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Idylle zwischen Heiden und Hafenstadt: Mit der Appenzeller Bahn nach Rorschach

Die Strecke Heiden - Rorschach ist besonders in den Sommermonaten beliebt: Bei den offenen Wagen flattert der Fahrtwind in den Haaren. Eine Fahrt im Führerstand.
Vivien Huber

«Verstanden. Zug 5030 Abfahren», funkt Roman Kubinger seiner Fahrbegleiterin zurück und fährt vom Bahnhof Heiden los. Viele Bahnübergänge ohne Schranken, Weiden mit Kühen und Ziegen, Waldstrecken und Lichtungen mit Aussicht bis an den Bodensee passiert der Lokführer während der Fahrt nach Rorschach Hafen.

Ursprünglich hat Kubinger Karosserie-Spengler gelernt. Er merkte aber schon früh, dass er etwas Neues probieren wollte. «Ich dachte am Anfang, dass ich nur ein Jahr lang als Abwechslung zu den Appenzeller Bahnen gehe, jetzt sind daraus 27 Jahre geworden», sagt der 52-Jährige. In den ersten paar Jahren fuhr er die Strecke Rheineck-Walzenhausen, danach habe er zu Rorschach-Heiden gewechselt und sei dort geblieben.

Bild aus dem Führerstand: Die Aussicht auf der Strecke von Heiden nach Rorschach erfreut nicht nur die Fahrgäste, sondern auch den Lokführer. (Bild: Bilder: Vivien Huber)
Die klassischen Aussichtswagen begeistern die Fahrgäste im Sommer. Eine gute Aussicht auf das Geschehen auf den Gleisen braucht auch Lokführer Roman Kubinger.
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Mit der Appenzeller Bahn nach Rorschach

«Kinder mögen die rote Farbe der Bahn»

Glücklich mache ihn die Zufriedenheit der Gäste und Kinder, die fröhlich in den fensterlosen Aussichtswagen sitzen. Er glaube, dass den Kindern die rote Farbe der Bahn besonders gefalle. «Die Fahrt durch die Natur im Aussichtswagen ist sicher auch sehr eindrucksvoll und spannend für sie», sagt Kubinger und lächelt. «Manchmal bedanken sich die Fahrgäste sogar für die schöne Fahrt.» In der Appenzeller Bahn sitzen morgens, mittags und abends die Pendler und Schüler. Am Vormittag seien meist Einkäufer und ältere Menschen unterwegs und am Nachmittag Touristen. «Am Wochenende kommen viele Ausflügler und Familien vom Schiff im Hafen Rorschachs oder Wanderer, welche die Aussicht in Heiden geniessen wollen.»

Damit seine Gäste sicher und pünktlich ans Ziel kommen, muss Kubinger in der Frühschicht bereits um 5 Uhr am Bahnhof Heiden stehen. «Für die Zugvorbereitung überprüfen wir jeden Tag den Zustand des Zugs mit einer Checkliste. Wir machen Bremsproben und testen alle wichtigen Systeme wie das Fernfunksystem. Auch die Wagen säubern wir.» Zum Glück gebe es nur selten einen Fahrgast, der eine Sauerei hinterliesse. Auch bei der Spätschicht am Abend werden die Systeme um 22 Uhr wieder überprüft und die Wagen gereinigt. Falls etwas einmal doch nicht funktionieren sollte, nehmen die Lokführer einen anderen der insgesamt drei Züge auf der Strecke. «Die Bahn ist ein sehr sicheres Verkehrsmittel», sagt Kubinger. Die Arbeitszeiten seien aber nicht immer einfach, denn er arbeite entweder sehr früh oder bis spät abends, am Wochenende oder auch an Feiertagen. «Das macht ein Familienleben schon schwierig.» Der 52-Jährige muss sein Leben um die Bahn herum organisieren.

Idyllische Stimmungsbilder dank dem See

Verleidet sind ihm der Beruf und die Strecke, die er seit Jahren jeden Tag fährt, nicht: «Die Aussicht, wenn man von Heiden nach Rorschach fährt, ist wunderschön», sagt er. Durch den See entstehen Stimmungsbilder, die sich jeden Augenblick wieder ändern können. Auch Wild sehe er jeden Tag, wenn er durch die Wälder des Appenzellerlandes fahre. «Meistens sieht man Rehe, Füchse oder Dachse. Ich hatte aber auch schon Ziegen oder Kühe auf den Schienen. Wegen ihnen muss ich manchmal bremsen», sagt der Lokführer und lacht. «Ich geniesse es jeden Tag, wenn ich aus dem Fenster schaue und die Natur hautnah aus dem Führerstand miterlebe.» Er muss aber auch konzentriert sein. «Das Wichtigste ist, immer vorausschauend zu fahren, um schnell reagieren zu können.» Ruhe zu bewahren sei ebenfalls von Bedeutung. «Ich muss nicht nur die ganze Strecke und die Signale beobachten, sondern auch die Fahrleitung, die Instrumente im Zug und die Weichen.» Bei den Aussichtswagen überprüfe er über die Seitenspiegel auch, dass sich niemand zu weit hinauslehne während der Fahrt.

Auf der Strecke von Heiden nach Rorschach sitze er immer im Führerstand. «Anders ist es bei der Rückfahrt von Rorschach nach Heiden», erklärt Kubinger. Da es den Führerstand nur in eine Richtung gebe, fahre die Bahn rückwärts hoch. «Dabei sehe ich im Führerstand die Strecke nicht.» Deshalb gehe er mit einer Fernbedienung, welche die gleiche Funktion wie der Führerstand habe, in den letzten Aussichtswagen. «Von dort aus habe ich freie Sicht und kann die Bahn sicher nach Heiden fahren.» Funktioniere die Fernbedienung einmal nicht, bleibe er im Führerstand und die Fahrbegleiterin im Aussichtswagen lotse ihn per Funk. «Das passiert ganz selten», sagt Kubinger. Die Rorschach-Heiden Strecke sei aber aus einem anderen Grund speziell: «Ab Rorschach Hauptbahnhof fängt die Zahnradstrecke an, die Normalspur geht aber weiter.» Normalerweise gibt es Zahnräder nur bei Schmalspurstrecken. «Mir ist in der Schweiz keine vergleichbare Strecke bekannt», sagt Kubinger. Beim Ein- und Auszahnen müsse er die Bahn immer bis auf 5 km/h abbremsen, damit sie nicht entgleist.

«Ich bin jeden Abend froh, wenn alles gut gegangen ist»

Eine der häufigsten Ursachen für Entgleisungen sei das zu schnelle Fahren über die Weichen, sagt der Lokführer. «Solche Dinge passieren bei uns zum Glück fast nie.» Er selbst fahre seit 23 Jahren unfallfrei. «Auch wenn ich die Strecke gut kenne und sie als sehr sicher empfinde, bin ich doch jeden Abend froh, wenn ich nach Hause gehen kann und weiss, dass alles gut gegangen ist.» Aufgeregt sei er deswegen nie. «Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, in den Führerstand einzusteigen und die schöne Strecke durchzufahren», sagt Kubinger.

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