St.Galler Museen verzeichnen Besucherrekorde: «Mit unseren Ausstellungen haben wir den Nerv der Zeit getroffen»

Alle vier grossen städtischen Museen haben im vergangenen Jahr mindestens 40'000 Eintritte verkauft. So viele wie noch nie.

Christoph Renn
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Knapp 40000 Personen haben 2019 das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen besucht.

Knapp 40000 Personen haben 2019 das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen besucht.

Bild: Benjamin Manser

Die St.Galler Museen erfreuen sich weiter einer grossen Beliebtheit. Bemerkenswert in Zeiten von Social Media ist, dass viele Jugendliche 2019 eine Ausstellung besucht haben. Vor allem das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen (HVM) war bei den Schulklassen sehr beliebt. Im Naturmuseum machen sie immerhin einen Drittel aller Eintritte aus. Speziell am vergangenen Jahr ist, dass nicht ein einzelnes Museum rekordverdächtige Zahlen verzeichnet hat, sondern gleich alle vier grossen. Dies zeigt ein Blick auf die Eintrittszahlen der Museen.

Auf ein Rekordjahr kann das Historische und Völkerkundemuseum zurückblicken, nachdem es wegen des Wegzugs des Naturmuseums schwierige Zeiten hinter sich hatte. HVM-Direktor Daniel Studer sagt:

«Das Museumsquartier hat seine Beliebtheit definitiv wieder zurückgewonnen, nachdem es vor allem 2017 hart war.»

So haben im vergangenen Jahr knapp 40'000 Personen eine Ausstellung besucht. Im Vergleich: 2017 waren es lediglich 22'600 und 2018 nur 27'300. Mit 35'000 Eintritten kam das Museum im Jahr 2010 den Zahlen aus dem vergangenen Jahr am nächsten.

Für Studer ist der Grund für das erfolgreiche Jahr klar: «Mit den Ausstellungen ‹Kinder im KZ Bergen-Belsen› und ‹Flucht› haben wir den Nerv der Zeit getroffen.» Zudem seien diese Themen ein Pflichtstoff für Schulklassen. Weiter habe die Eröffnung des Asiensaals viele Besucherinnen und Besucher ins Museum gelockt.

Auf den Erfolg folgt ein schwieriges Jahr

Vom Erfolg lässt sich Daniel Studer jedoch nicht blenden: «Dieses Jahr wird wieder härter für uns», sagt er. Denn die beiden erfolgreichen Ausstellungen seien langjährige, auswärtige Projekte gewesen, die mehrere Millionen Franken gekostet hätten.

«Solche Projekte können wir selber nicht stemmen.»

Trotzdem warten auch in dieser Saison wieder einige Perlen auf die Gäste (siehe Kasten). Gespannt sei er auch schon auf 2021. Dann feiert das Historische und Völkerkundemuseum seinen 100.Geburtstag.

Historisches und Völkerkundemuseum

Das laufende Jahr bezeichnet Direktor Daniel Studer als Übergangsjahr, nachdem 2019 ein Besucherrekord verbucht wurde. Denn es sei schwierig, den Erfolg der beiden Ausstellungen «Flucht» und «Kinder im KZ Bergen-Belsen» zu wiederholen. Zudem laufen bereits die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 2021. Das Museum feiert dann seinen 100. Geburtstag. «Wir haben Grosses geplant», sagt Studer. Trotzdem soll den Besucherinnen und Besuchern auch in diesem Jahr ein attraktives Programm geboten werden. So zeigt das Museum neben anderem ausgewählte Arbeiten des St. Galler Künstlers Fritz Gilsi und seinem Sohn René Gilsi. Zudem gibt es einen Schwerpunkt zu St.Galler Künstlerinnen. (ren)

Webseite: www.hvmsg.ch

Eine ständige Herausforderung nennt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums, die Zusammenstellung eines interessanten Programms. «Uns ist dies im vergangenen Jahr wieder geglückt, nachdem wir 2018 einen kleinen Einbruch erleben mussten.» So besuchten 2019 knapp 60'000 Personen das Naturmuseum oder eine der verschiedenen Veranstaltungen. Das sind rund neun Prozent mehr als 2018. Zudem ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 9632 gestiegen, was einem Plus von ebenfalls neun Prozent entspricht. Die Spitzenreiter der vergangenen Saison waren einerseits die Eier-Ausstellung und andererseits die Sonderausstellung «Wasser – wie es unsere Erde formt». Zudem wurden die Veranstaltungen im Rahmen der Intervention zum 50-Jahr-Jubiläum der ersten bemannten Mondlandung sehr gut besucht. Auch die aktuelle Apfel-Ausstellung laufe sehr gut.

Naturmuseum

Das Naturmuseum blüht nach dem Einzug in den Neubau 2016 auf. Seit der Neueröffnung verzeichnet es rekordverdächtige Besucherzahlen. So auch 2019, nachdem es 2018 einen kleinen Einbruch gegeben hat. Mit einem breiten Programm mit vielen Begleitveranstaltungen soll auch dieses Jahr wieder erfolgreich verlaufen. So zeigt ein Blick in das Jahresprogramm, dass es auch 2020 wieder die Ausstellung «Allerlei rund ums Ei» gibt, die seit Jahren Besucherinnen und Besucher ins Museum lockt. Zudem widmet sich das Naturmuseum mit einer Sonderausstellung dem Eichhörnchen, und es gibt einen Schwerpunkt zum Thema «Aus Meisterhand – Tierpräparate von Ernst Heinrich Zollikofer». (ren)

Webseite: www.naturmuseumsg.ch

Das Wetter war 2019 gut für die Museen

Neben der Wahl der Ausstellungsthemen gibt es laut Toni Bürgin aber noch einen weiteren Faktor, der die Besucherzahlen beeinflusst, den die Museen nicht beeinflussen können. «Im Jahr 2018 haben wir weniger Eintritte verkauft, weil es damals einen sehr schönen Sommer gegeben hat», erklärt er. Das vergangene Jahr habe ihm klar gezeigt:

«Das Interesse an den städtischen Museen ist bei der St.Galler Bevölkerung immer noch vorhanden.»

