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Interview

Katholischer Dompfarrer steht Experiment der reformierten Kirchgemeinde skeptisch gegenüber

Der Dompfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit St.Gallen Zentrum möchte nicht auf die Predigt verzichten. Es sei wichtig, sich der schwierigen Aufgabe zu stellen.
David Grob
Dompfarrer Beat Grögli steht dem Experiment der reformierten Kirchgemeinde Straubenzell skeptisch gegenüber. (Bild: Michel Canonica - 31. Oktober 2018)

Dompfarrer Beat Grögli steht dem Experiment der reformierten Kirchgemeinde Straubenzell skeptisch gegenüber. (Bild: Michel Canonica - 31. Oktober 2018)

Beat Grögli, Dompfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit St.Gallen Zentrum, könnte sich nicht vorstellen, einen Monat lang aufs Predigen zu verzichten, wie das die reformierte Kirchgemeinde Straubenzell in ihren Gottesdiensten derzeit praktiziert. Doch auch er befasst sich mit der Frage, wie alltagstauglich Predigten heutzutage sind. Der Katholik steht dem Experiment skeptisch gegenüber.

Könnten Sie sich vorstellen, am Sonntag in Ihrem Gottesdienst, keine Predigt zu halten?

Beat Grögli: Grundsätzlich wäre dies schon denkbar, da die Predigt in der katholischen Messe nicht den gleichen Stellenwert hat wie im reformierten Gottesdienst. Bei uns Katholiken gibt es zum Beispiel an den «Nachheiligtagen» von Ostern, Pfingsten und Weihnachten in der Regel keine Predigt. Aber ich müsste sehr gute Motive haben, um öfters auf die Predigt zu verzichten.

Was halten Sie vom Experiment der Kirchgemeinde Straubenzell?

Mich überrascht es, dass eine reformierte Kirchgemeinde ein solches Experiment durchführt. Wie gesagt: In der reformierten Kirche haben Predigten einen höheren Stellenwert als in der katholischen Messe. Ich frage mich, was die Seelsorgenden anstelle der Predigt ins Zentrum ihres Gottesdienstes stellen. Wenn die göttliche Botschaft nicht durch das Wort verkündet werden kann, wie dann? Es ist ohnehin eine Herausforderung, das Wort Gottes zu vermitteln. Ich bin also dem Experiment gegenüber kritisch eingestellt.

Sind Predigten aus Ihrer Sicht heutzutage noch zeitgemäss?

Es ist wichtig, zu predigen und sich dieser schwierigen Aufgabe zu stellen.

Worin besteht diese Herausforderung?

Über Gott zu sprechen, ist immer schwierig. Es ist einfacher, über weltliche Probleme zu reden, als über eine Dimension, die nicht handfest greifbar und im Alltag nicht immer erkennbar ist. Zudem steht die frohe Botschaft oft im Widerspruch zu einer Welt, die oft anders funktioniert und sich durch Leistung definiert. Wer predigt, bewegt sich immer in beiden Welten und muss zu beiden einen Zugang finden und Brücken bauen. Es ist schwierig, über eine Dimension zu sprechen, die nicht so laut und unmittelbar ist.

Haben Predigten auch negative Seiten?

Ja. Mit einer schlechten Predigt kann man leider vieles zerstören. Etwa, wenn ein Prediger nicht mit ganzem Herzen hinter seinen Worten steht. Immer schlecht sind auch Droh- und Hasspredigten, die nur das Schlechte verkünden. Eine Predigt muss ermutigen, Kraft spenden und einen positiven Grundtenor haben.

Haben Sie in Ihrer Pfarrei bereits ein Experiment durchgeführt, das ähnlich ist wie dasjenige in Straubenzell?

Wir führen momentan ein kleines Experiment durch. An vier Mittwochabenden treffen wir Prediger uns mit Kirchbesuchern jeweils um 19.30 Uhr im Café Oya und blicken auf den letzten Gottesdienst zurück. Wir stellen dabei die Frage: Sind unsere Predigten alltagstauglich? So möchten wir in einen Dialog treten und eine Rückmeldung erhalten. Heute Mittwoch beginnen wir mit diesem Experiment.

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