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Neue Gebühren in der Kinderbetreuung: Mittagstische kosten in St.Gallen bald mehr

Die Tagesbetreuung wird teurer, die Krippen werden günstiger: So lassen sich die neuen Tarife in der familienergänzenden Kinderbetreuung in der Stadt St.Gallen zusammenfassen. Sie sind gemäss Stadtrat gerechter. Von Gratis-Mittagstischen möchte er nichts wissen.
Roger Berhalter
Zmittag im Hort: Eltern müssen ab kommendem Sommer mehr für die Betreuung ihrer Kinder zahlen. (Bild: Nana do Carmo)

Zmittag im Hort: Eltern müssen ab kommendem Sommer mehr für die Betreuung ihrer Kinder zahlen. (Bild: Nana do Carmo)

Gratis-Kinderbetreuung für alle? Das wird es in der Stadt St. Gallen so schnell nicht geben. Der Stadtrat hat einem entsprechenden Wunsch der SP-Juso-PFG-Fraktion des Stadtparlaments eine Absage erteilt (siehe Zweittext). Die Linken hatten vorgeschlagen, das jüngste und erneut positive Rechnungsergebnis dazu zu verwenden, die Gebühren für die Tagesbetreuung zu decken – und die Tagesbetreuung somit für die Eltern kostenlos anzubieten. Dies als Alternative zu den Rufen nach Steuersenkungen, die jeweils von bürgerlicher Seite laut werden, wenn die Jahresrechnung der Stadt besser als erwartet abschliesst.

Gratis soll die Tagesbetreuung laut Stadtrat nicht werden, ebenso soll auch die Betreuung der Kinder in den Krippen nach wie vor etwas kosten. Allerdings ortet der Stadtrat bei den Tarifen für die Betreuung schon länger Handlungsbedarf.

In seiner Antwort auf die Interpellation «Keine Gebühren für Tagesbetreuung» der SP-Juso-PFG-Fraktion zeigt er nun auf, wie die Tarife ab Sommer 2019 aussehen sollen: Die Beiträge der Eltern in der Tagesbetreuung steigen, wodurch die Stadt 200000 Franken mehr einnimmt. Im gleichen Ausmass werden wiederum die Subventionen an die Kinderkrippen «budgetneutral erhöht», wie es in der Antwort auf die Interpellation heisst. Die Betreuung in den Krippen wird für die Eltern also tendenziell günstiger werden (siehe Infobox).

Der Geschwisterrabatt fällt weg

Mit den neuen Tarifen möchte der Stadtrat Ungerechtigkeiten im heutigen System beseitigen. Vor allem im Kindergartenalter gibt es derzeit grosse Unterschiede. So kostet ein Kindergärtler, der in die Krippe geht, seine Eltern fast dreimal so viel, wie wenn er neben dem Kindergarten die Tagesbetreuung (Hort, FSA oder FSA plus) besucht. In der Krippe zahlen die Eltern bis zu 100 Franken pro Tag, in der Tagesbetreuung höchstens 35 Franken. Solche Unterschiede sind für die Eltern nicht nachvollziehbar. Die neuen Tarife sollen einen Ausgleich schaffen und zu faireren Bedingungen führen.

Ähnlich beim Geschwisterrabatt: In der Tagesbetreuung wurde er schon 2014 abgeschafft, ab Sommer 2019 soll es nun auch bei Krippenkindern keinen Geschwisterrabatt mehr geben. Der Stadtrat bezeichnet dies in der Vorlage als «sachgerecht, weil das massgebende Einkommen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Familie bereits abbildet». Die Anzahl der Kinder sei schon berücksichtigt: Je mehr Kinder eine Familie hat, desto mehr Kinderabzüge (bei den Steuern) und Kinderzulagen (beim Einkommen) stehen den Eltern zu.

