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Von Hindernis zu Hindernis: St.Gallen ist keine Velostadt

Politischen Beteuerungen zum Trotz, ist St.Gallen weit davon entfernt, eine Velostadt zu sein. Wer sich täglich aufs Stahlross schwingt und in den Verkehr stürzt, weiss auch warum. Und es ist nicht nur die hügelige Topografie der Stadt, die dazu führt. Hier eine unvollständige Sammlung von Velofallen in der Innenstadt.
Reto Voneschen
Das Nadelöhr an der Ecke Vadian- und Kornhausstrasse: Eine Baustelle, Zulieferer, Fensterputzer mit Lastwagen und Fussgänger blockieren die Veloroute. (Bild: Reto Voneschen)

Das Nadelöhr an der Ecke Vadian- und Kornhausstrasse: Eine Baustelle, Zulieferer, Fensterputzer mit Lastwagen und Fussgänger blockieren die Veloroute. (Bild: Reto Voneschen)

Alle Verkehrsteilnehmer in fast jeder Stadt haben die Tendenz zu klönen. Der Grund ist einfach: Auf dem beschränkten Platz, der in Städten zur Verfügung steht, muss nebeneinander eine Vielzahl von Mobilitätsbedürfnissen befriedigt werden. Was bezüglich Verkehrsführung nur mit Kompromissen möglich ist. Und ein Kompromiss heisst bei Verkehrsfragen immer, dass jemand auf etwas verzichten muss. Dabei haben vermutlich immer alle Verkehrsteilnehmer das Gefühl, schlechter als «die Konkurrenz» wegzukommen.

Trotzdem: In der St.Galler Innenstadt gibt’s objektiv diverse Schwachstellen am Wegnetz für Velofahrer. Und sie sind, so vielleicht wieder eher der subjektive Eindruck eines Alltagsradlers, im vergangenen Jahrzehnt nicht wirklich weniger geworden. Dies, obwohl das Velo (mit und ohne Hilfsantrieb) in der verkehrspolitischen Diskussion der vergangenen Jahre an Gewicht stark gewonnen hat. Irgendwie scheinen die guten Intentionen der politischen Behörden wie auch die Arbeit der Veloverbände nur sehr schleppend oder gar nicht auf der Strasse anzukommen.

Zwei Schritte vorwärts und einer zurück

Im Vergleich zu anderen Schweizer Städten ist das St.Galler Velowegnetz derzeit gerade im und ums Zentrum ein ziemlicher Hindernisparcours. Ein Resultat dieser Situation ist das Gefühl unter Velofahrern, dass die Stadt ihren Problemen und Wünschen weniger Aufmerksamkeit schenkt als jenen der motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Es ist zudem relativ häufig der Eindruck anzutreffen, dass im Prozess zu direkten und durchgehenden, also bequemen und sicheren Velowegen auf zwei Schritte nach vorne regelmässig einer zurück erfolgt. Das klassische Beispiel ist die Veloroute vom Güterbahnhof via Vadian­strasse ins Stadtzentrum: Auf den Bau der Velofurt über die Geltenwilenstrasse folgte prompt die Aufhebung des Vortrittsrechts für Velofahrer auf der Vadianstrasse von der Stadtpolizei bis zum Neumarkt.

Velofahrer müssen Umwege selber suchen

Zugegeben, viele Löcher und Hindernisse, auf die Velofahrer derzeit auf ihren direkten und damit bequemsten Routen stossen, wenn sie zwischen St.Galler Stadtzentrum und Westen oder Osten unterwegs sind, werden von Baustellen verursacht, sind also vorübergehend. Ein Beispiel ist das Kantonsspital: Auf seinem Areal, das ein gerne benutztes Bindeglied auf dem Weg vom Stadtpark via Volksbad- in die Lindenstrasse war, stehen neuerdings Bauzäune. Hier laufen die Vorarbeiten für den grossen Spitalumbau der kommenden Jahre.

Schwachstellen am Velowegnetz in der Innenstadt

Velofahrer müssen sich nun in Richtung Osten selber Umwege über die viel befahrene Steinach- oder Rorschacher Strasse oder auch durchs Linsebühl oder am Olma-Areal vorbei suchen. Im Autoverkehr sieht das anders aus: Wird ein wichtiger Knoten oder Abschnitt für Bauarbeiten gesperrt, werden die bequemsten Umfahrungsmöglichkeiten signalisiert.

