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In Mörschwil leben die einzigen Salettiner der Schweiz

In der Unteren Waid leben acht Salettiner. Der Hausobere der Ordensgemeinschaft gewährt Einblick in die Ansichten, die Lebensweise und Arbeit der Pater.
Yann Lengacher
Piotr Zaba in der Kapelle bei der Unteren Waid. (Bild: Thomas Hary)

Piotr Zaba in der Kapelle bei der Unteren Waid. (Bild: Thomas Hary)

Pater Piotr Zaba ist ein freundlicher Mann schnellen Schrittes. Deswegen vergisst er aber nicht, den obligaten Knicks vor dem Altar zu machen, als er durch die Kapelle in der Unteren Waid führt. Auch sonst scheint sich der Hausobere der Ordensgemeinschaft in Mörschwil für die kleinen Dinge Zeit zu nehmen. Vor dem Gespräch zündet er eine Kerze an. Danach beantwortet er die Fragen in einwandfreiem Deutsch. Das ist nicht selbstverständlich: Zaba ist Pole.

Das Missionshaus in Mörschwil ist die einzige Niederlassung der Salettiner in der Schweiz. Acht Brüder, darunter drei Schweizer, drei Polen, ein Deutscher und ein Liechtensteiner leben heute im Missionshaus in der Unteren Waid. Piotr Zaba steht dem Schweizer Distrikt vor, welcher 2013 aufgrund zu weniger Neumitglieder in die polnische Provinz eingegliedert wurde. Einfacher als ihre Organisation ist die Aufgabe der Salettiner, wenn es nach Zaba geht. «Wir wollen den Menschen helfen, sich mit Gott, sich selbst, mit anderen und der Schöpfung zu versöhnen. Unsere Botschaft ist Versöhnung», sagt der 45-Jährige.

Eine Frau führt Brüder in eine Gemeinschaft

Am 19. September 1846 soll in La Salette, einem französischen Dörfchen, Maria zwei Kindern erschienen sein. 1851 wurde das Wunder kirchlich anerkannt. Die Salettiner bildeten sich später als einzige Ordensgemeinschaft nach einer Marienerscheinung. Die weinende Maria habe den Kindern verkündet, dass sie die Sorgen der Menschen kenne, aber auch geklagt, dass diese sich von Gott abwenden, weshalb eine Hungersnot käme.

Damals wie heute brächen viele Leute die Beziehung zu Gott ab, sagt Zaba. Straft aus der Sicht der Salettiner also Gott die Menschheit für einen unchristlichen Lebensstil, wenn schlimme Dinge oder Katastrophen geschehen? «Es tut Gott sicher weh, wenn wir unter unserer Würde leben. Aber viele Probleme auf der Welt sind keine Strafe Gottes, sondern von uns selber verursacht, beispielsweise die Luftverschmutzung», sagt Zaba dazu. Für den Polen ist die Botschaft aktueller denn je. So wisse Maria nach wie vor um die Probleme der Menschen. Auch gehe aus der Botschaft hervor, dass der Mensch nicht nur zum Arbeiten da sei, sondern Zeit für sich selbst, die Familie und Gott finden müsse. «Sonst kann man irgendwann mit einem Burnout enden.»

Zaba sieht die Lebensart rund um Arbeit und Konsum aber nicht unbedingt als Gefahr für die Menschen. Es komme darauf an, wie man Mitmenschen behandle. Gott verbiete es nicht, reich zu sein und dafür zu arbeiten. Allerdings müsse man aufpassen, nicht der Gier zu verfallen, die oft mit dem Anhäufen von Besitztümern komme und zu sozialer Isolation führen könne.

«In der Schweiz gibt es viele Menschen, die alles haben und doch unglücklich sind. Was fehlt ihnen denn? Ein Sinn im Leben.»

Der Tagesablauf der Salettiner richtet sich nach dem Glauben. Am Morgen um 7.10 Uhr treffen sie sich ein erstes Mal zum Beten. Auch am Mittag und am Abend beten die Brüder zusammen. Dazwischen sind die Pater in der Seelsorge in den umliegenden Kirchgemeinden tätig. Sie geben Glaubenskurse oder arbeiten mit Jugendlichen. Zweimal im Jahr gehen sie nach La Salette auf Wallfahrt, wo sich die Menschen im Sinne der Botschaft von La Salette versöhnen sollen.

Seit 40 Jahren keine neuen Mitglieder in der Schweiz

Zaba ist Religionslehrer und Seelsorger am Gymnasium Untere Waid. Nicht alle Pater können noch arbeiten. Zwei ältere Salettiner sind pflegebedürftig. Nachwuchs hatte der Orden in der Schweiz seit über 40 Jahren nicht mehr. Auch deswegen kam Zaba einst nach Mörschwil. «Wir beten in der Gemeinschaft jeden Donnerstagabend um neue Berufungen. Wir arbeiten mit den Jugendlichen auch in der Hoffnung, dass wir jemanden für uns begeistern können», antwortet Zaba auf die Frage nach der Zukunft des Ordens in der Schweiz. An der Entscheidung, Salettiner statt Informatikstudent zu werden, hat der Pole nie gezweifelt.

«Gott gibt mir jeden Tag Zeichen, dass das Leben in der Gemeinschaft der Weg für mich ist. Ich fühle mich von Gott berufen.»

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