Interview
Goldacher Jäger: «Mountainbiker erschweren die Jagd auf Rehe»

Erich Zingg ist Jäger in der Region Rorschach. Mit der Saison ist er bisher zufrieden, obwohl sich das Wild immer mehr zurückziehe. Die Gründe sind vom Menschen gemacht.

Noah Salvetti
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Erich Zingg ist Obmann der Jagdgesellschaft Untereggen-Goldach. (Bild: PD)

Erich Zingg ist Obmann der Jagdgesellschaft Untereggen-Goldach. (Bild: PD)

Unter der Woche amtet er als Geschäftsführer einer grossen Recyclingfirma, an den Wochenenden streift er durch hiesige Wälder: Erich Zingg ist Obmann der Jagdgesellschaft Untereggen-Goldach. Acht Pächter sind dem Wild im 1153 Hektar grossen Revier auf der Spur. Der Obmann zieht eine erste Bilanz der diesjährigen Jagdsaison.

Erich Zingg, wie läuft die Jagdsaison bislang?

Erich Zingg: Die kantonale Abschussvorgabe für das Revier, 39 Rehe, haben wir bereits knapp erreicht. Um grosse Störungen im Wald zu vermeiden, veranstalten wir nur zwei Treibjagden, in denen wir das Wild mit Stöberhunden und dem Treiben flüchtig machen. Drei Viertel der Tiere haben wir allerdings in Ansitzjagd vom Hochsitz aus erlegt.

Wie steht es um den Bestand von Wildtieren?

Untereggen-Goldach ist ein typisches Rehwildgebiet. Der Bestand ist in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben, so auch im laufenden Jagdjahr.

Rechnen Sie mit einer Zunahme der Bestände in den kommenden Jahren?

Das hängt von mehreren Faktoren ab. Allerdings glaube ich nicht an eine Zunahme des Rehwilds, schliesslich sind der Platz und auch das Nahrungsangebot in unseren Wäldern beschränkt.

Wie würde sich eine Überpopulation äussern?

Rehe reagieren rasch auf Veränderungen. Da sich mehr Tiere ein gleiches Mass an Nahrung teilen müssten, würden sie automatisch weniger wiegen und wären krankheitsanfälliger. Es gäbe wohl auch mehr Schäden an Bäumen.

Welche externen Faktoren beeinflussen die Jagd?

Der Lebensraum der Tiere verkleinert sich durch die Ausbreitung des Menschen. Inoffizielle Mountainbikewege erschweren die Jagd insofern, als die Tiere dadurch häufiger gestört werden und schwerer auffindbar sind. Das Rehwild wird dadurch zusehends zum Nachttier. Das erschwert die Jagd, zumal wir keine Nachtsichtgeräte verwenden. Diese sind für Rehwild nicht erlaubt.

Wie hat sich der Hitzesommer auf die Jagd ausgewirkt?

Nicht spürbar. Trotz der hohen Temperaturen haben die Bäche genügend Wasser geführt. Das Reh ist ein sogenannter Konzentratselektierer, es ernährt sich von leicht Verdaulichem wie etwa Knospen – davon hat es auch in diesem Sommer genügend gegeben. Harte Winter, Kälte und häufige Niederschläge sind Faktoren, die dem Rehwild und vor allem den Jungtieren zusetzen.

Hat es im laufenden Jagdjahr besondere Vorkommnisse gegeben?

In der Tat! Wir konnten einen Hirsch erlegen. Dies haben wir bereits vor zwei Jahren geschafft. Eine positive Überraschung, zumal unser Revier kein klassisches Hirschgebiet ist. Das Tier ist wohl vom Oberland talwärts in unser Gebiet gewandert.

Vielerorts kämpft man mit der starken Ausbreitung des Wildschweins. Ist dies auch bei Ihnen ein Problem?

Nur vereinzelt. Glücklicherweise gibt es bei uns keine dauerhaften Wildschweinpopulationen, die Schäden an kultiviertem Land anrichten könnten. Wildschweine sind sehr schlaue Tiere – die Autobahn, die bei uns in unmittelbarer Nähe liegt, kommt da gelegen. Sie hindert die Tiere daran, sich in grosser Zahl bei uns niederzulassen. Ein Wildschwein zu erlegen wäre denn auch ein aufwendiges Vorhaben, das etwa 60 bis 80 Stunden in Anspruch nimmt.

Sind Sie insgesamt zufrieden mit dem Verlauf der aktuellen Jagdsaison?

Ja, durchaus. Es handelt sich um ein durchschnittliches Jagdjahr. Dass wir einen Hirsch erlegen konnten und zu diesem Zeitpunkt die Abschussvorgabe fast komplett erreicht haben, stimmt uns positiv.