«Gemeinsames Weinen und Lachen hilft»: Rorschacherinnen bieten Maltherapien für Frauen an, um die Coronakrise zu überwinden

Die Rorschacher Quartierkoordination und das Atelier Monaco bieten in Coronazeiten eine Gruppentherapie von zu Hause aus an.

Jolanda Riedener
Drucken
Teilen
Antonella Näf bei der Gruppensitzung von Zuhause aus.

Antonella Näf bei der Gruppensitzung von Zuhause aus.

Bild: PD

Es ist eine Ausnahmesituation, mit der in der Zeit des Virus alle umgehen müssen. Soziale Kontakte beschränken sich auf ein Minimum. Man ist alleine, muss die Kinder betreuen und unterrichten oder weiss nicht, wann es wieder Arbeit gibt. Hinzu kommt: Niemand weiss, wie lange dieser Zustand dauern wird. Das kann auf die Psyche schlagen.

Die Quartierkoordination Rorschach und das Atelier Monaco wollen dem entgegenwirken und haben dazu das digitale Angebot «Kunsttherapie in der Coronakrise» für Frauen geschaffen. Die diplomierte Mal- und Gestaltungstherapeutin Antonella Näf aus Rorschach führt die Sitzungen ehrenamtlich. Die Zusammenarbeit zwischen der Quartierkoordination und Antonella Näf dauert schon mehrere Jahre. Denise Keel, Leiterin der Quartierkoordination Rorschach sagt:

«Das Ziel war es, eine Oase und somit Raum für Frauen zu schaffen, um sich bewusst vom Alltag zu distanzieren und auf die eigenen Bedürfnisse einzugehen.»
Denise Keel, Leiterin der Quartierkoordination Rorschach begleitet und koordiniert die Therapiesitzungen.

Denise Keel, Leiterin der Quartierkoordination Rorschach begleitet und koordiniert die Therapiesitzungen.

PD

Vor der Coronakrise traf sich die Gruppe im Atelier Monaco. Nun werden die Sitzungen auf dem digitalen Weg abgehalten und finden jeweils am Freitagmorgen mit maximal sechs Personen statt. Frauen, die ebenfalls am kostenlosen Angebot teilnehmen möchten, können sich an Denise Keel wenden. Antonella Näf sagt:

«Wir machen keine Kreativstunde.»

Die Frauen setzen sich mit inneren Konflikten oder Ängsten auseinander und verleihen ihnen mit Farbe und Formen Ausdruck. Das entstehende Bild diene als Kommunikationsmittel und gebe einen Einblick in individuell erlebte Turbulenzen. «Der Austausch hilft in dieser ungewohnten Situation», sagt Näf.

Mit Malen werden negative zu positiven Gefühlen

Den Organisatorinnen ist es ein Anliegen, präventiv zu wirken und die Frauen in Rorschach zu stärken. Man sei sich bewusst, dass soziale Distanzierung einen Einfluss auf die Psyche habe. «In dieser schwierigen Zeit möchten wir dabei unterstützen, die eigenen Ressourcen zu nutzen und das Beste aus der Situation zu machen», heisst es auf dem Flyer zum Kurs.

Beim gemeinsamen Malen gehe es nicht darum, ein eigenes Bild zu entwickeln, sondern um intuitives Malen. Näf beschreibt es so:

«Es ist, als würde man die eigenen Gefühle in Formen und Farben auf ein Blatt bringen.»

Die Frauen begeben sich während der digitalen Sitzung an einen ruhigen Ort und halten Papier und Farbe bereit.

Gestern haben die ersten Sitzungen stattgefunden. «Die Frauen konnten an dem Punkt, an dem sie waren, abgeholt werden», sagt Näf. Durch den Austausch und das Malen wurden negative Gefühlszustände in einem Prozess zu positiven Erfahrungen. «Gemeinsames Weinen und Lachen stärkt und gibt Hoffnung und Zuversicht für die kommenden Wochen.»