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Mit Daten aus Fussgängerzählungen gegen das Ladensterben in der St.Galler Innenstadt

Die Fachhochschule St. Gallen zählt zusammen mit der Standortförderung die Fussgänger in den Gassen der Innenstadt. Mit den Daten sollen die optimalen Standorte für verschiedene Läden eruiert werden. Nun liegen erste Zahlen vor.
Christoph Renn
An Spitzentagen gehen knapp 18000 Personen durch die Marktagsse. (Bild: Michel Canonica)

An Spitzentagen gehen knapp 18000 Personen durch die Marktagsse. (Bild: Michel Canonica)

Knapp 12000 Personen sind im Juni täglich durch die Marktgasse gelaufen. Der Tageshöchstwert liegt bei rund 18000. An den Donnerstagen sind es jeweils am meisten. An den Wochenenden ist der Fussgängerstrom zwischen 10 und 17 Uhr am grössten. Das sind einige Zahlen der ersten Fussgängerzählung in der St. Galler Innenstadt, welche die Fachhochschule St. Gallen im Rahmen des Innosuisse Projekts «Popup City» durchführt. Das Projekt ist ein Bestandteil von «Zukunft St. Galler Innenstadt». Unterstützt wird die FHSG von der Standtorförderung und dem städtischen Tiefbauamt.

Die FHSG verfolgt mit der Fussgängerzählung ein klares Ziel: «Mit den Daten können wir die sehr emotional geführte Diskussion um das Ladensterben etwas objektivieren», sagt Stefan Nertinger, Dozent an der FHSG, und ergänzt: «Zudem schaffen wir einen Mehrwert für St. Gallen.»

Längerfristig die Innenstadt wieder beleben

Noch müssen die Zahlen der Fussgängerzählungen mit Vorsicht betrachtete werden: «Einerseits sind die Zählungen nicht genau», erklärt Nertinger. Zudem seien sie eine reine Momentaufnahme. Die Fussgängerzählungen hatten erst im Juni dieses Jahres begonnen. «Wir wollen sie während der kommenden zwei Jahre durchführen.» So sollen saisonale Schwankungen, Fehler und Ungenauigkeiten identifiziert werden. «Zudem können wir nur bei einer Messung über längere Zeit die Entwicklung der Passantenfrequenz beurteilen.»

Das übergeordnete Ziel dieser Fussgängerzählung ist laut Nertinger, längerfristig die Innenstadt wieder zu beleben. «Natürlich sind sie nur ein ergänzender Baustein. Doch ein sehr wichtiger.» Um den optimalen Standort eines Ladens zu finden, ist die Frequenz entscheidend. «Zudem erhalten wir eine Struktur der Fussgängerströme.» Zu welcher Uhrzeit und an welchem Wochentag sind sie am grössten? Wann bleiben die Gassen fast leer? «Liefern wir Antworten auf diese Fragen, bringen diese Vorteile für die Geschäfte», sagt Nertinger. So könne das Angebot gezielt den entsprechenden Frequenzen angepasst werden. Ladenflächen, die werktags gut besucht werden, sind für eine andere Nutzung besser geeignet als jene, die am Wochenende stark frequentiert sind.

Nertinger geht sogar einen Schritt weiter: «Die Information selbst ist ein Mehrwert für interessierte Detailisten.» Zudem verschaffen sie der Stadt St. Gallen einen Wettbewerbsvorteil, weil sie etwas bieten kann, was andere Städte nicht können. Die Zahlen verändern laut Nertinger auch die Festlegung der Ladenmieten. «Die Daten liefern eine objektive Grundlage für die Mietverhandlungen.»

St. Gallen vergleicht sich mit Zürich

Noch bleiben die Aussagen Nertingers hypothetisch. Die Daten müssen zuerst erhoben und ausgewertet werden. Zudem sind sie nur ein Teil der Studie der FHSG. «Wir wollen nicht bloss quantitative Ergebnisse liefern», sagt Nertinger. So bilden qualitative Befragungen und Experteninterviews einen weiteren wichtigen Bestandteil. «Nur so können wir ein möglichst umfassendes Bild der Attraktivität und der Struktur der Innenstadt erheben.»

Noch fehlen den Wissenschaftlern vergleichbare Daten in der St. Galler Innenstadt. «Wir arbeiten aber auch mit der Stadt Zürich zusammen», sagt Nertinger, «also mit dem Pop-Up-Mekka der Schweiz.» Das gemeinsam gesammelte Wissen werde ausgetauscht und die gesammelten Daten verglichen. «Die Zahlen in Zürich haben beispielsweise gezeigt, dass im oberen Teil des Bahnhofes die Frequenz sehr hoch ist und dementsprechend grosse Läden, wie Dosenbach und Manor stehen.» Am anderen Ende des Bahnhofes sei der Fussgängerstrom geringer, dementsprechend seien dort die teuren Kleidermarken eingemietet.

Überträgt man diese Erkenntnisse auf St. Gallen, wird klar, dass beispielsweise im weniger frequentierten Spisertor die Geschäfte ein umso differenziertes Angebot präsentieren müssen.» Die Multergasse hingegen eignet sich für Geschäfte, die auf Laufkundschaft zählen.

Bei der Erhebung der Zahlen bekommt die FHSG Unterstützung vom städtischen Tiefbauamt. «Bei den Einzelzählungen in den diversen Gassen stellen wir das entsprechende Gerät zur Verfügung», sagt Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr. Normalerweise stehe der sogenannte Eco-Zähler – ein Messstrahl, der die Fussgänger beim Durchqueren zählt – bei der permanenten Zählstelle an der Vadianstrasse.

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