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Mörschwil steht auf der Leitung

Das Dorf lebt immer noch im Zeitalter des Kupferkabels. Höchste Zeit für ein Glasfasernetz, finden die Bewohner.
Melissa Müller
Schnelles Internet: Mörschwil packt es jetzt an.

Schnelles Internet: Mörschwil packt es jetzt an.

Fernsehen und Internet­anschluss einrichten, das scheint in den meisten Mörschwiler Haushalten Männer­sache zu sein. Am Informationsabend zum geplanten Glasfasernetz kommen auf rund 90 Männer ein paar wenige Frauen. «Eine schnelle Internetverbindung wird als Standortfaktor immer wichtiger», betont Gemeindepräsident Paul Bühler. Doch ausgerechnet das exklusive Mörschwil, sonst mit vielen Standortvorteilen gesegnet, ist via Kupferkabel mehr schlecht als recht mit der digitalen Welt verbunden.

«Wieso haben die St.Galler ein Glasfasernetz und wir nicht?»

Den Vorwurf bekommt Bühler öfters zu hören. Und tatsächlich: Auf breitbandatlas.ch, einer Schweizer Karte der digitalen Abdeckung, wird mit Grün markiert, welche Regionen ans Glasfaserkabel angeschlossen sind. Während Arbon, Rorschach, Goldach, Wittenbach und St.Gallen grün leuchten, ist das glasfaserlose Mörschwil auf dieser Landkarte noch ein weisser Fleck. «Unser Netz ist immer noch gut», beschwichtigt Bühler. Vorausschauend wolle man nun aber in die Technologie der Zukunft ­investieren.

Wettbewerb führt zu ­tieferen Preisen

Mörschwilerinnen und Mörschwiler stimmen Mitte nächsten Jahres über einen Baukredit von 6,6 Millionen Franken ab. Mit dem Geld soll die gesamte Gemeinde mit einem Glasfasernetz erschlossen werden. Der Bau wird drei Jahre dauern. Mörschwil will das Glasfasernetz gemeinsam mit der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) bauen und betreiben. «Danach werden wir die Fasern an Telekom-Unternehmen wie Salt, Swisscom, Sunrise oder UPC vermieten», sagt der Gemeindepräsident.

Ein Mitarbeiter der St.Galler Stadtwerken überprüft die Glasfaser-Verteilanlage an der Rorschacherstrasse in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher, 5.7.2012)

Ein Mitarbeiter der St.Galler Stadtwerken überprüft die Glasfaser-Verteilanlage an der Rorschacherstrasse in St.Gallen. (Bild: Urs Bucher, 5.7.2012)

Bisher gab es im Dorf nur einen Anbieter, die UPC. «Mit dem neuen Netz wollen wir den Wettbewerb fördern.» Auch Billiganbietern soll der Markteintritt ermöglicht werden. Die Bewohner sollen von der grösseren Auswahl profitieren. Die Mörschwiler zahlen für ihren Grundanschluss derzeit 15 Franken. Nach dem Bau des Glasfaser­netzes wird diese Gebühr 25 Franken betragen.

Ein Netz für smarte Häuser der Zukunft

Vier Herren in weissen Hemden erklären am Infoabend durchaus unterhaltsam die Vorzüge der Glasfaser gegenüber herkömmlichen Kupferleitungen. Ein Trickfilm erinnert daran, dass wir das Internet nicht nur zum Gamen, Musikhören und Filmschauen brauchen. In «smarten Häusern» der Zukunft sollen auch Jalousien, Kühlschränke, Kaffee- und Waschmaschinen via App bedient werden können. Mit solchen Datenmengen ist ein Kupfernetz überfordert. Anders die Glasfasern: Die Daten werden in Lichtsignale umgewandelt. Sie fliegen rasend schnell durch die Glasfaserleitungen. «Licht legt pro Sekunde 300 000 Kilometer zurück», sagt Thomas Schwarz von der SAK.

Glitzerstaub rieselt auf die Häuser

Im Trickfilm sieht es so aus, als habe eine Fee ihren Zauberstab über Mörschwil ausgeschüttelt. Glitzerstaub rieselt auf die Häuser und bringt den Bewohnern Breitband. «Dazu muss das Kabel jedoch bis in jedes einzelne Gebäude und in jede Wohnung gezogen werden», sagt Schwarz. Das nenne sich FTTH – Fiber-to-the-home-Standard. Liegenschaften mit bezahltem Kabel­anschluss werden in Mörschwil kostenlos mit dem Glasfasernetz erschlossen; Grundstücke ohne Anschluss zu den üblichen Netzanschlusskonditionen.

Virtuelle Zirkuselefanten

Märchenhaft gehts’ weiter, Thomas Schwarz zeigt das Bild eines Elefanten, dessen Körper aus einem Gitternetz besteht. «Das ist ein Hologramm, eine dreidimensionale Lichtprojektion. Es gibt Zirkusse, die nur noch mit virtuellen Tieren arbeiten.» Noch seien dazu enorme Datenmengen nötig, doch die Zukunft gehe in diese Richtung.

«Warum stimmen wir erst nächstes Jahr über das Glasfasernetz ab? Könnt ihr nicht schneller vorwärts machen?», fragt ein Stimmbürger. Der Gemeindepräsident winkt ab. Bis Ende November gehe das Geschäft in die Vernehmlassung. Dann würden Rückmeldungen der Bevölkerung ausgewertet. Mitte 2020 werde dann abgestimmt. «Dieser Ablauf steht.» Die Zuhörer sind fasziniert und lassen sich im Anschluss noch in Sachen TV, Internet und Glasfaser-Steckdosen beraten. «Mörschwil ist sonst in allem top. Dass wir da so superspät dran sind, ist erstaunlich», findet einer.

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