Muoler sind die besseren Appenzeller

Der Muoler Käsermeister Johannes Eberle hat an der Weltmeisterschaft mit seinem Appenzeller Käse Gold geholt. Dabei hat ihn der Ehrgeiz erst nach der Lehre so richtig gepackt.

Melissa Müller
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Hayatullah Mohammadi, Johannes Eberle und Robert Batanovics verkosten in der Käserei Muolen den «besten ­Appenzeller der Welt».

Hayatullah Mohammadi, Johannes Eberle und Robert Batanovics verkosten in der Käserei Muolen den «besten ­Appenzeller der Welt».

Bild: Ralph Ribi

Johannes Eberle brach morgens um 5 Uhr im Bett in so lauten Jubel aus, dass seine Frau aus dem Schlaf schreckte. Der Käser aus Muolen hatte auf dem Handy gelesen, dass er Weltmeister geworden war: Sein Appenzeller Käse hat am «World Champion Cheese Contest» in Wisconsin, USA, Gold gewonnen. Seit jenem Mittwochmorgen gratulieren ihm täglich Leute aus dem Dorf. Vor der kleinen Käserei Muolen steht auf einem Schild:

«Hier gibt es offiziell den besten Appenzeller Käse der Welt.»

Aber verstehen die Amis, die 22 Appenzeller Proben bewertet haben, wirklich etwas von Käse? Momoll, meint Eberle, in der Jury sässen Leute aus aller Welt, auch aus Japan und China. Nun will er selbst über den grossen Teich fliegen und die Gold­medaille entgegen nehmen – sofern es die aktuelle Lage infolge des Corona-Virus zulässt.

Kräfig, würzig, schön ­cremig im Gaumen

Doch wie schmeckt er eigentlich, der weltbeste Appenzeller Käse? «Kräftig, würzig, aber schön cremig im Gaumen», sagt Eberle und bietet ein Stück zum Degustieren an. Die Lagerung im Keller, die je nach Sorte drei bis sechs Monate dauert, sei für den Geschmack entscheidend.

Das Team verkäst im Jahr 1,6 Millionen Liter Milch zu Appenzeller und 400000 Liter Milch zu eigenen Spezialitäten wie dem Bischofszeller Nachtwächter, dem Rosenkäse und dem Trüffelkäse Oro del Bosco.

Das Team verkäst im Jahr 1,6 Millionen Liter Milch zu Appenzeller und 400000 Liter Milch zu eigenen Spezialitäten wie dem Bischofszeller Nachtwächter, dem Rosenkäse und dem Trüffelkäse Oro del Bosco. 

Ralph Ribi

Seine Käse würden monatlich von Experten degustiert und nach Kriterien wie Geschmack, Beschaffenheit des Teigs, Löchrigkeit und Äusseres benotet. Dies, damit alle Käse der Sortenorganisation Appenzeller einheitlich auf den Markt kommen. Mit seinen Mitarbeitern Hayatullah Mohammadi und Robert Batanovics verarbeitet Eberle jährlich 1,6 Millionen Liter Milch zu Appenzeller.

Die Liebe zum Beruf vom Vater geerbt

Stolz posieren die drei Männer mit den Käselaiben für den Fotografen, amen die mürrischen Appenzeller Sennen aus der Werbung nach und geniessen ihren Erfolg.

Das Rezept bleibt geheim.

Das Rezept bleibt geheim.  

Ralph Ribi

«Der Preis ist eine Ehre und motiviert uns», sagt der 30-jährige Chef, der in vierter Generation käst und im zweiten Jahr selber geschäftet. Erst nach der Lehre habe ihn der Ehrgeiz gepackt. Mit eigenen Händen ein Lebensmittel zu erschaffen, das gut bei den Leuten ankomme, gebe ihm Befriedigung.

«Ohne meine Eltern wäre ich nicht da,
wo ich heute bin.»

Wie sein Vater Hans, von dem er das Handwerk erlernt hat, ist er nie zu 100 Prozent zufrieden mit dem Käse, will immer noch etwas verbessern. Zurzeit tüftelt das Team an einem orangefarbenen Safrankäse – eine Idee von Hayatullah Mohammadi, der das kostbare Gewürz von seinem Bruder aus Afghanistan geschenkt bekommen hat.

Dass Eberle einen «wahnsinnsguten Job» macht, ist auch dem Rorschacher Matthias Kündig nicht entgangen, dessen Chäslaube mit 300 Käsespezialitäten schweizweit ein Begriff ist. «Er ist ein innovativer Typ. Der Preis ist lässig für ihn, aber ich gebe nicht so viel darauf», sagt Kündig. Die Auszeichnung habe auch eine Marketingfunktion, gebe den Käsern Wertschätzung und sorge für einen Aufschwung.

Eberle will mit seinem Team feiern: «Sobald wir einen Termin finden, schmeisse ich den Grill an und dann stossen wir mit einem Appenzeller Quöllfrisch auf den Sieg an.»