Das Modell Tagesschule kommt nicht in Frage

Trotz all der Änderungen im Tarifsystem: An der grundsätzlichen Ausrichtung der Tagesbetreuung möchte der Stadtrat festhalten. Die familienergänzende Betreuung habe in der Stadt St. Gallen eine lange Tradition. Vor 100 Jahren wurden die ersten Horte für Schulkinder eröffnet, ab 1993 gab es die ersten Mittagstische, und seit 2009 gibt es das immer noch aktuelle Konzept zur familienergänzenden Betreuung.

In seiner Interpellationsantwort zieht der Stadtrat einen Vergleich zur Stadt Zürich, die bis 2025 all ihre Schulen zu Tagesschulen umbauen möchte. Die beiden Modelle würden sich vor allem in zwei Punkten unterscheiden: Erstens sei das St. Galler Modell flexibler. Ein Kind könne pro Woche ein-, zwei- oder auch fünfmal einen Mittagstisch besuchen, je nach Bedarf. In den Zürcher Tagesschulen sei diese Flexibilität nicht möglich.

Zweitens trenne die Stadt St. Gallen die Bereiche Schule und Betreuung klar. Die Schulen und die Tagesbetreuungen würden zwar eng zusammenarbeiten, unterstünden aber einer separaten Leitung. Das habe Vorteile: «Die Zeit, die ein Kind in einer Tagesbetreuung verbringt, ist Freizeit und keine Unterrichtszeit.» Anders als in den Zürcher Tagesschulen, wo die Betreuung der Schulleitung unterstellt ist und wo viele Lehrer auch Betreuungsaufgaben wahrnehmen.

Wie sich die Tagesbetreuungs- und Krippentarife ab Sommer 2019 verändern

Eltern zahlen für die Betreuung ihrer Kinder in einer städtischen Einrichtung ab Sommer 2019 neue Gebühren. Der Stadtrat möchte damit Ungerechtigkeiten im System beseitigen, die vor allem Eltern von Kindergärtlern im Portemonnaie spüren. Vereinfacht gesagt, wird die Tagesbetreuung teurer, die Kinderkrippen werden günstiger. Im Einzelfall kann es auch umgekehrt sein, je nach Alter der Kinder und Einkommen der Eltern. Konkret sind folgende Änderungen geplant:


– In den Kinderkrippen gibt es drei nach Alter abgestufte Tarife: Einer für Säuglinge (bis 18 Monate), einer für Kleinkinder (18 Monate bis vier Jahre) und einen für Kindergärtler.


– Je älter das Kind, desto günstiger die Betreuung in einer Krippe. Für Kleinkinder zahlen Eltern künftig im Durchschnitt 12 Prozent weniger, für Kindergärtler rund 35 Prozent weniger. Für Säuglinge hingegen steigt der Tarif im Schnitt um 8 Prozent.


– Der Geschwisterrabatt bei Krippenkindern wird abgeschafft. Das so eingesparte Geld wird dazu verwendet, um die Elternbeiträge an einen einzelnen Krippenplatz zu senken.


– In der Tagesbetreuung wird ein neuer Tarif für Kindergärtler eingeführt. Er liegt höher als jener für Primarschüler. Im Schnitt zahlen Eltern von Kindergärtlern in Zukunft 22 Prozent mehr, für Primarschüler steigt der Tarif um durchschnittlich 9 Prozent.


– Der maximale Betrag, den Eltern in der Tagesbetreuung für Kindergärtler bezahlen müssen, steigt um rund 40 Prozent. Für Primarschüler steigt der Maximalbetrag um 23 Prozent. Der Minimalbeitrag hingegen bleibt für Primarschüler unverändert und steigt für Kindergärtler um 4 Prozent. (rbe)

Die SP ist enttäuscht: «Die Stadt verpasst eine Chance»

SP-Stadtparlamentarierin Alexandra Akeret

SP-Stadtparlamentarierin Alexandra Akeret

«Ich bin sehr enttäuscht.» So reagiert SP-Stadtparlamentarierin Alexandra Akeret auf die Antwort des Stadtrats zur Interpellation «Keine Gebühren für die Tagesbetreuung», die von der SP-Juso-PFG-Fraktion im Juli eingereicht wurde. «Ich bin enttäuscht, weil die Stadt eine Chance verpasst», ergänzt sie. Denn sie habe erwartet, dass Stadtratspräsident Thomas Scheitlin realisiere, dass dank gebührenfreier Tagesbetreuung viele Familien in die Stadt ziehen würden. «Ein mutiger Entscheid hätte sicherlich eine enorme Wirkung gehabt.»

