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Mit dem Polarvirus infiziert: Janine Wetter referiert nach der Klimademo in St.Gallen

Janine Wetter filmte schon Pinguine in der Antarktis, besuchte Inuits in Grönland und dokumentierte den Klimawandel auf Spitzbergen. Morgen, am Tag der weltweiten Klimastreiks, referiert die 22-Jährige in St.Gallen.
Christina Weder
Die Reise ist zu Ende: Janine Wetter verlässt das Expeditionsschiff auf Spitzbergen. (Bild: PD)

Die Reise ist zu Ende: Janine Wetter verlässt das Expeditionsschiff auf Spitzbergen. (Bild: PD)

Hätte sie die Wahl zwischen einem Palmenstrand oder einem Gletscher am Ende der Welt, müsste Janine Wetter nicht lange überlegen. Sie würde ans Ende der Welt reisen. Bei Minustemperaturen fühlt sich die 22-jährige Studentin der Umweltnaturwissenschaften aus Fehraltdorf wohl. «Ich finde es schön, die Kälte zu spüren», sagt sie am Telefon. Einfach am Strand herumzuliegen, sage ihr weniger zu.

Auch im vergangenen Sommer zog es sie in den hohen Norden. Sie reiste an jenen Ort, an dem sich die Auswirkungen des Klimawandels besonders deutlich zeigen: in die Arktis. Morgen Freitag, wenn auch in St. Gallen wieder Jugendliche fürs Klima auf die Strasse gehen, hält Janine Wetter um 18.30 Uhr in der evangelisch-methodistischen Kirche ein Referat. Sie berichtet von ihren Erlebnissen als Teilnehmerin des Swiss Arctic Projects 2018, einer privat initiierten Klimaexpedition in die Arktis.

Die junge Generation zum Nachdenken anregen

Drei Wochen lang war sie zusammen mit vier weiteren Studenten auf einem Schweizer Schiff beim Archipel Spitzbergen unterwegs. Ihre Aufgabe war es, mit Hilfe sozialer Medien über den Klimawandel und seine Folgen zu berichten. Die jungen Erwachsenen sollten ihre Generation ansprechen und zum Nachdenken anregen.

Janine Wetter beschäftigt sich seit längerem mit dem Klimawandel. Schon als kleines Kind liebte sie Pinguine. Als 16-Jährige drehte sie als Maturaarbeit einen Dokumentarfilm über die vom Klimawandel bedrohten, flugunfähigen Vögel. Dafür verbrachte sie sechs Wochen auf einem chilenischen Forschungsschiff in der Antarktis. Auf dieser Reise sei sie mit dem «Polarvirus» infiziert worden, sagt sie. «Wenn man das Virus einmal in sich trägt, lässt es einen nicht mehr los.» So zog es sie zwei Jahre später erneut in die Kälte. Drei Wochen lebte sie bei Inuit-Familien in Ostgrönland, ging mit ihnen auf die Jagd und erfuhr, wie der Klimawandel ihren Alltag verändert.

Im vergangenen Sommer folgte die Teilnahme am Swiss Arctic Project auf Spitzbergen. Janine Wetter ist fasziniert, wie klein sich der Mensch im Angesicht der gewaltigen Natur fühlt. Sie schwärmt von der Wildnis, den kristallklaren Farben, den imposanten Gletschern, der Schönheit der Landschaft. Gleichzeitig sei sie auch schockiert gewesen: «Überall, wo wir hinkamen, hatte der Klimawandel seine Spuren hinterlassen.» Sie berichtet von schrumpfenden Gletschern und von Eisschollen, die den Walrossen unter dem Bauch wegschmelzen. Sie erzählt vom auftauenden Permafrost, der Schäden an Gebäuden hinterlässt.

«Am liebsten hätte ich einen roten Stop-Knopf gedrückt, um das alles aufzuhalten.»

Nicht ohne Stirnlampe unterwegs

Nach der Expedition blieb Janine Wetter für ein Austauschsemester an der Uni in Spitzbergen. Sie fuhr Kajak und erkundete Eishöhlen. Es sei ihr nie langweilig geworden, auch wenn nur 2000 Einwohner auf dem Archipel leben. Es machte ihr auch nichts aus, als die Tage ab Oktober dunkel wurden und sie nur noch mit einer Stirnlampe nach draussen konnte.

Im Dezember kehrte Janine Wetter in die Schweiz zurück, als die Klimastreiks in vollem Gange waren. Sie will einen Beitrag zur Debatte leisten, Vorträge halten und davon erzählen, was sie in der Arktis erlebt hat. Und sie hat Pläne für die Zukunft. Ihr Traumberuf ist Polarforscherin oder Dokumentarfilmerin. Als solche möchte sie weiterhin aufzeigen, welch unberührte, schützenswerte Orte es auf der Welt gibt.

Vortrag «Auswirkungen des Klimawandels»: morgen Fr, 18.30 Uhr, Evangelisch-methodistische Kirche, Kappellenstrasse 6.

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