Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Mister Kinderfest ist auch bei Regen die Ruhe selbst

Alan Schmid hat sein erstes Kinderfest 1990 erlebt. Damals war er Lehrer. Heute ist der 57-Jährige der Tätschmeister des Grossanlasses. Einer, der sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt, auch nicht vom Regen.
Malolo Kessler
Alan Schmid ist zum dritten Mal Cheforganisator des Kindferfests. (Bild: Hanspeter Schiess)

Alan Schmid ist zum dritten Mal Cheforganisator des Kindferfests. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Ou du – deinen Job müsste ich jetzt auch nicht haben.» Diesen Satz hat Alan Schmid in den letzten Tagen und Wochen oft gehört. Er ist der Projektleiter des grössten städtischen Volksanlasses, Kopf des St. Galler Kinderfestes. Neun Mal musste es schon verschoben werden (siehe Zweittext). Neun Mal war es Schmids Job, die Verschiebung zu kommunizieren. Und mit jedem Mal sank die Zahl der möglichen Durchführungsdaten natürlich. Nervös macht ihn das nicht. Der 57-Jährige ist keiner, der schnell aus der Ruhe kommt.

Und die Aussage über seinen Job, die nimmt er gelassen: «Mein Team und ich entscheiden ja gemeinsam und aufgrund fundierter Erkenntnisse über die Durchführung. Letztlich bin ich die Person, die den Entscheid nach aussen trägt», sagt der Leiter Personal und Recht der städtischen Dienststelle Schule und Musik. Er sitzt in einem der Büros seiner Dienststelle an der Neugasse, mit schwarzgerahmter Brille, in kleinkariertem Hemd. Wenn er erzählt, dann konzentriert und strukturiert, in moderatem Züridialekt.

Er kommt aus einer Arbeiterfamilie

Der Dialekt ist ein Überbleibsel aus seiner Kindheit: Alan Schmid ist im Zürcher Oberland aufgewachsen. In einer klassischen Arbeiterfamilie, wie er sagt. Der Vater Maschinenschlosser, die Mutter Haushälterin. Als er in der zweiten Klasse war, zügelte die Familie nach Walzenhausen, dann nach Au und schliesslich nach Rheineck. In Heerbrugg besuchte Schmid das Lehrersemi und schloss 1982 ab. Das, obschon er gar nicht unbedingt Lehrer hatte werden wollen. «Ich wollte an eine Mittelschule. Meine Eltern fanden, dass ich dann aber wenigstens eine besuchen sollte, nach deren Abschluss ich arbeiten konnte. So haben wir uns auf das Semi geeinigt.»

Schmid arbeitete kurze Zeit als Lehrer im Aargau, begann dann ein Studium in Pädagogischer Psychologie, das er abbrach, als sein Sohn zur Welt kam. Familie Schmid zügelte zurück in den Osten: In St. Gallen unterrichtete er dann einige Jahre im Schulhaus Rotmonten und im «Hadwig», wo er 1990 als Lehrer sein erstes Kinderfest überhaupt erlebte. Im Jahr 1994 wechselte Schmid vom Klassenzimmer ins Schulleiter-Büro der Primarschule Spelterini, dort blieb er neun Jahre. «Lehrer sein», sagt Schmid heute, «ist nicht meine Berufung, aber ein schöner Beruf.»

Bassstimme und Literaturliebhaber

Seine Berufung sieht er eher in dem, was er heute tut: Nach mehreren Jahren als Schulratssekretär und einem Jus-Studium leitet Schmid seit 2015 den Fachdienst Personal und Recht der Dienststelle Schule und Musik. Hier erstellt er Lohnbudgets, beschäftigt sich mit personalrechtlichen Fragen, organisiert und koordiniert. Die städtische Verwaltung und die Stadt St. Gallen überhaupt sind dem Juristen längst Heimat geworden: Seit 20 Jahren wohnt er mit seiner Frau, die er im Lehrersemi kennengelernt hatte, in Guggeien. Hier sind auch ihre beiden Kinder grösstenteils aufgewachsen. Heute arbeitet die Tochter als Psychologin in Bern, der Sohn als Geologe in Basel.

«An St. Gallen schätze ich besonders die Grösse», sagt Schmid. «Man kennt sich, kann aber doch für sich sein.» Einmal pro Woche singt er als einer von sechs Bassstimmen im Chor Stimmix – «im Moment gerade Mendelssohn-Stücke, aber auch Rock und Pop, was ich besonders mag». Und er besucht hier einen Literaturclub, mit dem er gerade «Krieg und Frieden» liest – «muss man ja schliesslich gelesen haben im Leben».

Der liebste Moment ist vor dem Umzug

Schmid sagt von sich, dass er es mag, Teil eines grösseren Ganzen zu sein. Gemeinsam mit anderen etwas auf die Beine zu stellen. Beim Kinderfest macht er das nun zum dritten Mal als Cheforganisator. «Mich fasziniert, wie sich die ganze Stadt mit dem Anlass identifiziert, wie er nach wie vor begeistert.» Sein Moment, der ihm liebste, ist jeweils jener am Morgen kurz vor dem Umzug. Dann, wenn er als Cheforganisator sagen kann, dass es losgeht – beziehungsweise: endlich, endlich losgeht.

Schon wieder verschoben

Das Warten geht weiter: Gestern Mittwoch wurde das Kinderfest 2018 bereits zum neunten Mal verschoben. Nächstmöglicher Termin ist kommenden Mittwoch, 20. Juni. Grund für die erneute Verschiebung ist gemäss Mitteilung der starke Regen am Dienstag und Mittwoch sowie die niedrigen Temperaturen in den letzten Tagen. Diese hätten sich negativ auf den Zustand der Festwiese ausgewirkt. Die Aussichten für kommende Woche versprechen Wetterbesserung. Eine Durchführung am Dienstag ist wegen des New-Orleans-Festivals nicht möglich. Die Hauptprobe am Vortag des Fests könnte aber dennoch stattfinden. (sk/ghi)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.