «Dadurch hatten wir eine freie Fläche, die wir wieder mit Bäumen nutzen wollten.» Durch den bereits bestehenden Kontakt zur Saatzuchtgenossenschaft war schnell die Idee geboren, auf die bis noch unbekannte Kultur der Haselnüsse zu setzen. «Zusammen mit Christoph Gämperli und Richi Hollenstein vom landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil informierten wir uns auf Anlagen in Deutschland. Als Resultat entschieden wir uns, eine halbe Hektare mit diesen Bäumen zu bepflanzen.»

2007 hatte sich das Ehepaar für zwei Sorten entschieden. Der eine Baum ist gross mit starkem Blätterbehang und runden Nüssen, der andere eher klein, aber mit ebenso vielen, aber länglichen Früchten. Bei der Lieferung wartete eine dicke Überraschung. «Als wir die Pflanzen erhielten, stellten wir fest, dass sie erst wenige Zentimeter gross waren», sagen sie.

«Es war also klar, dass ein Ertrag noch einige Zeit auf sich warten lassen würde.»

Das schreckte die beiden aber nicht ab. Nach etwa fünf Jahren war die Durststrecke überwunden und der Ertrag stellte sich ein. Und in wenigen Wochen können die einzigen Haselnussbauern Gossaus wieder ihre Nüsse ernten.

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