Jungpolitiker im Wahlkreis St.Gallen-Gossau: «Mit Vollgas» in die Stadtparlamentswahlen

Sie traten zahlreich an, geschafft hat es keiner: Nun wollen Junge bei den St.Galler Stadtparlamentswahlen vom 27. September punkten.

Diana Hagmann-Bula
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Treffpunkt St.Galler Pfalzkeller: Auch Junge schnuppern Politluft.

Treffpunkt St.Galler Pfalzkeller: Auch Junge schnuppern Politluft.

Bild: Ralph Ribi

Rund ein Drittel der 311 Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten waren Junge. Einziehen in den Kantonsrat wird dennoch keiner von ihnen. Die Aufbauarbeit, Erfahrung für später, die Stimmen für die Mutterpartei: Der Nachwuchs sieht im Scheitern das Positive.

Vorne liegen bei den Jungparteien die Grünen. 12'505 Stimmen gingen für sie ein. Aufgestellt tönte gestern Rebekka Schmid, Präsidentin der Jungen Grünen Stadt St.Gallen. Ein Sitz mehr im Wahlkreis, vier Sitze mehr im Kanton, nur mit ihrer eigenen Wahl klappte es nicht. «Wir haben gute Leute im Kantonsrat. Nun vertraue ich halt auf sie.» Natürlich habe sie sich «irgendwie erhofft», dass sie es schaffen werde.

«Deswegen schlecht schlafen, werde ich aber nicht.»

Lieber freut sie sich für Basil Oberholzer. Er amtete früher als Präsident der Jungen Grünen, trat jetzt für die Mutterpartei an. Und wurde wiedergewählt. Ihren Optimismus nimmt Schmid mit in die Stadtparlamentswahlen vom Herbst. Dort soll es mit Sitzen klappen, auch mit ihrem eigenen.

«Andrin Monstein zum Vorbild nehmen»

Der zweite Platz geht mit 11'548 Stimmen an die CVP-Newcomer. Die CVP trat im Wahlkreis zum ersten Mal mit einer Jungen Liste an. Florin Scherrer, Präsident der CVP-Regionalpartei St.Gallen-Gossau:

«Sie hat uns hier zwar keinen Sitz, aber viele Stimmen eingebracht. Auch deshalb haben wir kantonal als einzige grosse Partei keine Sitze verloren, sondern einen dazugewonnen.»

Auf Platz 3 liegen die Jungen Grünliberalen (8'833 Stimmen). «Überrascht, aber zufrieden» war der St.Galler Präsident Fabian Giuliani. Zufrieden mit dem Gesamtresultat der Partei (zwei Sitze mehr im Wahlkreis). Überrascht, weil er mit einem eigenen Sitz für die Jungpartei gerechnet hatte. Giuliani stand zuoberst auf deren Liste. «Wenn man nicht erschreckt ab seinen Zielen, sind sie zu wenig hoch.» Immerhin habe man den Wähleranteil im Vergleich zu den Nationalratswahlen halten können.

«Nun will die Jungpartei mit Vollgas in die Stadtparlamentswahlen starten.»

Giuliani rechnet mit zahlreichen Kandidierenden. Einerseits, weil die Klimastreikbewegung Junge vermehrt politisiere. «Andererseits, weil es mit Andrin Monstein ein ehemals Junger Grünliberaler beim ersten Anlauf auf der Grossen Liste in den Kantonsrat geschafft hat. Er ist ein Vorbild.»

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen

Auf Platz 4 folgen mit 7'246 Stimmen die Jungfreisinnigen. Präsident Konstantin Hälg war es nur halb zum Feiern zu Mute. Da sind die Verluste der Mutterpartei. «Da ist aber auch die Tatsache, dass wir Jungen im Vergleich zu den Nationalratswahlen aufgeholt haben. Wir wollen bei den Stadtparlamentswahlen jubeln.» Mit 3'457 Stimmen liegen die Junge EVP und die Junge BDP trotz Listenverbindung am Ende. Kantonalpräsident Kenny Gubser:

«Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Liste zusammenbekommen haben.»

Samuel Stübi, Spitzenkandidat der Jungen EVP, hatte keine Zeit, die Wahlen zu verfolgen. Er sass in Olten in einer Jungschar-Sitzung. «Zwei Sitze plus im Kanton für die Mutterpartei? Ich bin zufrieden, unabhängig von meinem Ergebnis.»

Die Jungsozialisten hatten zugunsten einer Frauenliste auf eine Liste verzichtet. Mit Moritz Rohner und Miriam Rizvi traten zwei Vertreter der Klimajugend für die Mutterpartei an. Rizvi erreichte 2'715 Stimmen, Rohner 1'428 Stimmen. «Ein Achtungserfolg!», sagte Andrea Scheck, Juso-Stadtparlamentarierin und selber Kandidatin. Die Jungpartei nehme Rizvi und Rohner mit in die Stadtparlamentswahlen. «Die Aufbauarbeit wird nicht vergeblich gewesen sein.»