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Als Guido Schwalt mit 22 Jahren Dirigent der Stadtmusik Rorschach wurde, war das ein kleiner Skandal

Seit 40 Jahren ist Guido Schwalt Dirigent der Stadtmusik Rorschach. Er erzählt vom Misstrauen, das ihm anfangs entgegenschlug, weshalb You Tube für ihn wichtig ist und warum er Rapmusik hört.
Martin Rechsteiner
Den Taktstock fest im Griff: Guido Schwalt ist schon mehr als sein halbes Leben lang Dirigent bei der Stadtmusik Rorschach. (Bild: Mareycke Frehner)

Den Taktstock fest im Griff: Guido Schwalt ist schon mehr als sein halbes Leben lang Dirigent bei der Stadtmusik Rorschach. (Bild: Mareycke Frehner)

Als Guido Schwalt 1970 als 13-jähriger Klarinettist zum ersten Mal über die Schwelle des Proberaums der Stadtmusik Rorschach trat, war die Welt noch eine andere. «Wir spielten ausschliesslich Walzer, Polkas und Märsche», erinnert er sich. Der Verein hatte genau ein weibliches Mitglied. «Und der Dirigent wurde von allen mit ‹Herr Direktor› angesprochen.» Jetzt ist alles ein bisschen anders: Im Repertoire der Stadtmusik Rorschach finden sich Melodien aus «Star Trek» oder von Michael Jackson. Der Frauenanteil im Verein beträgt gut die Hälfte. Und den Dirigenten, seit langem hat Guido Schwalt diese Funktion selbst inne, sprechen alle mit «Du» an.

Schwalt sitzt in seinem Büro in der Goldacher Aula. Die Wand ist tapeziert mit farbigen Plakaten. In seinem Gesicht sitzt eine Brille mit dickem Rand, die Haare sind schneeweiss. Schwalt trägt seine Dirigentenkluft mit rotem Schlips, die er extra für das Bild angezogen hat. «Ich muss mich vor dem Musikunterricht aber noch umziehen. Sonst werden sich meine Oberstufenschüler dann doch fragen», witzelt er.

«Wenn das nur gut kommt»

2019 ist Schwalt seit 40 Jahren Dirigent der Stadtmusik Rorschach. Dies feiert der Verein bei seinem Jahres-Doppelkonzert am 19. und 20. Januar im Würth-Haus Rorschach. Schwalts Karriere bei der Stadtmusik verlief steil. Bereits nach neun Jahren Mitgliedschaft wählte ihn der Verein zum Dirigenten und machte ihn damit zum musikalischen Leiter.

Mit zarten 22 Jahren war er jetzt so etwas wie der Mannschaftstrainer. «Das sorgte für viel Aufsehen und auch für Kritik. Ich war wohl einer der jüngsten Dirigenten im Land. ‹Wenn das nur gut kommt›, sagten damals viele.» Das kam es. Und Schwalt schwingt nach bald 40 Jahren immer noch den Taktstock für den Verein. «Für einen Dirigenten ist das ziemlich lange», sagt er. «Aber ich lebe immer noch für die Musik und meine Funktion. Und im Verein sind dermassen enge Freundschaften entstanden, dass ich nie weg wollte.»

Immer auf dem neusten Stand

Schon früh wusste Schwalt, dass er für die Musik bestimmt war. Er absolvierte das Lehrerseminar und studierte an dem Musik-Konservatorium in Zürich. 1977, noch als Student, half er beim Aufbau der Musikschule Goldach, deren Leiter der 62-Jährige heute ist.

Der vierfache Familienvater steht oft im Klassenzimmer. «Dabei muss ich auf dem neuesten Stand sein, was die Musikwelt betrifft.» So hört Schwalt regelmässig Chartmusik. «Sonst bist du bei den Schülern unten durch.» Durch sein Büro in der Aula Goldach schallen deshalb ab und zu Pop, Techno oder Rap. «Wenn die Schüler etwas aus den Charts singen oder spielen wollen, erfülle ich ihnen diesen Wunsch gerne.» Manchmal werde ihnen dabei bewusst, wie monoton gewisse Lieder und ihre Texte seien, sagt Schwalt.

Auf die Frage, wie er moderne Lieder denn am Instrument umsetze, damit die Schüler mitsingen können, lacht Schwalt nur und sagt:

«Die Zeiten, in denen der Musiklehrer am Klavier sitzt und die Kinder beim Gesang begleitet, sind längst vorbei.»

Im Klassenunterricht seien heute Laptop und Musikboxen seine Instrumente. «Ich nehme das Playback eines Lieds auf Youtube, am besten eine Karaoke-Version.» Denn so werde der Text im Video eingeblendet, das der Beamer an die Wand projiziert. Die Schüler brauchen also nicht einmal mehr Liederblätter. «Komme ich auf die Idee, die Musik wieder einmal am Klavier nachzustellen, sind die Rückmeldungen der Schüler ziemlich eindeutig. Da nehmen sie kein Blatt vor den Mund», sagt Schwalt und lacht wieder.

Für die Stadtmusik Rorschach muss Schwalt weniger in Hitparaden und Chartlisten stöbern. Es kommen zwar moderne Stücke ins Programm, dabei handelt es sich aber mehrheitlich um moderne Klassiker. Er nimmt die Lieder und schreibt sie so um, dass sie sich im Orchester spielen lassen. «Früher, als ich das noch von Hand gemacht habe, hat mich das während der ganzen Sommerferien beschäftigt. Jetzt, am Computer, geht es etwas schneller», sagt Schwalt.

«Verflixt nochmal, Saxofon!»

Auch wenn sich vieles geändert habe, liebt er seine Funktion im Verein nach wie vor. «Ich glaube, das spüren die Mitglieder.» Auch wenn bekannt sei, dass er auch laut werden könne. «Ich bin für gewöhnlich geduldig, aber wenn kurz vor Auftritten etwas nach dem hundertsten Mal nicht klappt, kann es passieren, dass der Taktstock in die Ecke fliegt.» Schwalt bezeichnet sich aber nicht als nachtragend. Beim gemeinsamen Bier nach der Probe sei alles wieder vergessen. «Und wenn ich vor dem Orchester ausrufe, dann nenne ich keine Namen, sondern nur das Instrument.»

In seinen 40 Jahren Mitgliedschaft hat Guido Schwalt nicht nur einiges erlebt, sondern war auch bei vielen grossen Auftritten dabei. «Als es in St. Gallen noch das Tattoo gab, waren wir zweimal mit von der Partie», sagt er. «Im Jahr 1998 machten wir bei der Swiss Music Parade in Willisau mit und wurden Vierte.» Ab und zu ging es aber auch ins Ausland, nach Bregenz oder Lindau oder einmal nach Sopron, in die ungarische Partnerstadt. Und in Rorschach habe der Verein natürlich schon überall gespielt: «Etwa in der Badhütte, im Innenhof der PH Mariaberg oder auf einem Schiff im Hafen.» Eins steht für Schwalt fest: Er will noch lange Dirigent bei der Stadtmusik bleiben. «Ich habe noch lange nicht genug.»

Die Jahreskonzerte der Stadtmusik Rorschach finden am Samstag, 19. Januar, um 20 Uhr und am Sonntag, 20. Januar, 15 Uhr im Würth Haus statt. www.stamuro.ch

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