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Mit Latexgummi und Dachshaarpinsel: Die Andreaskirche in Gossau wird während vier Wochen aufwendig gereinigt

Die Andreaskirche in Gossau wird derzeit von einer Spezialfirma gereinigt. Wasser kommt dabei nicht zum Einsatz.
Laura Widmer
Die Reinigung der Andreaskirche dauert einen Monat. (Bilder: Benjamin Manser (30. September 2019))

Die Reinigung der Andreaskirche dauert einen Monat. (Bilder: Benjamin Manser (30. September 2019))

In der Andreaskirche ist schnell zu sehen, welche Spuren die Zeit hinterlassen hat. Ein grauer Film hat sich über die kalkweissen Wände und Gewölbe gelegt. Verursacht wird er von Partikeln auf der Haut oder in der Kleidung, aber auch vom Russ der Kerzen.

Die von Heizungen warme aufsteigende Luft biegt an Gewölbe und geraden Decken ab, sinkt an den Wänden wieder herunter und hinterlässt auf Oberflächen eine Patina, die mit den Jahren immer dunkler wird und sich in den Putz verkrallt. «Es ist erstaunlich, wie viel sich in den Jahren ablagert», sagt Kirchenverwaltungsrat Thomas Graf.

Zurzeit wird die Andreaskirche von der Firma Stuckatura Antonini AG aus Nidwalden gereinigt. Das war zuletzt 2009 der Fall. Die Firma ist eine von nur wenigen in der Schweiz, die sich auf die Kirchenreinigung spezialisiert hat.

Im aufwendigen Trockenverfahren kommt kein Wasser zum Einsatz, stattdessen verwenden die Fachkräfte spezielle Elastomer, eine Art Latexgummi. «So geben wir der Kirche ihr ursprüngliches Erscheinungsbild zurück», sagt Geschäftsführer Carlos Gomes.

Die vierwöchige Arbeit schlägt im Budget mit 60000 Franken zu Buche. Für Kirchenverwaltungsrat Thomas Graf ist es wichtig, dass mit den Steuergeldern auch der Unterhalt der Liegenschaften finanziert wird. Die Leute sollen sehen, dass der Kirche Sorge getragen wird.

Die Statuen wurden in Schutzfolie eingehüllt.

Die Statuen wurden in Schutzfolie eingehüllt.

Eine Beerdigung gleich am ersten Reinigungstag

Zwischen der Herisauer- und der St.Gallerstrasse gelegen, dominiert die Andreaskirche das Gossauer Zentrum. Rund 800 Personen finden auf den Kirchenbänken Platz. Auch während der Reinigung wird das Gotteshaus nicht geschlossen, Besucher können den Fachleuten bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Die Spezialisten müssen flexibel sein: Gleich am ersten Tag der vierwöchigen Reinigung wurde eine Beerdigung angekündigt. Das sei kein Problem gewesen, sagt Carlos Gomes. Die Hebebühne kann man einfach zusammenlegen und etwas versteckt platzieren und auch die Schutzfolien waren rasch entfernt. Die Bühne sei ohnehin besonders konzipiert: mit geraden statt vertikalen Standbeinen, sodass keine Kirchenbänke entfernt werden müssen. «Früher waren es jeweils bis zu acht Reihen.»

Ausstattung erfordert besondere Vorsicht

Auffällige Kunstobjekte wie das Deckengemälde des Gossauer Malers August Meinrad Bächtiger werden ebenfalls von Ablagerung und Schmutz befreit. Für eine allfällige Restauration wäre zusätzliches Wissen aus einem anderen Fachgebiet gefragt. In solchen Fällen arbeitet die Reinigungsfirma häufig mit dem Denkmalschutz zusammen.

Besondere Vorsicht ist bei der Ausstattung geboten, etwa bei Vergoldungen und Glasmalereien. Diese werden mit Dachshaarpinseln von Hand gereinigt. Mit einem neuen Farbanstrich, um die Verschmutzung zu übertünchen, wäre es nicht getan. «Das könnte die Wände und das Gewölbe in der Raumschale schädigen und wäre auch für das Gebäude problematisch», sagt Gomes. Bei Wasserschäden und Flickstellen kommt artgerechtes, eigens gemischtes Kalk-Sandgemisch zur Verarbeitung, nachdem das lose Material abgestossen wurde.

Bei Wasserschäden und Flickstellen kommt artgerechtes, eigens gemischtes Kalk-Sandgemisch zur Verarbeitung, nachdem das lose Material abgestossen wurde.

Katholische Kirchen sind reich verziert, das mache sie meist interessant, sagt Gomes. Und obwohl er schon viele Sakralbauten im ganzen Land gesehen hat, gibt es doch noch Wunschobjekte:

«Einmal in der Kathedrale St.Gallen arbeiten zu dürfen, wäre natürlich toll.»

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