Mit Sirene Passanten erschreckt: Klimastreik-Anhänger lösen in der Stadt St.Gallen den «Klima-Alarm» aus

Punkt 12 Uhr lärmte es in der ganzen Schweiz. Die Klima-Aktivisten der Gruppierung «Fridays for future» wollten mit ihrem Lärm ein Zeichen setzten. In St.Gallen liess man eine Katastrophensirene heulen.

Raphael Rohner
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Die Klimaschutz-Aktivistin Miriam Rizvi vertritt das Ostschweizer Kollektiv Klimastreik.

Die Klimaschutz-Aktivistin Miriam Rizvi vertritt das Ostschweizer Kollektiv Klimastreik.

Bild: Raphael Rohner

Groteske Szene am St.Galler Blumenbergplatz. Einige Leute stehen am Freitagmittag an der Bushaltestelle, als plötzlich eine Luftschutzsirene losheult. Die schrillen auf- und abschwellenden Töne erklingen eigentlich nur bei Katastrophen und allgemeinem Alarm für die Bevölkerung.

Während die Leute an der Bushaltestelle verwirrt herumschauen, machen Jugendliche mit ihren Smartphones Videos vom Ursprungsort der Sirenentöne: Sie kommen aus einem offenen Fenster oberhalb des «Palace». Dort haben Klima-Aktivisten einen Lautsprecher aufgestellt – und beschallen damit die Stadt.

«Die Lage der Welt ist wirklich einer Katastrophe gleich. Unser Klima geht den Bach hinunter und die Politik tut einfach nichts.»

Das sagt Miriam Rizvi vom Kollektiv Klimastreik Ostschweiz. Die 18-Jährige steht mit ihrem Kollegen hinter den Boxen.

Sirene soll den Ernst der Lage klar machen

Passanten auf der Strasse, welche die Situation beobachtet haben, schütteln den Kopf: Mitten in dieser ohnehin schon schwierigen Zeit eine Sirene heulen lassen? «Das finde ich sehr ungünstig», sagt eine Frau an der Ecke.

Ein Mann, der auf den Bus wartet, nervt sich über diese Aktion: «Ich habe mich ehrlich gesagt erschrocken und dachte, es sei irgendetwas wirklich Schlimmes passiert im Zusammenhang mit Corona. Das darf man doch nicht!» Es sei für ihn eine «Schreckung der Bevölkerung», sagt er. Bei der Polizei sind am Freitagmittag jedoch keine Meldungen eingegangen, heisst es auf Anfrage.

Ein Transparent der St.Galler Klimabewegung.

Ein Transparent der St.Galler Klimabewegung.

Bild: Raphael Rohner

Die Aktion sei klar eine Provokation. Doch sei es nötig, den Menschen mitzuteilen, dass man trotz der Coronakrise die Klimakrise nicht vergessen habe: «Es kann nicht sein, dass am Ende gar die Fluggesellschaften Milliarden zugesprochen bekommen und noch als Profiteure aus Krise gehen. Die Politik muss handeln für unserer Zukunft», sagt Rizvi.

«Auf die Strasse zu gehen, wäre dumm und unverantwortlich»

Der «Klima-Alarm» am Freitagmittag ist nur eine coronabedingte Alternative. Ursprünglich hätten an diesem Freitag überall in der Schweiz Klimakundgebungen stattfinden sollen.

Die Aktivisten haben sich jedoch aufgrund der Coronakrise entschieden, eine solidarische Art der Kundgebung durchzuführen: «Jetzt auf die Strasse zu gehen, wäre dumm und unverantwortlich. Darum haben wir die Leute animiert, von zu Hause aus Lärm zu machen», sagt Rizvi. Der Widerstand habe sich in den vergangenen Wochen sehr von der Strasse in die Sozialen Medien verlagert. Man tausche sich online aus und koordiniere die Pläne.

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