Mit dem Mountainbike um die Welt: Rheinecker startet an der EM in Tschechien

Der Rheinecker Simon Vitzthum nimmt am Sonntag an der Mountainbike-EM teil. Sein Velo hat er selbst gebaut, in einer Rorschacher Velowerkstatt.

Lisa Wickart
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Simon Vitzthum ist nicht nur Profimountainbiker, sondern auch Velomechaniker in Rorschach. Kommenden Sonntag nimmt er an den Mountainbike-Europameisterschaften in Tschechien teil. (Bild: Lisa Wickart)

Simon Vitzthum ist nicht nur Profimountainbiker, sondern auch Velomechaniker in Rorschach. Kommenden Sonntag nimmt er an den Mountainbike-Europameisterschaften in Tschechien teil. (Bild: Lisa Wickart)

Für Simon Vitzthum geht es jetzt um viel. Kommenden Sonntag muss sich der Rheinecker an den Mountainbike-Europameisterschaften im tschechischen Brünn mit der Konkurrenz messen. Dafür darf neben dem Können ein gutes Mountainbike nicht fehlen – und das hat sich der 24-Jährige sogar selbst gebaut. Als Velomechaniker steht Vitzthum normalerweise fast täglich im Rorschacher Veloladen Bischibikes.

Obwohl er als Profibiker viel unterwegs ist, arbeitet er mit einem 50-Prozent-Pensum im Geschäft. Beides bringe er gut unter einen Hut:

«Morgens arbeite ich jeweils im Laden in Rorschach und am Nachmittag trainiere ich auf der Rennstrecke in Oerlikon.»

Während der Rennen fehle er jedoch im Geschäft. Das sei für seinen Arbeitgeber und Mountainbike-Teamchef Christof Bischof kein Problem: «Als Ex-Veloprofi weiss Christof ja, wie das im Profisport ist», sagt er. So könne er an gewissen Tagen länger bei der Arbeit bleiben, um sein Fehlen auszugleichen.

«Schwierig, ins 
Olympiateam zu kommen»

Eine gute Platzierung an der EM könnte Vitzthum einen Schritt näher an die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bringen. Er sieht eine Qualifizierung jedoch als unrealistisch an: «Die Schweizer Biker sind sehr gut, da wäre es schwierig, in das Olympiateam zu kommen», sagt er. Sein grösstes Ziel sei es momentan, immer mehr Fortschritte zu machen. Bessere Chancen erhofft er sich dann für die Olympischen Spiele 2024 in Paris: «Ich will mich nicht überschätzen, sonst wäre ich nur enttäuscht, wenn ich sie nicht erreichen würde», sagt der Mountainbiker.

Seit über sieben Jahren ist Vitzthum Teil des Mountainbike-Teams von Christof Bischof. Vom Ex-Radprofi habe er besonders eines gelernt – Gelassenheit. «Er hat uns beigebracht, sich nicht stressen zu lassen, auch wenn mal etwas passiert, was nicht geplant war», sagt er. Mit dem Team trainiere er einmal in der Woche, aufgrund der intensiven Saison aber meist alleine mit seinem Trainer Beat Müller.

Neben dem Profisport und dem Geschäft bleibt Vitzthum nicht allzu viel Freizeit. Selbst wenn er nicht bei der Arbeit oder auf dem Mountainbike sei, drehe sich meist alles ums Velofahren: «Hobby und Arbeit haben sich bei mir vermischt, da auch viele meiner Freunde aus der Branche sind», sagt er. Er lege jedoch Wert darauf, auch mit seinen Kollegen Zeit zu verbringen, die mit dem Sport nichts zu tun hätten. Das gehe gut auf – abgesehen von gemeinsamen Ferien: «Ich kann halt nicht so einfach freinehmen wie andere», sagt er. Im Herbst habe er zwar jeweils zwei bis drei Wochen trainingsfrei: «Aber zu dieser Zeit haben die meisten keine Ferien.»

Die besten Fans in 
Frankreich und Tschechien

Dafür schätzt Vitzthum umso mehr, dass er während seiner Arbeit viel in der Welt herumkommt. Wenn er für ein Rennen in ein anderes Land reise, bleibe ihm meist nicht viel Zeit für Sightseeing. Bei längeren Reisen könne er sich aber oft ein paar Tage freinehmen. In Erinnerung blieb ihm besonders eine Reise: «Mit dem ganzen EM-Team waren wir in Australien, das war wirklich eindrücklich», sagt er. Am besten gefielen ihm die Rennen in Tschechien und in Frankreich. Zum einen liege das an den guten Strecken, zum andere an den begeisterten Fans: «Egal wer fährt, in Frankreich und der Tschechei jubeln die Leute jedem zu», sagt er. Das motiviere einen während des Rennens sehr. Vitzthum sagt:

«Manchmal sind die Fans so laut, dass man sich selbst nicht mehr atmen hören kann.»

Nun stehen für Simon Vitzthum die Vorbereitungen für sein Rennen am Sonntag an. Dazu gehöre beispielsweise die Besichtigung der Strecke: «Man muss sich merken, wo eine gefährliche Stelle ist oder wo es besonders anstrengend wird», sagt er. Speziell für die EM trainiert habe er jedoch nicht: «Mein Training waren all die Rennen, die ich in letzter Zeit gefahren bin.» Für die EM hat er ein klares Ziel vor Augen: «Ich will möglichst der Beste sein.»