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Muolens weltbester Boxer: «Kung-Fu hat mein Leben verändert.»

Als Kind schaute er Jackie Chan-Filme, jetzt ist René Zaugg aus Muolen Weltmeister im Thai-Boxen. Für den 20-Jährigen kein Grund abzuheben.
Adrian Lemmenmeier
René Zaugg will mit Kampfsport seinen Lebensunterhalt verdienen. (Bild: Thomas Hary)

René Zaugg will mit Kampfsport seinen Lebensunterhalt verdienen. (Bild: Thomas Hary)

Ein Dutzend Kinder drehen sich vor Buddha-Statuen um die eigene Achse, bis ihnen schwindlig wird. «Damit simuliert man das Gefühl vor einem Knock-out», sagt René Zaugg. Der 20-Jährige kennt dieses Gefühl nur aus dem Training; k.o. gegangen ist er noch nie. Seine Bilanz: 25 Kämpfe, 21 Siege, ein Weltmeistertitel im Muay-Thai-Boxen. An der Fight Night in Amriswil hat Zaugg den entscheidenden Kampf in fünf Runden für sich entschieden.

«Wir sind stolz», sagt Romano Koller. Er ist Zauggs Meister – der Sifu, wie man auf Chinesisch sagt. Koller leitet die Kung-Fu-Schule «He Shang Do» in Amriswil. Er hat selbst Jahrzehnte lang als Profi gekämpft. Besonders stolz ist Koller, weil Zaugg als Kung-Fu-Kämpfer eigentlich nicht auf Muay Thai spezialisiert ist. Typisch für diese Disziplin sind der Einsatz von Ellbogen und Knien. Auch darf man den Gegner umklammern (Clinchen).

Das Geld ist in Las Vegas

Für René Zaugg ist der Titel kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern ein Ansporn, weiter an sich zu arbeiten. «Ich will Profi werden», sagt er. Denn Profi ist man beim Thai-Boxen als Weltmeister nicht zwingend. «Es gibt verschiedene Verbände», erklärt Romano Koller. ISKA, dessen Titel Zaugg trägt, sei einer der Grössten. «Um vom Thai-Boxen leben zu können, muss man aber an den grossen Kampf-Veranstaltungen teilnehmen.» Solche Kämpfe gibt es vor allem im Ausland. «Das Geld ist in Las Vegas oder in Thailand», sagt Koller. Aber auch in Frankreich gebe es mittlerweile grosse Galas. Ein Nomadenleben müsse ein Thai-Boxer deswegen nicht führen, sagt Koller.

«Mehr als einen Kampf innerhalb von drei Wochen ist ungesund.» Zaugg könnte also weiterhin in Amriswil trainieren, und ab und zu für einen Kampf ins Ausland reisen. Aber vorerst hat der Elektroinstallateur andere Pläne, denn es wartet die Rekrutenschule. Als Fallschirm-Aufklärer dürfte Zaugg bei der Armee fit bleiben – auch ohne drei Mal die Woche am Boxsack zu trainieren. Nach der Rekrutenschule will der Sifu dem Weltmeister mehr Zeit zum Trainieren verschaffen. «Ich bin auf der Suche nach Sponsoren», sagt Koller. So könnte sich Zaugg ohne Lohneinbusse aufs Boxen fokussieren.

Koller ist optimistisch: «Ich sag es mal salopp: René ist ein gutes Produkt. Er ist sehr talentiert, aber auch anständig und nicht vorbestraft.» Das erleichtere die Sponsorensuche. Zaugg ist nicht nur anständig, sondern auch bescheiden. Fragt man ihn nach seinen Zielen, antwortet er spontan: «Ich will gesund bleiben».

Wie Vater und Sohn

Zaugg ist zwar Weltmeister im Muay-Thai-Boxen, doch gelernt hat er Kung-Fu. «Mit achteinhalb habe ich bei Sifu Romano begonnen», sagt er. Als Kind habe er James Bond- und Jackie Chan-Filme geschaut. «Ich wollte auch allein gegen zehn andere kämpfen können», sagt Zaugg. Er habe aber schnell gemerkt, dass das nicht möglich sei. Kung-Fu aber habe sein Leben verändert. «Mein Selbstvertrauen ist enorm gewachsen.» Zu seinem Meister hat Zaugg eine besondere Beziehung. «Sifu Romano ist wie ein zweiter Vater für mich.» Koller selbst macht seit 42 Jahren Kung-Fu. Gelernt hat er es in St.Gallen.

Er hat aber auch Ostasien bereist und sich längere Zeit in einem malaysischen Kloster mit dem Buddhismus auseinandergesetzt. Auch eine Option für René Zaugg? «Monate lang kein Fleisch essen – nein danke», sagt der Weltmeister. Und Koller, der trotz fortgeschrittenen Alters noch immer mit seinen Schienbeinen Baseballschläger halbiert, stellt klar: «Wir meditieren nicht, wir machen Kampfkunst.»

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