Musik
St.Galler Stadtmusik ist im Konzertschuss: Erster Auftritt nach zwei Jahren in der Kirche St.Laurenzen

Nach zwei Jahren Zwangspause konzertiert die Stadtmusik St.Gallen am Sonntag in der Laurenzenkirche in St.Gallen. Gespielt werden anspruchsvolle Stücke. Ein Einblick in die Vorbereitungen.

Rita Bolt
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Die Stadtmusik St.Gallen probt für den Auftritt am Sonntag.

Die Stadtmusik St.Gallen probt für den Auftritt am Sonntag.

Bild: Reto Martin

«Das Vibrafon muss lauter sein, die anderen Instrumente müssen Klang wegnehmen», sagt Niki Wüthrich, Dirigent der Stadtmusik St.Gallen, an der letzten Probe vor dem Konzert am Sonntag. Noch etwas passt nicht: Er sei kein Fan von den Tuba-Tönen am Anfang. Die Passage wird wiederholt. «Jetzt chunts guet», sagt der Dirigent mit einem Lächeln.

Niki Wüthrich, Dirigent der Stadtmusik St.Gallen.

Niki Wüthrich, Dirigent der Stadtmusik St.Gallen.

Bild: Reto Martin

Die Vorfreude auf das Kirchenkonzert vom Sonntag sei gross und alle Musikanten seien sehr motiviert. Die Bühne und Auftritte seien wichtig für die Musizierenden, denn sie können sich den Applaus abholen. Der Dirigent hat schon am vergangenen Wochenende Applaus vom Publikum erhalten; er ist noch Dirigent der Stadtmusik Bremgarten und der Stadtmusik Zürich. Beide haben konzertiert.

Die Stadtmusik St.Gallen durfte zur Freude aller Musizierenden nach einer langen Zwangspause wegen Corona an der Olma-Eröffnung das erste Mal wieder spielen. «Das letzte Kirchenkonzert liegt allerdings zwei Jahre zurück», sagt Ursina Ludwig, Präsidentin der St.Galler Stadtmusik. Und sie hofft, dass viele Menschen Konzertlust verspüren und die Laurenzenkirche gut gefüllt sein wird.

Die Musikkommission habe anspruchsvolle Werke ausgesucht. «Praise Jerusalem» von Alfred Reed beispielsweise. Das insgesamt 16-minütige Stück sei sowohl technisch als auch im Zusammenspiel und klanglich eine Herausforderung. Es wäre das Selbstwahlstück für das Eidgenössische Musikfest in Interlaken im Mai dieses Jahres gewesen. Das Musikfest ist auf 2026 verschoben.

Stadtmusik ist auf weitere Musiker angewiesen

Ursina Ludwig, Präsidentin der St.Galler Stadtmusik.

Ursina Ludwig, Präsidentin der St.Galler Stadtmusik.

Bild: Reto Martin

Mit dem Kirchenkonzert und dem Frühlingskonzert in der Tonhalle studiert die Stadtmusik St.Gallen jährlich zwei symphonische Konzertprogramme ein. Die etwa 60 Frauen und Männer werden in schwarzen Hosen, schwarzer Jacke, weissen Hemd und schwarzer Fliege auftreten. «Das ist unsere Uniform», sagt die Präsidentin.

Die Stadtmusik spielt in der Höchstklasse und ist immer wieder auf weitere Musikerinnen und Musiker angewiesen, damit die einzelnen Register genügend schlagkräftig sind. Mangelware sind vor allem Schlagzeuger. An der Probe vom Montag waren vier vertreten. «Wir bräuchten aber fünf», sagt Dirigent Wüthrich. Jedes Instrument in einem Orchester sei wichtig. «Aber die Perkussionisten geben den Rhythmus vor.» Der Dirigent gebe die Interpretation vor und mache einen grossen Teil der Arbeit im Vorfeld. Er entscheide, koordiniere, leite und gebe den Musikanten Sicherheit.

Wie vielen Blasmusikorchestern fehlen auch der Stadtmusik Tubisten, Oboisten und Klarinettisten. «Es kann nie genug Klarinettisten haben», sagen der Dirigent und Posaunist sowie die Präsidentin, die Saxofon spielt, übereinstimmend. Der Nachwuchs fehle nicht nur in den Musikvereinen, sondern auch in den Musikschulen. Unterstützung im Register Klarinette bekommen die St.Galler für das Kirchenkonzert von der Stadtmusik Zürich. Im kommenden Mai laden die Stadtmusiken St.Gallen und Zürich in der Tonhalle Zürich zu einem Gemeinschaftskonzert ein.

Schweizer Erstaufführung mit 80 Sängerinnen und Sängern

Zuerst steht nun das Konzert in St.Gallen an. Mit den Proben der ganzen Formation wurde nach den Sommerferien begonnen. Die Präsidentin sagt:

«Durch die wenigen Proben mussten vor allem Übergänge einstudiert werden, und dass sich die einzelnen Instrumente spüren.»

Mit den ausgewählten Stücken von drei der bekanntesten Komponisten für Blasmusik werde gezeigt, dass es in der Blasmusik noch anderes als Marsch und Polka gebe, sagt der Dirigent. Mit «Suite From Hymn Of The Highlands» werden die Zuhörenden in die schottischen Highlands entführt. Philip Sparke hat das Stück für eine Erstaufführung am Galakonzert des Europäischen Brass Band Wettbewerbs 2002 geschrieben. Das Kirchenkonzert wird eröffnet mit der «A Pittsburgh Overture», ebenfalls von Philip Sparke.

Vor allem die Übergänge sind geübt worden.

Vor allem die Übergänge sind geübt worden.

Bild: Reto Martin

Der Dirigent und die Präsidentin sind überzeugt, dass mit generationenübergreifendem Musizieren und zeitgemässer Literatur die Begeisterung für Blasmusik bei Jung und Alt geweckt werden kann. Deshalb hatten sie auf den 13. Juni des vergangenen Jahres die Schweizer Erstaufführung der Symphonie No. 5 «Return To Middle Earth» des Komponisten Johan de Meij geplant. Mitgewirkt hätten verschiedene Chöre mit rund 80 Sängerinnen und Sängern. Zusammen mit dem Blasorchester würden 150 Mitwirkende auf der Bühne stehen. Coronabedingt musste das Konzert abgesagt werden. «Wir werden diese Symphonie noch aufführen», verspricht Dirigent Niki Wüthrich. Wann, weiss er noch nicht.

Sonntag, 28. November, 18 Uhr, Kirche St.Laurenzen, St.Gallen, Eintritt frei/Kollekte

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