Für den Stadtrat ist hingegen klar, dass die finanzielle Situation, obwohl das erneut positive Rechnungsergebnis unter anderem zur Interpellation führte, einen solchen Schritt nicht zulasse. Denn die Entwicklung der Finanzen zeigte in den nächsten Jahren ein angespanntes Bild. Jede zusätzliche Belastung der Rechnung verringere die Möglichkeit, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.

Kostenlose Tagesbetreuung kostet jährlich 11 Millionen Franken

Die finanziellen Aussichten sind gemäss der schriftlichen Antwort auf die Interpellation der SP-Juso-PFG-Fraktion nur ein Aspekt, der gegen eine gebührenfreie Tagesbetreuung spricht. So ist es laut Stadtrat sachlich richtig, wenn sich im Sinne eines Mittelweges sowohl Eltern als auch die Stadt an den Kosten beteiligen. Zudem sei mit den heutigen Tarifen gewährleistet, dass Kinder aus allen Bevölkerungs- und Einkommenschichten teilnehmen können.

In derselben Antwort eröffnet der Stadtrat weiter, dass die Tarife nicht gratis sein können, sondern dass sie sogar nach oben angepasst werden müssen. Doch was würde eine gratis Tagesbetreuung kosten? Insgesamt kämen auf die Stadt jährlich wiederkehrende Kosten von insgesamt elf Millionen Franken zu. Diese Zahl relativiert Alexandra Akeret jedoch: «Es wäre spannend zu erfahren, wie hoch die Steuereinnahmen durch die zugezogenen Familien wären, die sich wegen der kostenlosen Tagesbetreuung für St. Gallen entscheiden würden.» Folglich würden diese elf Millionen Franken in einem anderen Licht erscheinen.

Stadt erwartet 20 Prozent mehr Kinder

Die wiederkehrenden Kosten setzten sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. So würden 4,4 Millionen Franken an Elternbeiträgen wegfallen. Zudem erwartet der Stadtrat eine stark zunehmende Anzahl an Schülerinnen und Schülern bei der Tagesbetreuung, wenn das Angebot kostenlos wäre. So würden 20 Prozent mehr Kinder die Tagesbetreuung nutzen, was beim Planungshorizont 2024 etwa 1110 Kindern zusätzlich entspräche. Am Spitzentag würde die Zahl um 970 Kinder steigen oder um fünf Prozent. Alleine wegen der höheren Anzahl Kinder in der Tagesbetreuung gibt es gemäss Stadtrat Mehrkosten von 4,6 Millionen Franken.

Hinzu kommt, dass die Betreuungsfläche nicht mehr ausreichen würde, da jedem Kind insgesamt 8,5 Quadratmeter zur Verfügung gestellt werden soll. Demnach müssten für die zusätzlichen 970 Kinder an Spitzentagen Flächen von 8250 Quadratmetern geschaffen werden. Erfahrungsgemäss betragen die Investitionskosten laut Stadtrat pro Quadratmeter 4770 Franken. Demnach ergäbe sich ein Investitionsbedarf von 39,4 Millionen Franken. Würde dieser Wert auf 30 Jahre abgeschrieben und mit drei Prozent verzinst, entstünden jährlich wiederkehrende Kosten von rund 1,9 Millionen Franken. Hinzu kämen 4,6 Millionen Franken wegen steigender Betriebskosten durch die zusätzlichen Kinder.

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