Kampf gegen Elterntaxis: In Rorschacherberg soll eine Initiative den Schulweg sicher machen

Eltern sammeln in Rorschacherberg Unterschriften für die Schulwegsicherheit. Den Gemeinderat freuts: Ihm sind seit der Bürgerversammlung die Hände gebunden.

Jolanda Riedener
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Madeleine Hilfiker (von links), Thomas Schökle, Gregor Thurnherr, Peter Locher und Boris Reichardt vom Initiativkomitee fordern eine Verkehrsberuhigung rund um das Rorschacherberger Schulhaus Klosterguet. Bild: Jolanda Riedener

Madeleine Hilfiker (von links), Thomas Schökle, Gregor Thurnherr, Peter Locher und Boris Reichardt vom Initiativkomitee fordern eine Verkehrsberuhigung rund um das Rorschacherberger Schulhaus Klosterguet. Bild: Jolanda Riedener

Es sind besorgniserregende Bilder, die sich täglich vor der Rorschacherberger Primarschule Klosterguet abspielen. Zahlreiche Eltern chauffieren ihre Kinder mit dem Auto und werden zur Gefahr für Kindergärtner und Schülerinnen, die zu Fuss, mit dem Velo oder Kickboard unterwegs sind. Da vielen Eltern der unübersichtliche Wendeplatz dort bekannt ist, lassen sie ihre Kinder erst recht nicht mehr zu Fuss gehen. Ein Teufelskreis. Auch für den Schulbus ist die Situation unbefriedigend.

Obwohl die Familie von Thomas Schökle nur einige Meter von der Schule entfernt wohnt, hätte sie sich nie vorstellen können, dass der Schulweg ihrer Töchter so gefährlich sein kann. Elterntaxis müssen trotz enger Platzverhältnisse wenden, was vor allem für die kleinen Kinder zu riskanten Situationen führen kann. Er sagt:

«Aus eigener Erfahrung will ich mich für sichere Schulwege einsetzen.»

Nachdem die Bürgerversammlung vergangenes Jahr ein Kreiselprojekt, das die Situation entschärft hätte, abgelehnt hatte, passierte zum Ärger der Eltern nichts mehr. Deshalb starten sie am Freitag mit weiteren Engagierten die Initiative «zur Verkehrsberuhigung rund um das Schulhaus Klosterguet in Rorschacherberg».

Antrag überraschte durch Zustimmung an der Bürgerversammlung

«Wir haben uns 1000 Unterschriften zum Ziel gesetzt», sagt Madeleine Hilfiker, Präsidentin des Komitees und des Elternrats. Bis am 26. Januar haben sie Zeit, um mindestens 218 gültige Unterschriften zusammenzubringen. Die Initiative wird von verschiedenen politischen Seiten getragen, die auch im Komitee vertreten sind: Neben Hilfiker und Schökle sind Stefan Biehle, Anna Viola Bleichenbacher, Boris Reichardt, Peter Locher und Gregor Thurnherr Teil davon.

Unterschriften sammeln

Die Initianten sammeln an folgenden Daten Unterschriften für ihr Anliegen: 26. Oktober, Eröffnung neuer Kindergarten Klosterguet, 11. November, Räbeliechtli-Umzug, 13. bis 24. November, Kerzenziehen im Galluskeller, 16. November, Bäckerei Motzer, 23. November, Stärnäwäg im Bierglasmuseum, 30. November, Bäckerei Motzer und 8. Dezember, Kesselumtrunk Kreuzung Hohrietrain/Hofstrasse/Sonneberg. 

Zur Vorgeschichte: Der Elternrat reichte bereits 2017 einen Antrag zur Verbesserung der Schulwegsicherheit ein. Der Gemeinderat erarbeitete darauf in Absprache mit Polizei und weiteren Amtsstellen das Kreiselprojekt. Dass die Bürger es an der Gemeindeversammlung nicht guthiessen, sei gemäss Komitee auch Schuld des Rats. Er hätte vor der Abstimmung informieren sollen. «Wir Anstösser wurden zwar zu einer Infoveranstaltung eingeladen, jedoch erst nach der Bürgerversammlung», sagt Schökle. Ein Anwohner stellte einen Antrag, das Kreiselprojekte aus dem Budget zu streichen. Dieser wurde angenommen. «Hätten wir davon gewusst, hätten wir uns vorbereiten können», sagt er.

Auch der Gemeinderat unterstützt die Initiative

Danach haben sich Eltern an den Gemeinderat gewendet und der Elternrat sei aktiv geworden. «Die Initiative ist das einzige Mittel, das uns jetzt noch bleibt, um das Problem nochmals anzugehen», sagt Madeleine Hilfiker. Denn der Rat werde nicht mehr von sich aus handeln.

Nach der Absage an der Bürgerversammlung habe man sich dem Problem nicht mehr annehmen können, entgegnet Gemeindepräsident Beat Hirs: «Der Bürgerwille gilt, wir stellen uns nicht dagegen.» Generell seien Initiativen auf Gemeindeebene sehr selten. In diesem Fall sei es aber die einzige Möglichkeit, den Beschluss der Bürgerversammlung nochmals zu überdenken. Dass der Kredit damals durchgefallen sei, habe auch er nicht erwartet. Insbesondere die Gegner der Erschliessung zum Quartier Wiggen hätten dies erwirkt. Darunter leiden müsse jetzt die Sicherheit. «Der Gemeinderat hat den Initiativtext bereits geprüft und unterstützt diesen», sagt Hirs. Positiv am Ganzen sei immerhin, dass sich die Wichtigkeit der Bürgerversammlung wieder vor Augen führe.

Einbindung verschiedener Parteien in Lösungsfindung

«Wir sind nicht dafür, dass Eltern ihre Kinder zur Schule fahren», ist sich das Komitee einig. Verbieten könne man es aber nicht. Deshalb müsse zwingend baulich etwas für die Sicherheit getan werden. In die Lösungsfindung sollen Eltern, Anstösser, Parteien sowie Elternrat und Bildungskommission einbezogen werden. «Das Komitee wünscht sich breit abgestützte Lösungsvorschläge und zeitnahe Informationen zum Vorgehen und wie die Situation zum Schutz der Kinder verbessert werden kann», schreibt es in einer Mitteilung.

Auch bei der benachbarten Sonderschule Wiggenhof ist die Schulwegsicherheit schon lange Thema. «Wir sind in regem Austausch mit der Schule Klosterguet und dem Quartier», sagt Giorgio Morosi, Bereichsleiter der Schule. Allerdings würden viele Schüler mit dem Schulbus kommen, da sie nicht in der Gemeinden wohnten oder den Schulweg nicht alleine gehen könnten.

Elterntaxis: In Goldach hilft nur noch eine Strassensperre

Plakate, Briefe, Infoabende: Nichts konnte das Elterntaxi-Problem der Goldacher Schule Bachfeld lösen. Im Gegenteil. Inzwischen muss der Hauswart regelmässig den Weg mit einem Container versperren, damit die Schüler wenigstens beim Schulhauseingang vor Autos sicher sind.
Vivien Huber