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Gossauer Maturandin bringt mit Asylsuchenden ihr eigenes Märchen auf die Bühne

Chiara Stark schreibt als Maturaarbeit ein Theaterstück. Für die Aufführung probt sie mit Asylsuchenden in der alten Kapelle des Gymnasiums Friedberg. Das Projekt bringt viel Freude für beide Seiten.
Elena Fasoli
Die Flüchtlinge zeigen auf der Bühne viele Emotionen. Hier gibt es gerade Streit zwischen den sieben Zwergen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Flüchtlinge zeigen auf der Bühne viele Emotionen. Hier gibt es gerade Streit zwischen den sieben Zwergen. (Bild: Benjamin Manser)

«Spieglein, Spieglein in der Hand. Wer ist der Mächtigste im ganzen Land?», tönt es von der Bühne. Dort steht jedoch nicht die böse Königin, sondern Prinz Michelangelo und König «Diabolo». Dann laufen die sieben Zwerge mit lautem Gesang ein. Die Schauspieler kommen jedoch nicht von «hinter den sieben Bergen», sondern aus Afghanistan, Äthiopien und Irak.

Chiara Stark vom Gymnasium Friedberg in Gossau hat ein aussergewöhnliches Projekt gestartet. Für ihre Maturaarbeit hat sie zusammen mit ihrer Schwester Seraina ein Theaterstück geschrieben. «Schneewittchen mal anders» heisst das Stück. Speziell daran ist, dass alle Rollen von Asylsuchenden gespielt werden. Die Idee für das Projekt kam von Rektor Lukas Krejci, der Chiara Starks Arbeit begleitet. «Ich war sofort begeistert», sagt die 17-Jährige. Durch den Friedegg-Treff konnte der Kontakt zu den Flüchtlingen hergestellt werden. «Anfangs war ich sehr nervös», sagt Chiara Stark. Es sei ihr bewusst gewesen, dass sie eine grosse Verantwortung und viel Arbeit vor sich habe. «Als ich die Leute kennen gelernt habe, sind sofort alle Zweifel verblasst. Die neun Männer waren vom ersten Tag an hoch motiviert.»

Ein Konversationskurs für Ausländer

Während zehn Wochen probt die Gruppe jeden Donnerstag und jedes zweite Wochenende in der alten Kapelle des Gymnasiums. Noch sind es etwa zwei Wochen bis zur Aufführung am 21. Oktober. Während des Theaterstücks wird viel gesungen und getanzt. Die Asylsuchenden zeigen dabei viel Einsatz. «Ich war überrascht, wie viel Talent alle haben. Es ist selten, dass in einer Gruppe jedes Mitglied so viele Emotionen ins Schauspiel bringt», sagt Chiara Stark, die ihre Familie als theaterbegeistert bezeichnet. Auch das Auswendiglernen des Textes laufe besser als erwartet. «Anfangs war es schwierig, weil nicht alle gut Deutsch können», sagt Farid Niazi, der den Zwerg «Zappli» spielt. «Doch das Theaterspielen ist wie ein Konversationskurs für Ausländer.» Wenn jemand mehr Unterstützung braucht, helfen Chiara und Seraina Stark ausserhalb der Proben beim Auswendiglernen.

Nachdem zum ersten Mal das ganze Theaterstück geprobt wurde, haben die beiden Schwestern viel Lob für die Schauspieler übrig. «Ihr habt alle den Text gelernt, ich bin so stolz auf euch», sagt Chiara Stark. Seraina fügt hinzu: «Es ist eine Freude, euch zuzusehen.» Sie merkt an, dass noch viel Arbeit bevorstehe, aber genügend Zeit bleibe. Denn in der letzten Woche vor der Aufführung wird jeden Tag geprobt.

Gemeinsames Essen sorgt für Familiengefühl

Die Eltern von Chiara und Seraina Stark backen oder kochen jeden Donnerstag für die Gruppe. «Wir sind inzwischen wie eine kleine Familie. Es entstehen immer gute Gespräche», sagt Chiara Stark. Die neun Männer seien interessiert an der Schweizer Kultur. Ausserdem bemühen sie sich, ein Stück ihrer Heimat einzubringen. «Ich kann bereits ein bisschen Persisch», sagt sie. Farid Niazi bestätigt das Familiengefühl: «Wir sprechen Chiaras Eltern mit Mami und Papi an.»

Die neun Schauspieler haben sichtlich Freude an der Sache und sind stets konzentriert. «Ich komme sehr gerne in die Proben», sagt Azimullah Younusy aus Afghanistan. Farid Niazi sagt, dass er da er in der Schweiz nicht arbeiten dürfe, viel freie Zeit habe. Das Theater spielen mache Spass, auch weil Chiara und Seraina so nett seien. «Einige Schweizer haben Angst, wenn wir Flüchtlinge hierher kommen. Die beiden waren von Anfang an offen und freundlich.» Für die Familie Stark ist es ebenfalls eine bereichernde Erfahrung. Chiara Stark sagt: «Ich vergesse oft, dass ich dieses Projekt für die Schule mache. Es ist für mich ein Hobby und wie wenn ich mich mit Freunden oder Familie treffe.»

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