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Strafe wegen verbotener Glühbirnen: St.Galler Lampenhändler sind verärgert

Der Bund büsst die St.Galler Beleuchtungsfirma Konigs. Sie hat Glühbirnen verkauft, die mehr Strom verbrauchen als erlaubt. Die Lampenhändler haben die Busse bezahlt, doch ihr Ärger ist noch nicht verflogen.
Roger Berhalter
Wolfram leuchtet schöner: Esther König und Marc Juchler von Konigs in ihrem Geschäft an der Güterbahnhofstrasse in St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Wolfram leuchtet schöner: Esther König und Marc Juchler von Konigs in ihrem Geschäft an der Güterbahnhofstrasse in St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Plötzlich kam Post aus Bern. Marc Juchler und Esther König fielen aus allen Wolken. Die beiden betreiben seit vier Jahren das Beleuchtungsgeschäft Konigs. Seit vergangenem Oktober sind sie am jetzigen Standort auf dem Güterbahnhof-Areal eingemietet. Der luftige Laden besticht mit Retro-Möbeln, hängenden Gärten und Lampen in allen Farben und Formen. Bei Konigs findet man jene Glühbirnen, die in jüngster Zeit immer häufiger zu sehen sind: Nicht unter einem Lampenschirm versteckt, sondern offen leuchtend, als Spiralen, Zickzack- und Schlangenlinien hinter klarem Glas.

Auch im Internet bieten Juchler und König ihre Glühbirnen an, und auf diesen Online-Shop wurde vor ein paar Monaten auch das Bundesamt für Energie aufmerksam. Schliesslich flatterte aus Bern ein Strafbescheid ins Haus. 1000 Franken Busse mussten Juchler und König bezahlen, aufgrund von mehreren Vergehen: «Unrechtmässiges Inverkehrbringen von Geräten, Nichtkennzeichnen von Geräten, Nichtangabe von Geräteeigenschaften», so steht es im Strafbescheid. Die Lampenverkäufer hatten Leuchtmittel ohne Energieetikette angeboten sowie Glühbirnen, welche die minimalen Anforderungen an die Energieeffizienz nicht mehr erfüllen. Kurz: Sie hatten illegale Glühbirnen verkauft.

Noch viele unverkäufliche Lampen im Lager

Zuerst versuchte Marc Juchler noch, sich per Anwalt zu wehren. Inzwischen hat er die verbotenen Birnen aus dem Sortiment genommen. Die Busse ist bezahlt, doch der Ärger nicht verflogen. «Wir sind finanziell geschädigt, im Lager haben wir noch viele dieser Glühbirnen», sagt der 44-Jährige. Er wird sie nicht mehr verkaufen können, wie ihm das Bundesamt unmissverständlich mitteilte: «Eine Bewilligung für den weiteren Verkauf der Lagerbestände unzulässiger Leuchtmittel ist ausgeschlossen.»

Man kann sich darüber streiten, ob die professionellen Lampenhändler über die geltende Rechtslage besser hätten Bescheid wissen müssen. Für das Bundesamt ist der Fall klar: «Sie haben wissentlich und willentlich, also vorsätzlich, gehandelt.» Juchler hingegen verweist auf die verworrenen und sich stetig ändernden Gesetze, die den Umgang mit Leuchtmitteln regeln. Massgebend ist eine Verordnung, mit der die EU den Energieverbrauch in Privathaushalten senken will, und in der sie definiert, wie energieeffizient elektrische Geräte sein müssen. Seit 2009 wird die Verordnung schrittweise auch in der Schweiz umgesetzt. Zuerst wurden die 100-Watt-Glühbirnen verboten, schliesslich die 40-Watt-Birnen, und ab kommendem September sind auch alle Halogen-Lampen verboten.

Ab September sind Halogen-Lampen nicht mehr erlaubt

Sie galten bis jetzt als sinnvolle Alternative zu den quecksilberhaltigen Energiesparlampen. Nun aber werden sie verboten: Halogenlampen sind ab September nicht mehr erlaubt, in der Schweiz ebenso wie in den Ländern der Europäischen Union. Die Massnahme soll den Energiebedarf senken. Halogenleuchten verbrauchen zwar weniger Strom als die klassischen Glühbirnen, aber mehr als LED-Leuchten. Gegen das Halogen-Verbot regt sich Widerstand. Die Nationalrätinnen Yvette Estermann (SVP) und Regula Rytz (Grüne) stellen dem Bundesrat kritische Fragen zu den potenziellen Risiken von LED-Licht. Die Auswirkungen auf die Gesundheit seien noch zu wenig erforscht, und es gelte, die Bevölkerung zu schützen.

Die Glühbirnen im Sortiment von Konigs, die den Berner Kontrolleuren ins Auge gestochen sind, waren bis vor kurzem noch legal, mittlerweile verbrauchen sie aber mehr Strom als erlaubt. Für Juchler ist das ein Witz. «Auf Kosten von rechtschaffenen kleinen Firmen werden Urteile verhängt, welche existenzbedrohend sein könnten. Und das alles unter dem Deckmantel der Energieeffizienz», schreibt er in einem Beitrag, der auf Facebook dutzendfach geteilt und emotional kommentiert wurde.

Die Ökobilanz ist gar nicht so schlecht

Spricht Juchler über Licht, redet er sich ins Feuer. «Man sollte dem Bürger nicht vorschreiben, welches Leuchtmittel er nutzen darf. Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen.» Die Beleuchtung mache nur gerade 1,5 Prozent des Energiebedarfs eines privaten Haushalts aus. Die klassische Glühbirne verbrauche im Betrieb zwar mehr Strom als Energiesparlampen und LED-Leuchten, doch über den gesamten Lebenszyklus gesehen habe sie die bessere Ökobilanz: Sie komme in der Produktion ohne Giftstoffe aus, sei billig und in der Entsorgung problemlos.

Die Glühbirne ist laut Juchler das nachhaltigere und auch schönere Produkt: Ein Wolframdraht strahle nun einmal wärmer als ein LED-Leuchtfaden. Juchler vergleicht die Glühbirne mit einer brennenden Kerze. «Wenn diese Birnen nicht mehr da sind, wird man sie vermissen, und ein Kulturgut wird verschwinden.»

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