«Mohrenkopf»-Verkäufer von Rorschach macht Kehrtwende und wehrt sich gegen Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung

Jetzt also doch: Markus Heim akzeptiert den Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung nicht. Ein ehemaliger Untersuchungsrichter habe ihn dazu ermuntert, sich zu wehren, sagt er.

Daniel Walt
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Markus Heim verkaufte in Rorschach als Schwarzer verkleidet «Mohrenköpfe» – dafür kassierte er einen Strafbefehl.

Markus Heim verkaufte in Rorschach als Schwarzer verkleidet «Mohrenköpfe» – dafür kassierte er einen Strafbefehl.

Bild: PD

«Ich habe keine Lust, mich weiter herumzuärgern. Die Angelegenheit ist doch sonnenklar. Das Gericht würde sowieso im Sinne der Staatsanwaltschaft entscheiden. Das ist der gleiche Verein, nur anders angeschrieben.» Das sagte Markus Heim, der als «Mohrenkopf»-Verkäufer von Rorschach Schlagzeilen machte, in der vergangenen Woche. Er hatte soeben einen Strafbefehl wegen Rassendiskriminierung erhalten. Dies, nachdem er in Rorschach als Schwarzer verkleidet «Mohrenköpfe» der Firma Dubler feilgeboten hatte.

Die Haltung der Staatsanwaltschaft: Im Zuge des Todes des US-Afroamerikaners George Floyd im vergangenen Mai und der darob auch hierzulande neu entfachten Rassismusdebatte habe es Heim zumindest in Kauf genommen, mit seiner Aktion dunkelhäutige Menschen zu diskriminieren und zu beleidigen.

Markus Heim ohne schwarze Bemalung und Perücke.

Markus Heim ohne schwarze Bemalung und Perücke.

Bild: dwa

«Weit hergeholt»

Nun macht Markus Heim eine Kehrtwende: Er wehrt sich gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Zur Begründung sagt er:

«Unter anderem meldete sich ein ehemaliger Untersuchungsrichter bei mir. Er fand, es sei weit hergeholt, den Strafbefehl unter anderem mit dem Tod von George Floyd in den USA in einen Zusammenhang zu bringen.»

In der Folge habe der frühere Untersuchungsrichter dann den Strafbefehl studiert und gefunden, dass sich da etwas machen lassen müsse, so Markus Heim weiter.

«Ich will ein Urteil»

Markus Heim ist sich bewusst, dass er sich mit seiner Einsprache unter Umständen sogar eine härtere Strafe einhandelt als die 30 Tagessätze zu je 30 Franken, die bedingt ausgesetzt wurden. Er nehme dieses Risiko aber in Kauf, denn:

«Ich will keinen Strafbefehl – ich will ein Urteil.»

Er habe zahlreiche weitere Reaktionen aus dem Bekanntenkreis, aber auch von ihm zuvor unbekannten Menschen zum Strafbefehl erhalten, sagt Markus Heim weiter. Der Tenor sei eindeutig gewesen: «So etwas musst Du Dir nicht gefallen lassen!»

Dass die Staatsanwaltschaft den Fall des in den USA getöteten George Floyd herangezogen habe, um ihn wegen seiner Aktion zu belangen, findet Heim daneben. Vermutlich hätten andere Gründe gefehlt, so Heim, denn:

«Als ich den Staatsanwalt fragte, er solle mir doch zeigen, welches Gesetz es verbietet, sich das Gesicht schwarz anzumalen, antwortete er nicht.»
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Der Mann, der in Rorschach «Mohrenköpfe» verkauft hat, wird polizeilich befragt. Eine Beratungsstelle gegen Rassismus beurteilt die Aktion als «unnötig provokativ», und sogar Robert Dubler, der mit seinem Produkt am Ursprung des Streits steht, hält nicht viel von ihr. Der «Mohrenkopf»-Verkäufer seinerseits geht nun in die Offensive.
Daniel Walt