Von einer Baustelle zur nächsten

Baustellen gibt es derzeit auch auf den beiden Hauptrouten für Velos zwischen dem Westen und dem Stadtzentrum. Unter der Vonwilbrücke im alten Güterbahnhof sind die Appenzeller Bahnen am Lochen. Der Veloweg ist eng, regelmässig mit Autos, Baumaschinen oder Kieshaufen verstellt, und durch dieses Nadelöhr zwängen sich auch noch Fussgänger. Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern sind hier bei aller gegenseitiger Rücksichtnahme programmiert.

Auf eine zweite Baustelle trifft der Velofahrer auf dem Weg von Westen ins St.Galler Stadtzentrum an der Ecke Vadian- und Kornhausstrasse: Hier baut die Raiffeisenbank seit einer gefühlten Ewigkeit und belegt dafür das Trottoir. Was dazu führt, dass Fussgänger auf die Strasse ausweichen. Wenn wie am Montag auch noch Baustellenzulieferer den Veloweg belegen, geht hier gar nichts mehr. Womit auch hier gilt: Bequemes und sicheres Velofahren sieht doch etwas anders aus.

Velofahrer fühlen sich nicht ernst genommen

Baustellen sind lästig, aber temporär und müssen sein. Auch Fussgänger und Autofahrer müssen sie erdulden. Was einige Velofahrer zur Weissglut treibt, ist vor allem die Art und Weise, wie mit ihnen und ihren Velowegen im Umfeld von Baustellen umgegangen wird. Ein Beispiel ist derzeit hinter dem Hauptbahnhof zu bewundern. Hier lochen die SBB an der Rathaus-Unterführung und unter der Rosenbergstrasse.

Die Baustelle mitten auf dem Veloweg. Beim Zugang zum hintersten Perron des Hauptbahnhofs ist die Durchfahrt blockiert. (Bild: Reto Voneschen)

Die Baustelle mitten auf dem Veloweg. Beim Zugang zum hintersten Perron des Hauptbahnhofs ist die Durchfahrt blockiert. (Bild: Reto Voneschen)

Jetzt wurde am Zugang zum hintersten Perron eine neue Baustelle eröffnet und damit der Veloweg an der Fachhochschule vorbei ohne Vorwarnung vollständig unterbrochen. Stadteinwärts ist das nicht tragisch: Man kann im Bereich der FHS problemlos auf die Velospur auf der Rosenbergstrasse ausweichen. Vom Zentrum stadtauswärts sieht's allerdings anders aus.

Wer auf dem offiziellen Weg unterwegs ist, landet auf Höhe der neuen Baustelle direkt auf einem Trottoir. Womit er zwei Möglichkeiten hat: Absteigen und stossen oder die Fussgänger bedrängen und verärgern. Es fehlt – wie in solchen Fällen üblich – der rechtzeitige Hinweis am Veloweg, der einem das korrekte Ausweichen in diesem Fall auf die andere Seite der Rosenbergstrasse ermöglichen würde.

Verkehrsschilder auf dem Veloweg. In diesem Fall an der Rosenbergstrasse hinter dem Hauptbahnhof. Solche Schilder werden für Velofahrer zum Problem, wenn der Platz auf dem Veloweg sowieso schon knapp ist. (Bild: Reto Voneschen)

Verkehrsschilder auf dem Veloweg. In diesem Fall an der Rosenbergstrasse hinter dem Hauptbahnhof. Solche Schilder werden für Velofahrer zum Problem, wenn der Platz auf dem Veloweg sowieso schon knapp ist. (Bild: Reto Voneschen)

Hinweis- und Verkehrsschilder nehmen Platz weg

Und es gibt auch Kleinigkeiten, an denen man die Veloprobleme im Umfeld von Baustellen festmachen kann: Typisch ist die Situation, dass Hinweis- und Verkehrsschilder auf Velowegen «parkiert» werden. So wie am Montag auf dem sowieso engen Veloweg stadtauswärts entlang der Oberstrasse kurz nach der Ausfahrt aus dem Güterbahnhof: Hier stand ein Verkehrssignal, das nicht wirklich zur Freude der Zweiradfahrer den knappen zur Verfügung stehenden Platz nochmals halbierte.

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