Erfreulich war das vergangene Jahr auch für das Team des Textilmuseums. So sagt Direktorin Barbara Karl: «2019 war eines der erfolgreichsten Jahre überhaupt für das Textilmuseum.» Rund 40'000 Personen haben das Museum an der von Vadianstrasse besucht. Die Ausstellung «Mode Circus Knie» lockte dabei am meisten Besucherinnen und Besucher an. «In der Schweiz kennt jeder den traditionsreichen Zirkus und verbindet damit Kindheitserinnerungen.» Damit habe das Textilmuseum ein sehr breites Publikum ansprechen können. «Die Ausstellung faszinierte sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche», sagt Barbara Karl. Die Schau, die am 6.März eröffnet wurde, läuft noch bis und mit dem 19.Januar.

Textilmuseum

Im Textilmuseum ist bis zum 19. Januar die Ausstellung «Mode Circus Knie» zu sehen. Das Museum zeigt zudem seit November die aktuellen Kollektionen der Schweizer Textilhersteller. Diese Schau läuft noch bis am 29. März. «Wir haben zudem zwei grosse Ausstellungen geplant», sagt Direktorin Barbara Karl. So läuft ab dem 14. Februar die Europäische Quilt-Triennale. Diese wurde bereits zum siebten Mal ausgerichtet und ist nach Präsentationen in Deutschland und Österreich 2020 in der Schweiz zu sehen. Eine Jury wählte dabei aus 160 Einrichtungen 41 Arbeiten ais, die ein Spektrum an Techniken, Konzepten und Motiven zeigen. Zudem wird es eine Modeausstellung zum Thema Nachhaltigkeit geben. (ren)

Webseite: www.textilmuseum.ch

Segantini lockt Tausende in das Kunstmuseum

Knapp 4000 Eintritte pro Monat konnte das Kunstmuseum im vergangenen Jahr verbuchen. Auch das ist rekordverdächtig. Vor allem eine Ausstellung hat eingeschenkt: «Der grosse Besuchermagnet war 2019 klar die Segantini-Schau in Kombination mit zeitgenössischer Kunst mit dem Titel ‹La luce alpina› im Kunklerbau», sagt Direktor Roland Wäspe. Vor allem die Vorträge waren jedes Mal sehr gut besucht. Aber auch die Ausstellung «unfertig» von Albert Oehlen sei bei den Besucherinnen und Besuchern sehr gut angekommen. «Die Resonanz war sehr gut, auch bei den Medien,» sagt Wäspe.

Kunstmuseum

Den Auftakt ins 2020 machen im Kunstmuseum drei internationale Künstlerinnen: Iman Issa, Siobhán Hapaska sowie die rumänische Performance- und Grafikkünstlerin Geta Brătescu in ihrer schweizweit ersten Ausstellung. Ergänzt wird der Start mit acht Künstlerinnen und Künstlern in der Gruppenausstellung «Metamorphosis Overdrive». Ab Mai zeigt das Museum Werke von Adrian Schiess und startet eine Reihe von Ausstellungen, welche die Vielfalt der eigenen Sammlung zeigt. Darunter wird anlässlich des zehnjährigen Jubiläums mit «Città irreale» eine spartenübergreifende Kooperation mit dem Theater St. Gallen und dem Kinok realisiert und eigens ein neues Stück entworfen und aufgeführt. (ren)

Webseite: www.kunstmuseumsg.ch

Wie viele Personen das Kunstmuseum im vergangenen Jahr genau besucht haben, ist jedoch noch nicht klar, weil das Kunstmuseum St.Gallen diverse Orte bespielt. Sprich den Kunklerbau, die Kunstzone der Lokremise und das Kirchhoferhaus. Deshalb sei die Hochrechnung noch nicht gemacht. Trotzdem ist für Direktor Roland Wäspe bereits klar, dass das vergangene Jahr im Bezug auf die Besucherzahlen ein sehr gutes war. Im laufenden Jahr müsse es nun mit dem Umbau zügig vorangehen.

Botanischer Garten

Der Botanische Garten feiert in diesem Jahr sein 75-Jahr-Jubiläum. Dazu hat das Team um Hanspeter Schumacher verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen geplant. Mit der Eröffnung des neuen Vortragsraumes, die am 7. Juni geplant ist, macht sich der Botanische Garten zudem gleich sein eigenes Geburtstagsgeschenk. Zum Jubiläum gibt es eine eigene Ausstellung zum Thema «Pflanzen, unsere Lebensgrundlage». Diese richtet sich laut Schumacher an die Öffentlichkeit, aber auch an Schulklassen. Weiter werden Werke des St.Galler Künstlers Thomas Marbacher ausgestellt. Am 7. Juni hält Schumacher einen Vortrag und macht eine Führung zur Geschichte des Botanischen Gartens. (ren)

Webseite: www.botanischergarten.stadt.sg.ch