Explosionsartige Vermehrung: Unterwasser-Drohne zeigt Muschelplage im Bodensee

Ein vom Land aus gesteuerter Roboter inspiziert unter Wasser die Rohrleitungen von Industrien und Gemeinden im Bodensee. Das Hightechgerät der Tiefenstein Unterwasserwelten in Horn bringt besorgniserregende Bilder an die Oberfläche. 

Rudolf Hirtl
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Dank sechs Strahlrudern lässt sich die Drohne präzise steuern.

Dank sechs Strahlrudern lässt sich die Drohne präzise steuern.

Rudolf Hirtl

Erwin Rudolf, Inhaber der Tiefenstein Unterwasserwelten in Horn, hält ein dünnes gelbes Kabel in den Händen, das im Rietli-Hafen in Goldach unter der Wasseroberfläche verschwindet. Daneben sitzt der Goldacher Unterwasserfotograf Tino Dietsche, den Kopf versenkt in einer Box aus Stoff, die das Sonnenlicht vom darin platzierten Tablet fernhält.

Gelegentlich kommt kurz ein gelbes Ding an die Oberfläche, begleitet von gurgelnden Geräuschen. Kein Wunder versammeln sich innert kurzer Zeit zahlreiche Passanten am Ufer und beobachten das seltsame Treiben. Das Rätsel löst sich, als Dietsche die Unterwasserdrohne Fifish V6 mit seinem Joystick gänzlich an die Oberfläche steuert und Rudolf das knapp vier Kilo schwere, mit sechs Strahlrudern ausgestattete Gerät am Sicherungskabel vorsichtig aus dem Wasser zieht.

Gestochen scharfe Bilder 

Erwin Rudolf sichert die Unterwasser-Drohne mit einem Kabel, während der erfahrene Taucher Tino Dietsche das wendige Gerät steuert.

Erwin Rudolf sichert die Unterwasser-Drohne mit einem Kabel, während der erfahrene Taucher Tino Dietsche das wendige Gerät steuert.

Rudolf Hirtl

Die beiden Männer lassen ihr «Spielzeug» nicht etwa aus Spass an der Freude durchs Wasser pflügen, sie sind im Auftrag des Bauamtes Goldach hier und kontrollieren die Fundamente und Wände an der Hafeneinfahrt. «Mit der UW-Drohne können wir dies effizienter und mit weniger Aufwand tun, als wenn wir Taucher einsetzen würden», sagt Erwin Rudolf und zeigt auf die gestochen scharfen Bilder. Der Auftraggeber bekommt einen Stick mit einem 4K-UHD-Video und kann sich so trockenen Fusses am PC im Büro selbst vom Zustand der untersuchten Objekte überzeugen. «Werden derartige Unterwasserkontrollen regelmässig gemacht, so könnten Schäden rasch erkannt und beseitigt werden, was die Kosten niedriger hält», so Rudolf.

Die UW-Drohne liefert auf dem Tabletbildschirm erstaunlich scharfe Livebilder. Gut zu erkennen sind die Quagga-Muscheln, die sich an diesem Ansaugrohr für Trinkwasser angeheftet haben.

Die UW-Drohne liefert auf dem Tabletbildschirm erstaunlich scharfe Livebilder. Gut zu erkennen sind die Quagga-Muscheln, die sich an diesem Ansaugrohr für Trinkwasser angeheftet haben.

Rudolf Hirtl

Drohne kann gefahrlos 100 Meter tief tauchen

Mittlerweile ist das Equipment auf ein Boot geschafft und mit Hilfe des Echolots und genauen GPS-Daten steuern die Beiden auf das Rohr eines Betriebes zu, der seine Wärmepumpe mit Seewasser betreibt. Der Ansaugstutzen liegt in 40 Metern Tiefe. Für die UW-Drohne kein Problem, da sie 100 Meter tief tauchen kann und dazu dank einer Kabellänge von 300 Metern auch einen grossen horizontalen Radius hat. Ausgeschaltet wird durch deren Einsatz das Risiko, dem Taucher in solchen Tiefen ausgesetzt wären.

«Quagga-Muscheln vermehren sich hier in der Rorschacher Bucht beinahe explosionsartig.»

Auf dem Bildschirm sind die Sedimente gut zu erkennen, die sich auf einen grossen Teil des Siebes niedergelassen haben, welches das angesaugte Wasser filtriert. Dies wäre eigentlich kein grosses Problem, dennoch sind bei Erwin Rudolf Sorgenfalten auszumachen. «Es sind optimale Bedingungen für die Quagga-Muschel. Wir müssen davon ausgehen, dass sich schon bald erste Exemplare davon hier festsetzen werden. Und dann geht es sehr schnell.» Wie schnell, dies hat er an einem Ansaugstutzen erlebt, der eine Stadt am Bodensee mit Trinkwasser versorgt. Bei der ersten Kontrolle seien dort nur einzelne Muscheln zu sehen gewesen. Nach nur sechs Monaten seien bereits 70 Prozent und nach 14 Monaten 100 Prozent der Anlage überwuchert gewesen. Nicht nur er beobachte eine beinahe explosionsartige Vermehrung der Quagga-Muschel, sagt Rudolf. Auch anderen Fachleuten sei die rapide Zunahme aufgefallen. Umso wichtiger sei es, die Infrastruktur unter Wasser regelmässig zu kontrollieren.

Die Quagga-Muschel ist eine invasive Art und im Bodensee auf dem Vormarsch

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Tino Dietsche
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