Mit Pressluft durch die grüne Hölle des Bodensees

Tauchgänge im Bodensee sind nicht jedermanns Sache. Die Sicht ist schlecht, das Wasser kalt. Allerdings nicht dieses Jahr. Durch die lange Hitzeperiode ist das Wasser wärmer, was auch Wasserpflanzen gedeihen lässt. Taucher kämpfen sich in der Region Rorschach in Ufernähe durch ein grünes Labyrinth.

Rudolf Hirtl
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Tauchern bietet sich am Grund des Bodensees derzeit ein ungewöhnliches Bild. Das hochwachsende Seegras türmt sich meterhoch und wird zum Labyrinth. (Bild: Tino Dietsche)

Tauchern bietet sich am Grund des Bodensees derzeit ein ungewöhnliches Bild. Das hochwachsende Seegras türmt sich meterhoch und wird zum Labyrinth. (Bild: Tino Dietsche)

Durch die lange Hitzeperiode wuchert Laich- oder Seegras so üppig wie schon lange nicht mehr. Hohe Temperaturen und viel Licht begünstigen das Wachstum der Pflanzen. Hinzu kommt, dass der Bodensee so wenig Wasser führt wie selten zuvor. Der tiefe Wasserstand bringt das Grün besonders gut zum Vorschein. Das Seegras ist vielerorts so hoch, dass es Bootsbesitzern in die Quere kommt. Die Pflanzen verfangen sich in den Häfen in den Schiffsschrauben, was die Ein- und Ausfahrt erschwert.

Während sich Böötler in erster Linie über das ungewöhnlich hochwachsende Grün ärgern, so tun sich im Bodensee für Taucher ganz neue Welten auf. «Die Wasserpflanzen türmen sich in den Buchten vor Horn, Rorschach und Goldach meterhoch und teilweise bilden sie schon fast eine Art Labyrinth», erzählt der Goldacher Taucher Tino Dietsche, der mindestens einmal pro Woche im See vor der Haustüre in die Tiefe gleitet.

Laich- oder Seegras erfüllt wichtige Aufgaben

Der ansonsten eher karge, braune Seegrund werde dieses Jahr durch grüne Wälder und Hügel ersetzt. «Es ist ein wenig so, als würde man durch die grüne Hölle tauchen, sagt Dietsche schmunzelnd, der die Tagblatt-Redaktion Rorschach regelmässig mit spektakulären Bildern aus der Unterwasserwelt versorgt. Nicht nur den Tauchern gefällt es in der bizarr erscheinenden Landschaft am Grund des Bodensees. Das Laich- oder Seegras erfüllt im Bodensee wichtige Aufgaben. Es ist Laich- und Aufzuchtstätte für diverse Fischarten, es versorgt durch die Fotosynthese den Bodensee mit Sauerstoff und hält den See kühler, weil weniger Licht in tiefere Wasserschichten gelangt.

Gemäht werden darf Seegras denn auch nur dort, wo dies naturschutzfachlich und fischökologisch verträglich ist. Wo erlaubt, etwa in Hafeneinfahrten, kommt die Seekuh zum Einsatz. Das Mähboot der Firma Stuwatec aus Kesswil kappt das Gras bis zu einer Mähtiefe von 1,7 Metern ab. Allerdings gibt es für das ganze Schweizer Bodenseeufer lediglich eine Maschine. Und diese ist seit Wochen im Dauereinsatz. Das Problem dürfte sich nun aber von selber lösen, denn seit Mitte August sterben die Pflanzen ohnehin nach und nach ab.