Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Mönche und Ritter suchen den Schutz der Sitter

Auf engem Raum standen am Sitterufer einst drei Festungen – mit gegenteiligem Zweck. Zwei waren Stützpunkte für Raubzüge, eine bot den Klostermönchen Rückzug vor raubenden Hunnen.
Noemi Heule
Der natürliche Schutz lockte Burgenbauer ans Sitterufer. Von einst drei Festungen thront heute nur noch die Ruine Ramschwag über dem Fluss. (Bild: Benjamin Manser)

Der natürliche Schutz lockte Burgenbauer ans Sitterufer. Von einst drei Festungen thront heute nur noch die Ruine Ramschwag über dem Fluss. (Bild: Benjamin Manser)

Die Ruine Ramschwag verrottet. Steine lösen sich von der Burgmauer, eine Grundmauer droht in die Sitter zu stürzen. Damit kündigt sich ein Schicksal an, das bereits zwei weitere Burgen in nächster Nachbarschaft ereilte. Sie schmiegten sich einst ebenfalls an den schützenden Flusslauf der Sitter. Eine Geschwisterburg der Ramschwag reckte sich nur wenige hundert Meter entfernt in die Höhe. Von ihr ist heute nichts mehr zu sehen; ihre letzten oberirdischen Überreste wurden angeblich für den Bau der Pfarrkirche in Häggenschwil verwendet.

Das Rittergeschlecht der Ramschwager und ihre beiden Bollwerke gingen unrühmlich in die Geschichte ein. Den Stützpunkt an der Sitter nutzten sie für Raubzüge in die Region, brannten einst gar das Städtchen Bischofszell nieder (siehe Zweittext). Ganz anders die dritte Burg auf Häggenschwiler Boden: Dort, wo die Sitter eine Schlaufe schlägt, sollte sie einst Schutz bieten vor den Hunnen-Horden, die im Jahr 926 raubend und mordend in die St. Gallischen Ländereien ein­fielen.

Burgsteine als billiges Baumaterial verwendet

Auf der Hügelkuppe über der Sitter soll sie einst gestanden haben, die Waldburg. Noch immer ist der Ort nach ihr benannt. Lange wusste niemand, woher der Flurname rührt, denn von einer Burg ist heute nichts mehr zu sehen. Alexander Thaler schreibt in der Geschichte von Häggenschwil, wie er in den 1960er Jahren nach dem Ursprung des Namens forschte. Eine sogenannte Burg ohne Festung, das erschien ihm abwegig. Und doch stiess er nur auf Schulterzucken. Bis er den damals 70-jährigen Besitzer des Waldes traf. Der erinnerte sich, wie er als Bub hier auf dicke Mauern traf. Wie die Bauern deren Steine den Hügel herunterkollern liessen, um sie dort – als billiges Baumaterial – auf ihre Fuhrwerke zu befördern. Tatsächlich brachten rudimentäre Grabungen mit Pickel und Schaufeln die Grundmauern der einstigen Burg zu Tage.

Gott führte die Mönche an die Sitter

Als im Jahr 926 die Kunde im Kloster St. Gallen eintraf, dass die Ungarn im Anmarsch seien, errichteten die Mönche eigens eine Burg als Rückzugsort. In seinen «Casus Sancti Galli» schreibt der Mönch Ekkehard IV:

«Zuerst wollten manche Brüder und Knechte nicht fliehen, da sie dem Gerücht nicht trauten. Dennoch ward ein Platz ausgesucht, der wie von Gott sichtlich zum Bau einer Burg hingestellt worden war.»

Diese, von Gott auserwählte Stelle, befand sich am Fusse der Sitter. Hier wurde ein Kastell erbaut und an der engsten Stelle mit einem Vorwerk geschützt. «Eine rasch errichtete Kapelle wurde zum Bethaus», heisst es weiter. Hierher wurde fast der gesamte Klosterschatz transportiert, mit Ausnahme der Bibliothek.

Die Beschreibung Ekkehards trifft topografisch auf die Waldburg zu. Die Mönche hätten nur einen Berg überqueren müssen, um die Festung inmitten der wuchernden Wildnis zu erreichen. Bei diesem Berg handelt es sich vermutlich um den Rosenberg. Auch sei die Burg «ganz in der Nähe» des Klosters. Tatsächlich beträgt die Luftlinie zwischen dem Kloster St. Gallen und der Häggenschwiler Waldburg lediglich sechs Kilometer.

Die Burg wurde nur einmal gebraucht

Als die Ungarn am 1. Mai in den Klosterbezirk eindrangen, erspähten sie zwar auch die Burg, verzichteten aber auf einen Angriff. Die Aussicht auf Erfolg war zu gering. Stattdessen brannten sie die verlassenen Dörfer nieder und zogen von dannen. Nach Erfüllung ihres Zwecks wurde die Burg dem Verfall preisgegeben.

Als Ekkehard seine Aufzeichnungen fast ein Jahrhundert später niederschrieb, war sie vermutlich bereits Geschichte. Der genaue Standort der Burg ist deshalb bis heute nur eine Vermutung. Die Überreste der Häggenschwiler Waldburg wurden zwar in die Karte der archäologischen Fundstellen des Kantons aufgenommen. Grabungen, um die Hypothese zu bestätigen, blieben aber bis heute aus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.