Ein 14-jähriger Mörschwiler macht's vor: Dieser Kantischüler hilft gefährdeter Person beim Einkauf  

Im Netz bieten viele an, für Personen der Risikogruppe einkaufen zu gehen. Genutzt werden die Angebote selten. Das soll sich nun ändern.

Sheila Eggmann
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Der 14-jährige Mörschwiler Eric Scherrer kauft Äpfel und Abfallsäcke für eine besonders gefährdete Person ein.

Der 14-jährige Mörschwiler Eric Scherrer kauft Äpfel und Abfallsäcke für eine besonders gefährdete Person ein.

Bild: Michel Canonica

Salz. Zwei Pfünderli. Orangen. Äpfel. Abfallsäcke. Die Einkaufsliste von Eric Scherrer ist kurz. Die gekauften Artikel sind nicht für ihn selber, sondern für eine Person, die derzeit das Haus nicht verlassen soll. Der 14-jährige Mörschwiler ist einer von vielen, der sich zur Verfügung stellt, um für Personen, die zur Risikogruppe zählen, einkaufen zu gehen. Wieso tut er das? «Wenn ich selbst älter bin, bin ich möglicherweise auch auf Hilfe von Jüngeren angewiesen», sagt der Kantischüler.

Seit der Bund am Montag die Regeln im Umgang mit dem Corona-Virus verschärft hat, wimmelt es in den sozialen Medien von Dienstleistungsangeboten. Diverse Personen wollen in der Krise etwas Gutes bewirken: Es wird Essen nach Hause geliefert, mit dem Hund Gassi gegangen, Hausaufgabenhilfe über Skype angeboten oder gar ein Velo gratis repariert. Dies alles mit dem Ziel, dass sich gefährdete Personen nicht unter die Leute mischen müssen.

Die Projekte stehen noch am Anfang

Das Problem dabei: Nur wenige wollen die Angebote nutzen. Das liegt wohl auch daran, dass viele Projekte erste diese Woche gestartet sind. Das bestätigt Natascia Perotto, Sozialarbeiterin von der Fachstelle Jugend, Familie, Schule in Rorschach. Sie koordiniert die Helfereinsätze in der Umgebung rund um die Hafenstadt.

«Wir haben schon sehr viele Helfende zusammen, die auf Einsätze warten.»

Jetzt gelte es, die Risikogruppe zu sensibilisieren. Ein Blick in den Volg in Mörschwil am Donnerstagmorgen zeigt, dass das immer noch nötig scheint: Zumindest sind einige Personen unterwegs, die über 65 Jahre alt sind.

Die Kassiererin trägt Gummihandschuhe. Am Boden wird auf den Sicherheitsabstand hingewiesen. Eric Scherrer verhält sich anders als sonst: Vor dem Einkauf hat er seine Hände desinfiziert. Und er bezahlt jetzt nur noch bargeldlos. Später am Tag wird er den Einkauf mit dem Velo ausliefern. Sein Einsatz ist dann erledigt.

Damit das auch andernorts gelingen kann, müssen die Hilfesuchenden auf die Anbietenden treffen. Dass sich überall kleine Gruppen bilden, sei zwar begrüssenswert, es erschwert aber die Übersicht. Sonja Enzler sagt:

«Es muss jetzt jemand kommen, der das Ganze koordiniert.»

Enzler kümmert sich in der Gruppe Einkaufshilfen SG, AR und AI um Anfragen rund um St.Gallen. Ihre Meinung teilen auch andere. Im Gebiet des Sicherheitsverbundes Region Gossau ist der Führungsstab aktiv geworden mit dem Ziel, möglichst viele Helfer und Hilfesuchende zusammenzubringen.

Urs Salzmann, Ressortleiter Kommunikation des Führungsstabs Region Gossau

Urs Salzmann, Ressortleiter Kommunikation des Führungsstabs Region Gossau

Bild: Ralph Ribi

Dies geschieht seit Donnerstag mit einer Webseite. Urs Salzmann, Ressortleiter Kommunikation des Führungsstabs Region Gossau, sagt: «Es bringt dem Gesamtsystem mehr, wenn alles auf einer Plattform zusammen kommt.» Er ermuntert die verschiedenen Gruppen, weiterzumachen, dazu aber die Plattform zu nützen.

Hier erhält man Unterstützung

Wer besonders gefährdet ist und Unterstützung benötigt, soll sich gemäss dem Bevölkerungsschutz mit Familie, Freunden und Nachbarn absprechen. Falls sich aus dem Umfeld nichts ergibt, soll man sich melden. In St.Gallen und der umliegenden Region nimmt die Zentrale des Regionalen Bevölkerungsschutzes unter 071 272 23 07 oder kpzso@stadt.sg.ch Anfragen entgegen. Für Andwil, Degersheim, Flawil, Gossau und Waldkirch kann man unter 071 388 32 51 anrufen und das Portal für Nachbarschaftshilfe nutzen unter: https://m.stadtgossau.ch/svrg. In der Region Rorschach hilft die Fachstelle Jugend, Familie, Schule am Montag, Mittwoch und Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter 071 844 49 09. Weitere Vermittlungsplattformen sind www.hilf-jetzt.ch und das App «Five up».

Eine zentrale Anlaufstelle koordiniert

Am Mittwoch ist auch in der Region Rorschach und St.Gallen etwas Ordnung eingekehrt. Alle Haushalte haben einen Brief vom regionalen Bevölkerungsschutz erhalten mit der Aufforderung, sich bei Anliegen bei einer zentralen Nummer zu melden. Die Stelle koordiniert die Anfragen und weist sie in den zuständigen Gemeinden den bereits bestehenden Helfergruppen zu. In Mörschwil in diesem Fall einer Gruppe der Pfadi, zu der auch Eric Scherrer gehört.