Mit 146 Stundenkilometern auf 80er-Strecke: Kreisgericht St.Gallen verurteilt Raser zu bedingter Freiheitsstrafe

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilt einen Autofahrer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 19 Monaten.

Claudia Schmid
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Ein Autofahrer fuhr ausserorts 66 km/h zu schnell. Der Mann hatte früher schon gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen.

Ein Autofahrer fuhr ausserorts 66 km/h zu schnell. Der Mann hatte früher schon gegen das Strassenverkehrsgesetz verstossen.


Bild: Sandra Ardizzone / ZUR

Ein Schweizer hat auf einem geraden Strassenstück in Wittenbach kurz Gas gegeben und seinen Wagen auf 146 Stundenkilometer beschleunigt. Auf der Strecke wäre maximal Tempo 80 erlaubt gewesen, womit er 66 Stundenkilometer zu schnell unterwegs war.

Einige Wochen zuvor hatte er auf der Splügenstrasse in St.Gallen ein Rotlichtsignal überfahren und die Kreuzung mit 50 Stundenkilometer überquert. Auch war es nicht die erste Widerhandlung des 23-Jährigen gegen das Strassenverkehrsgesetz. Bereits früher musste er wegen zu schnellem Fahrens bestraft werden.

Beschuldigter war sich der Tragweite nicht bewusst

Die Staatsanwältin klagte den fehlbaren Autolenker im abgekürzten Verfahren an. Sie beantragte eine Verurteilung wegen qualifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln und eine bedingte Freiheitsstrafe von 19 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren sowie eine unbedingte Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 100 Franken.

Der Beschuldigte habe zwar sein zu schnelles Fahren nicht geleugnet, jedoch sei ihm die Tragweite einer solchen Raserfahrt wohl eher nicht bewusst, erklärte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vor dem Kreisgericht St.Gallen.

So habe er gesagt, es könne ja jedem Lenker mal passieren, dass er zu schnell unterwegs sei. Ausserdem sei die Strecke übersichtlich. Der Abschnitt auf der Romanshornerstrasse in Wittenbach sei tatsächlich gerade und recht übersichtlich, doch befänden sich links und rechts Bushaltestellen, weshalb mit Fussgängern zu rechnen gewesen sei. Zudem gebe es mehrere Strassen, die auf die Romanshornerstrasse einmündeten. Diese Verkehrsteilnehmer hätten zwar keine Vortrittsberechtigung, müssten aber auch nicht damit rechnen, dass ein Fahrzeug mit derart übersetzter Geschwindigkeit vorbeibrause.

Wegen Raserfahrt viel verloren

Der Beschuldigte erklärte, ihm sei absolut nicht bewusst gewesen, dass er wegen des Gasgebens mit einer so hohen Strafe rechnen müsse. Er habe viel verloren und viele Nächte nicht geschlafen. Weil er den Führerausweis abgeben musste, wurde dem Chauffeur gekündigt.

Das Kreisgericht erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Ein Tempoexzess sei nicht einfach ein dummer Fehler, der jedem mal passieren könne. Gerade als Berufschauffeur müsse man wissen, wie gefährlich eine Raserfahrt sei und welche schlimmen Folgen daraus resultieren könnten, redete der vorsitzende Richter dem Beschuldigten ins Gewissen. Auch als Vater eines Kindes könne es ihm nicht egal sein, wenn sich Verkehrsteilnehmer verantwortungslos verhielten.

Begehe er erneut eine Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz drohe ihm nach der Verurteilung eine längere Haftstrafe. Der vorsitzende Richter wies den Beschuldigten auch darauf hin, dass das Urteil dem Strassenverkehrsamt gemeldet wird. Die Kosten des Verfahrens muss der fehlbare Autolenker bezahlen. Sie betragen rund 8600 Franken. (cis)