Insektenhotels, Biotope und Elektroautos: Der Rorschacher Stadtgärtner Michael Heggli setzt auf Umweltschutz

Die Rorschacher Stadtgärtnerei stellt ihre aktuellen Projekte vor. Eins davon soll den Betrieb emissionsfrei machen.

Lisa Wickart
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Seit Mai 2019 leitet Michael Heggli die Rorschacher Stadtgärtnerei. Eines seiner Projekte ist das Insektenhotel.

Seit Mai 2019 leitet Michael Heggli die Rorschacher Stadtgärtnerei. Eines seiner Projekte ist das Insektenhotel.

Bild: Jolanda Riedener

Artenreiche Wiesen, naturnahe Gärten und revitalisierte Gewässer. Wenn es nach Michael Heggli geht, braucht es davon in der Region mehr: «Das Ziel ist es, mehr Lebensräume zu schaffen und die bestehenden vorbildlich zu pflegen», schreibt der Leiter der Rorschacher Stadtgärtnerei in einem Dossier. Dies fördere die Biodiversität und unter anderem die lokale Wertschöpfung und das Wohlbefinden der Einwohnerinnen und Einwohner. Dafür hat die Gärtnerei für das Jahr 2020 einige Natur- und Umweltprojekte geplant. Gemäss Heggli zeigen manche Projekte schnell Wirkung, andere benötigen hingegen mehrere Jahre.

Ein Projekt, das bereits angegangen wurde, ist das Sähen von wilden Blumenwiesen. Auf dem Zentralfriedhof Rorschach/Rorschacherberg haben die Gärtner seit vergangenem Frühling Teile der abgeräumten Gräber mit über 30 einheimischen Wildkräutern eingesät. Für Bienen und weitere Insekten dienen sie sowohl als Lebensraum als auch als Futterquelle. Die Stadtgärtnerei prüfe zudem, welche bestehenden Rasenflächen in Zukunft zu solchen Wiesen werden könnten. Der Aufwand für den Erhalt eines Rasens sei hoch, der ökologische Wert jedoch gering. Wiesen hingegen bringen einen weitaus grösseren Mehrwert für die Natur. Ausserdem spart die Gärtnerei aufgrund des geringeren Pflegeaufwands Kosten.

Mehr Biodiversität kann gemäss Heggli auch durch eine artenreiche Bepflanzung erreicht werden. Wie beim Segelhafen am Rorschacher Seeufer pflanzen die Gärtner vermehrt Staudenmischbepflanzungen. Wenn immer möglich und sinnvoll würden einheimische Arten bevorzugt.

Neue Lebensräume für Frösche, Igel und Vögel

Eine weitere Massnahme, die bereits Wirkung zeigt, sind die neuen Biotope aus Ästen und Steinen. So bieten übereinandergestapelte Äste Tieren wie Fröschen, Igeln, Eidechsen, Schlangen oder Vögeln ein neues Zuhause. Im Bereich des SBB-Lift haben die Gärtner drei Biotope angelegt. Auch Steine sind für verschiedene Tiere ein attraktiver Lebensraum. Das bestehende Steinbiotop soll kommendes Frühjahr mit einer Wiesenmischung angesät werden.

Ebenfalls mehr Lebensraum bieten Insektenhotels. Ein Prototyp wurde in Zusammenarbeit mit dem HPV Rorschach bereits erstellt und an der Wachsbleichestrasse bei der Gärtnerei Rubin aufgebaut. Doch es bleibt nicht nur bei einem Modell: «Wir sind momentan auf der Suche nach weiteren Standorten», sagt Heggli auf Anfrage. Das sei jedoch nicht einfach, da es für Insektenhotels einige Voraussetzungen gebe. Unter anderem dürfen die Häuschen nicht zu nah an einer stark befahrenen Strasse stehen. Aufgrund der Gefahr, beschädigt zu werden, sollen sie auch nicht in die Nähe eines Schulwegs. «Wie bei einem Flugzeug brauchen die Insekten zudem eine Einflugschneise», sagt Heggli. Vor dem Insektenhotel braucht es daher mindestens zehn bis 20 Meter Freiraum.

Umweltschonendere Geräte im Einsatz

Die Umweltprojekte betreffen nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die Arbeitsprozesse der Gärtner. Eines dieser Projekte bezieht sich auf das neue Heisswassergerät für die Unkrautbekämpfung. Seit vergangenem Sommer wird das Gerät verwendet, um unerwünschte Pflanzen mit heissem Wasser, statt wie bisher mit Gas, abzutöten. Auch für die Fahrzeuge hat Heggli bereits eine umweltschonendere Lösung gefunden: «Ich möchte unsere Fahrzeuge gegen Elektrofahrzeuge ersetzen.» Da dies sehr kostspielig sei, sollen die Fahrzeuge nicht auf einmal ersetzt werden, sondern nach und nach und erst, sobald sie nicht mehr fahrbar seien. Auf dem Zentralfriedhof nutzen die Gärtner bereits seit vielen Jahren elektrische Alternativen. Diese sollen ebenfalls ersetzt werden, da sie langsam in die Jahre gekommen seien. In Zukunft soll die Stadtgärtnerei so emissionsfrei verkehren.

Rorschach ist für die Biodiversität zu gepflegt

In der Region haben es Bienen oder Käfer teils schwer, heimische Pflanzen zu finden. Um die Artenvielfalt von Flora und Fauna zu stärken, prüft die Stadtgärtnerei neue Möglichkeiten.
Ines Biedenkapp