Moos spendet Wasser: Viele Forellen überstanden in Gossauer Zuchtbach den Hitzesommer

Auch die Forellen im Fenngraben und Burgauerbach hatten mit dem Rekordsommer zu kämpfen. Die Gossauer Zuchtbäche wurden nun abgefischt – überraschend viele Forellen trotzten der Hitze.

Jonas Manser
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Philippe Wild, Robin Brunner, Jörg Schweizer und Werner Bosshard (von links) vor dem Stollen. (Bild: PD)

Philippe Wild, Robin Brunner, Jörg Schweizer und Werner Bosshard (von links) vor dem Stollen. (Bild: PD)

Geduckt waten Mitglieder des Fischereivereins Mittlere Glatt im Gänsemarsch durch die Finsternis eines 100-Meter-Stollens: Das jährliche Abfischen des Fenngrabens und des Burgauerbaches stand an. Doch anders als in den Vorjahren war es den Fischern ungewiss, wie viele Bachforellen sie in ihren Netzen vorfinden werden. Es stellte sich die Frage, wie die heimischen Fische die Temperaturen des Ausnahmesommers überstanden hatten.

Am Samstagmorgen versammelten sich 18 Mitglieder des Fischereivereins am Fenngraben und Burgauerbach. Seit Jahren erhöht der Fischereiverein den Fischbestand in der Glatt (siehe Infobox). Dazu wurden im vergangenen Jahr rund 15000 frisch geschlüpfte Forellen von rund zwei Zentimetern Länge in die beiden Aufzuchtbäche gesetzt. Die herangewachsenen Bachforellen sollten nun ein Jahr später abgefischt und in die Glatt umgesiedelt werden.

Mit 300 Volt Strom betäubt

Der erste Fang des Tages. (Bild: PD)

Der erste Fang des Tages. (Bild: PD)

Die zahlreichen umgestürzten Fichten und Eschen erschwerten die Arbeit der Fischer. Besonders gefordert war der Träger des 13 Kilogramm schweren Elektrofanggeräts. Die Fischer hievten die gefangenen Forellen behutsam in Kübeln über Stock und Stein zum Transportfahrzeug.

«Wir haben beinahe einen Drittel unseres Vereinsvermögens in ein neues Elektrofanggerät investiert», sagt Jörg Schweizer vom Fischereiverein Mittlere Glatt. Er ist auch Fischereiaufseher des Kantons St.Gallen.

Bei der Elektrofischerei werden 300 Volt Gleichstrom durch das Wasser geleitet. Die Fische werden vom positiv geladenen Stab des Elektrogerätes angezogen. Dabei werden die Fische betäubt und können so einfach herausgefischt werden.

Bestes Resultat seit langer Zeit

«Für kleine Lebewesen wie die Bachforelle ist diese Methode ungefährlich», erklärt Jörg Schweizer. Für die Fischer seien jedoch Schutzkleidung und eine gute Einführung nötig.
Von den ausgesetzten 15000 jungen Bachforellen überlebte nur ein Bruchteil: Der Fischereiverein zählte am Ende des Tages 1162 Bachforellen zwischen 5 und 28 Zentimetern Länge. Das sei aber das beste Resultat der vergangenen vier Jahre, so Schweizer.

Vorerst überrascht vom guten Fang wurde den Fischern bewusst: «Der Bach hatte vom Eichenmoos profitiert. Aus dem Feuchtgebiet floss kontinuierlich Wasser in den Bach. So konnten die im vergangenen Jahr ausgebliebenen Niederschläge ausgeglichen werden», erklärt der Fischereiaufseher.

30 Prozent weniger Fische abgefischt


Am Nachmittag war der Burgauerbach an der Reihe. Ein schwieriges Unterfangen für die Mitglieder des Fischereivereins, da der Bach in einem über 100 Meter langen Stollen die Eisenbahnlinie unterquert. «Leider zogen wir am Burgauerbach nur 280 Forellen heraus, rund die Hälfte der üblichen Fangzahlen», sagt Schweizer.

Hier hätte der heisse und trockene Sommer vom Vorjahr klare Spuren hinterlassen. Insgesamt hätten sie 30 Prozent weniger Bachforellen in den Netzen gehabt.

Weniger Räuber in den Zuchtbächen

Seit 40 Jahren führt der Fischereiverein den sogenannten Fischbesatz durch. In kleineren Bächen wie der Fenngraben werden die Forellen herangezüchtet: Sie bieten den Fischen bessere Möglichkeiten zum Laichen, mehr Nahrung und weniger natürliche Feinde. Nach einem Jahr werden die Fische abgefischt und umgesiedelt.

Fischbesatz sei im Fall der Glatt besonders wichtig, erklärt Jörg Schweizer. «Durch die Stauwehr Isenhammer hat es im Bach beinahe keinen Kies mehr.» Die Forellen hätten weniger Platz zum Laichen sowie weniger Nahrung, denn am Kies würden sich normalerweise Insekten ansiedeln. Die Bachforellen sind anspruchsvolle Fische und benötigen kühles und sauerstoffreiches Wasser, um zu überleben.

Die Forelle ist wechselwarm, passt sich also der Umgebungstemperatur an. Je wärmer das Gewässer, desto schneller ist ihr Stoffwechsel. Folglich braucht sie mehr Sauerstoff. Da warmes Wasser weniger Sauerstoff enthält, leiden die Bachforellen unter Stress. Längerfristig sterben sie an Sauerstoffmangel. (jm)