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Er druckt das «Tagblatt»: Mit Lineal, Lupe und Kaffee

Hier arbeiten Mensch und Maschine meist in Höchstgeschwindigkeit: Im «Tagblatt»-Druckzentrum in Winkeln werden etwa 190'000 Zeitungen pro Nacht gedruckt. Samuel Stihl ist einer der Drucktechnologen, die dafür verantwortlich sind, dass alles läuft.
Malolo Kessler
(Bild: Michel Canonica)
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Impressionen aus dem «Tagblatt»-Druckzentrum

Das Schritttempo ist hoch, die Sätze sind nur halbe. «Sölli, Roland?», ruft Samuel Stihl. «Lömmer laufe!», tönt es von irgendwo. Stihl drückt auf einen Knopf seines Schaltpults und ist im fast selben Moment schon wieder aus der Tür gehechtet. Nach draussen, wo es zu rattern und dröhnen beginnt: Die Druckmaschine läuft an.

Es ist kurz nach 22.30 Uhr, und im «Tagblatt»-Druckzentrum, auf der zweiten Etage der Halle in Winkeln, muss alles in Höchstgeschwindigkeit passieren. Hier zählt jede Nacht jede Minute – genau so, wie es Samuel Stihl und Roland Notz mögen. Meistens.

Kontrollieren, bis alles stimmt

Die beiden Drucktechnologen arbeiten in der Steuerzentrale der Druckerei. Von hier aus wird die Maschine gesteuert. Stihl und Notz sind heute verantwortlich für den Druck sechs verschiedener «Tagblatt»-Regionalausgaben. Oder, in Zahlen: für gut 90000 Zeitungen. Verbleibende Zeit: sieben Stunden. «Zu Arbeitsbeginn um 22 Uhr ist es immer am stressigsten», sagt Samuel Stihl. In den nächsten zehn Minuten, in denen die fast 3600 Exemplare des «Toggenburger Tagblatts» gedruckt werden, wird Stihl mindestens 30-mal zwischen seinem Pult und dem Förderband hin und her spurten, wo er sich jeweils ein frisch ­gedrucktes Exemplar schnappt. Dieses blättert er unter dem grellen Licht in der Steuerzentrale durch, auch das in Höchstgeschwindigkeit. Mit dem Lineal misst er, ob Abstände stimmen, Seiten richtig aufeinanderliegen, mit der Lupe kontrolliert er, ob die Farben passen. Passt etwas nicht, drückt er einen der vielen Knöpfe auf dem Pult. Dann spurtet er raus, rein, nächstes Exemplar, nächste Kontrolle. Bis alles stimmt.

Zwei, drei Handgriffe und die Druckplatten sind ausgewechselt. (Bild: Michel Canonica)

Zwei, drei Handgriffe und die Druckplatten sind ausgewechselt. (Bild: Michel Canonica)

Der Ausserrhoder stammt aus einer Druckerfamilie: Sein Vater war Abteilungsleiter hier, sein Bruder lernte ebenfalls Drucktechnologe. Stihl arbeitet eine Woche im Nacht-, eine im Früh- und eine im Spätdienst. In den Nachtdienst­wochen geht er um 6 oder 7 Uhr schlafen und steht um 14 oder 15 Uhr auf. «Wichtig ist mir, dass ich acht Stunden Schlaf habe», sagt er, als die Maschine pausiert, das Ausformulieren ganzer Sätze wieder Sinn macht. «Zudem sollte man sich selbst gut schauen: Sport treiben, gesund essen, sonst macht man Nachtarbeit nicht lange.» Der Rhythmuswechsel macht dem 30-Jährigen nichts aus: «Auch Kollegen, die normal tagsüber arbeiten, können manchmal nicht schlafen.» Ein bisschen, sagt er dann, lebe er aber schon an seinem Umfeld vorbei –auch, weil viele Freunde in derselben Branche arbeiteten und oft genau umgekehrten Dienst hätten. Stihl hat seine Lehre bei der ehemaligen Druckerei Zollikofer abgeschlossen, seit 2010 arbeitet er bei «Tagblatt» Print. «Mein Job ist kreativ, gleichzeitig kann ich grosse Maschinen bedienen, das gefällt mir», sagt Stihl. «Und die meisten, die hier reinkommen, sind erst einmal erstaunt, dass hier kein Fotokopierer steht. Sondern eine solche Maschine.»

20 Kilometer Papier aufgerollt

Diese Maschine erstreckt sich über vier Stockwerke. Zuunterst werden die Papierrollen ausgewechselt, auf einer sind durchschnittlich 20 Kilometer Papier aufgerollt, überall schweben Zeitungen an Förderbändern durch die Luft, die immer wärmer wird, je weiter die Treppe nach oben führt. Auf Etage zwei wechseln Samuel Stihl und Roland Notz mittlerweile die Druckplatten aus, jetzt kommt der «Rheintaler». Zwei, drei Handgriffe und die Platten sind auf den Zylindern, die sich später 36 000-mal pro Stunde drehen werden. Teamarbeit ist so wichtig wie Tempo. «Obwohl hier eine riesige Maschine steht, ist der Mensch nach wie vor relevant», sagt Notz, der Mann für die richtigen Farben. An seinem Pult nimmt er jeweils während des Druckes die Feinjustierung der Farben vor, die vom Computer voreingestellt wurden: Da ein bisschen mehr rot, dort weniger blau, zwei, drei, vier Knöpfchen gleichzeitig, nächste Seite. Der dreifache Familienvater geht, anders als Kollege Stihl, nach der Nachtschicht nicht gleich ins Bett. «Ich frühstücke mit meiner Familie, gehe dann mit den Hunden spazieren.» Auch, dass er nachmittags in die Badi kann, schätzt er. «Das können andere Väter nicht.»

Mit der Lupe kontrolliert der Drucktechnologe, ob die Farben richtig aufeinanderliegen. (Bild: Michel Canonica)

Mit der Lupe kontrolliert der Drucktechnologe, ob die Farben richtig aufeinanderliegen. (Bild: Michel Canonica)

Die Druckerei in Zahlen

In der «Tagblatt»-Druckerei werden pro Jahr etwa 130 Millionen Zeitungen gedruckt, dies mit 14 000 Tonnen Papier und 200 Tonnen Farbe. Mehr als 45 verschiedene Produkte, die täglich, wöchentlich oder monatlich erscheinen, entstehen in Winkeln. Darunter alle Ausgaben des «Tagblatts», «20 Minuten», die «Schaffhauser Nachrichten», der «Werdenberger & Obertoggenburger» und die «Rheintalische Volkszeitung», aber auch das «Migros Magazin», der «PC Tipp» und die «Bauernzeitung». Die Abteilung Druck zählt 33 Mitarbeitende, in der Spedition sind es 35 und im Technischen Dienst 5 Mitarbeitende. (mke)

Kurz vor Mitternacht. Es riecht nach Kaffee, die beiden Drucktechnologen haben eine Zwangspause, weil noch nicht alle Druckplatten fertig sind. Pausenzeiten kennen sie nicht. Sie arbeiten die acht Stunden durch. Sechsmal Plattenwechsel, sechsmal «Lömmer laufe!», hundertmal hin und her spurten, schauen, blättern, schauen, Knöpfe drücken. Bis 3.30 Uhr. Dann hat die Maschine ihr Nachtwerk vollbracht. Mensch noch nicht ganz: Stihl und Notz haben erst ­Feierabend, wenn die Druckmaschine geputzt ist.

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