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Heimatliche Sprache und Kultur: So läuft der Extra-Unterricht für italienische Kinder in Rorschach

Kinder mit ausländischen Wurzeln dürfen in den Zusatzunterricht. Das Angebot wird rege genutzt, wie ein Augenschein im Schulhaus Mariaberg in Rorschach zeigt.
Rossella Blattmann
Verben konjugieren und Geografie lernen: Die Schüler der Italienischklasse machen mit und hören aufmerksam zu. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)

Verben konjugieren und Geografie lernen: Die Schüler der Italienischklasse machen mit und hören aufmerksam zu. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)

«Sie, Tina! Mueni da au colorare?» Das Mädchen im helltürkisen Kleid streicht sich die langen, zu einem Pferdeschwanz gebundenen braunen Haare aus dem Gesicht. Es ist sich nicht sicher, wie es die vorskizzierte Biene Maja auf dem Blatt Papier ausmalen soll. Ihre Lehrerin, Liberata Ginolfi, eilt herbei und hilft weiter.

Für die Schüler, die an diesem Donnerstagnachmittag im Schulhaus Mariaberg den Italienischunterricht besuchen, ist Ginolfi einfach nur Tina. Die «maestra», die Lehrerin, hat kurze und krause graue Haare und lebhafte, dunkle Augen. Sie trägt ein weinrotes T-Shirt, schwarze Hose und funkelnde Ohrringe. Ginolfi ist Lehrerin für Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur (HSK-Kurse) im Fach Italienisch. Jeden Donnerstag bringt sie im mit Landkarten und bunten Unterrichtsmaterialien vollgestellten Schulzimmer Italienisch sprechenden Kindern Grammatik, Geografie und vieles mehr bei.

Nach der Schule wird weitergelernt

Nach dem Kriegstheater von Schweiz-Türkischen Schülern im thurgauischen Uttwil entstand in den vergangenen Tagen eine hitzige Debatte um die HSK-Kurse. Ginolfi sagt, sie kenne den Fall im Thurgau zwar nicht, «doch Unterrichten ist auch eine Art von Krieg», sagt sie und lacht. Neun Erst- und Zweitklässler sowie sechs Dritt- bis Fünftklässler sitzen am Donnerstagnachmittag in Ginolfis Unterricht. Zuerst die Kleinen, dann die Grossen. Die Buben und Mädchen haben bereits einen langen Schultag hinter sich und sind müde. Andere Kinder gehen auf den Pausenplatz Fussballspielen. Doch für die «ragazzi» geht die Schule weiter. Ab und zu entwischt ihnen denn auch ein verstohlenes Gähnen. Dennoch: Die Kinder sind aufmerksam, engagiert, und machen mit. «Ich bin stolz auf meine Schüler», sagt Ginolfi.

«Italiener waren die Ersten im Kanton, welche die Kurse für heimatliche Sprache und Kultur angeboten haben», sagt Alexander Kummer, Leiter des Amtes für Volksschule des Kantons St. Gallen. Aufgrund eines Kreisschreibens des St. Galler Erziehungsrates aus dem Jahre 2005 werde den Schulen empfohlen, Kinder mit Migrationshintergrund zum Besuch des HSK-Unterrichts zu ermuntern. «Für die Kurse stellen die Schulen den unterschiedlichen Trägerschaften Räume und Einrichtungen kostenlos zur Verfügung», sagt Kummer.

Konsulate oder Vereine zahlen

Die Finanzierung der Kurse ist Sache von Trägerschaften, sei dies, wie im Fall von Italien, das Konsulat, oder auch ein kleiner Verein. «Je nach dem können diese Kostenbeiträge von den Eltern verlangen», sagt Kummer. Die allfälligen Beiträge sollen in einer Höhe angesetzt sein, die den Zugang zu den Kursen möglichst allen interessierten Familien ermöglicht, ergänzt er.

Die Erst- und Zweitklässler hüpfen vor Freude herum. Sie dürfen zum Unterrichtsschluss ein Spiel spielen: Eine Version von «Ich pack i min Rucksack ...» auf Italienisch. «Vieni!», ruft Ginolfi der Journalistin zu. Letztere zwängt sich auf die sehr schmale Holzbank und spielt, zur Erheiterung der Kinder, mit. Für die älteren Kinder, die im Anschluss den Kurs am späten Nachmittag besuchen, wird es bald ernst. Während Ginolfi die Namen von Italiens Bergen und Meeren abfragt, informiert sie gleichzeitig, dass kommende Woche ein Test ansteht. Für die zwei Fünftklässler in der Gruppe ist die benotete Prüfung Pflicht. Für die anderen sei es lediglich eine Übung, sagt Ginolfi.

Aus Süditalien in die Ostschweiz

Es ist schon spät, als auch für die zweite Gruppe der Italienischunterricht beendet ist. Liberata Ginolfi packt ihre mit Büchern und Mappen vollgepackten Taschen in ihr Auto. 1971, mit 20 Jahren, kam sie aus dem kampanischen Dorf Serino in die Ostschweiz. «Ich hatte gerade meine Ausbildung beendet und geheiratet. Mein Mann, der aus demselben Dorf stammte, hatte in der Schweiz Arbeit gefunden.» Zuerst arbeitete die junge Ginolfi als Sekretärin im Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen. Danach hat sie begonnen, in der gesamten Ostschweiz Italienisch zu unterrichten.

Ginolfi lebt auch heute noch in Rorschach. Sie hat eine Tochter und zwei kleine Enkelkinder. «Meine Enkel bereiten mir grosse Freude.» Sie fahre jetzt schnell nach Hause. Sie müsse Pouletsuppe für einen von ihren Enkeln kochen. «Die hat er doch so gern», sagt die stolze Nonna Tina.

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