Mörschwils Bäckerdynastie

Fabian und Raphael Füger haben die Bäckerei der Eltern übernommen. Die Familie führt das Unternehmen am Dorfplatz mittlerweile in der sechsten Generation.

Adrian Lemmenmeier
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Vier Generationen an einem Tisch: die Familie Füger im «Ochsen». (Bild: Benjamin Manser)

Vier Generationen an einem Tisch: die Familie Füger im «Ochsen». (Bild: Benjamin Manser)

«Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet es, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends.» Das Bonmot Otto von Bismarcks beschreibt die Problematik des Generationenwechsels in Familienunternehmen. Auf die Bäckerei Füger in Mörschwil trifft es in keiner Weise zu. Schon 1850 backte Jakob Füger im Gasthof Ochsen am Dorfplatz die ersten Brötchen. Nun haben Beda und Helen Füger den Betrieb im Oktober an ihre Söhne Fabian und Raphael übergeben. Somit ist die sechste Generation am Ruder.

Die Familie ist äusserst erfolgreich: David, der jüngste der insgesamt vier Söhne von Beda und Helen, erhielt kürzlich den «Marmite Youngster Award» als bestes Servicetalent der Schweiz. Eine von mehreren Trophäen, die die Fügers in den letzten Jahren nach Hause holten. 2014 gewann David zusammen mit Raphael, der als Konditor-Confiseur antrat, Gold an den SwissSkills. Fabian erhielt 2017 für die neue Filiale «Füger Handmade» in Steinach die Bäckerkrone des Schweizerischen Bäcker- und Confiseurmeisterverbandes.

Zeigen, dass es lebenswert ist

Dass die Kinder in die Fussstapfen der Eltern treten, ist nicht selbstverständlich. Auch bei den Fügers war es das nicht. «Keiner unserer Söhne musste Bäcker werden», sagt Beda Füger. Er selbst hatte die Bäckerei und das Restaurant mit seiner Frau Helen 30 Jahre lang geleitet. Die Eltern hätten vorgelebt, dass das Dasein im Familienbetrieb ein lebenswertes sei, sagt Bäckermeister Fabian. «Sie haben uns die Freude an den Berufen im Gastrobereich mitgegeben.» Als Beda und Helen den Betrieb 1989 übernahmen, waren fünf Leute beschäftigt. Heute hat das Unternehmen über 60 Mitarbeiter.

Vor Beda und Helen wirkte Imelda mit ihrem Mann Beda Ferdinand Füger. Weil das Auto fehlte, fuhren sie in der Nachkriegszeit Brot mit einem Wagen aus, der von Hunden gezogen wurde. Dass jetzt die Jungen übernehmen, sei eine besondere Freude, sagt die 90-jährige Imelda. «Schön, dass ich das noch erleben darf.»

Alle ziehen an einem Strick

Familie und Betrieb gehören bei den Fügers ein Stück weit zusammen. Raphael, Fabian und seine Frau Simone leiten das Unternehmen. Fabian kümmert sich um die Bäckerei, Raphael um den Bereich Gastro und Events und Simone um das Administrative. Doch auch die Eltern Helen und Beda stehen zur Seite. Und auch ihr ältester Sohn Dominik, der als Bauführer tätig ist, hilft bei Grossanlässen. Ebenso seine Frau Erika. «Wir ziehen alle an einem Strick», sagt Service-Fachmann David. Im Arm wiegt er seine Nichte Alina, die jüngste des Füger-Clans.

Neben dem Restaurant und der Bäckerei in Mörschwil unterhält die Familie Füger eine Verkaufsstelle in Rorschach. Vor zwei Jahren hat Fabian zudem eine neue Filiale in Steinach eröffnet. Wächst das Unternehmen in den nächsten Jahren weiter? «Möglich», sagt Fabian. Falls etwa «Marmite Youngster Award»-Gewinner David einsteigen wolle, sei man natürlich offen. Ob der 24-Jährige dereinst ins Familienunternehmen eintritt, lässt er offen. Erst will er die Hotelfachschule abschliessen.