«Mister Geothermie» liebäugelt mit dem Amt des Mörschwiler Gemeindepräsidenten: «Bin ich der Richtige?»

In Mörschwil ist eine interessante Stelle ausgeschrieben: Jene des Gemeindepräsidenten. Marco Huwiler, Leiter der Technischen Betriebe Wil, denkt über eine Kandidatur nach. Ein weiterer Favorit winkt ab.

Melissa Müller
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Marco Huwiler will über Weihnachten und Neujahr eine Pro-Contra-Liste erstellen.

Marco Huwiler will über Weihnachten und Neujahr eine Pro-Contra-Liste erstellen.

Bild: Olivia Hug (16.10.2016)

«Für unsere attraktive Gemeinde mit rund 3600 Einwohnerinnen und Einwohnern sucht die überparteiliche Findungskommission per 1. Januar 2021 eine engagierte Persönlichkeit als Gemeindepräsidentin/Gemeindepräsident», heisst es im Inserat, das im «Tagblatt» erschienen ist. Die Bewerbungsfrist läuft bis 20. Januar. «Wir haben das Inserat jetzt geschaltet, damit sich allfällige Kandidaten über Weihnachten und Neujahr Gedanken dazu machen können», sagt der Teufener HSG-Dozent Roger Sonderegger, der den Prozess fachlich begleitet. Ein paar Interessenten hätten ihn bereits kontaktiert. «Es ist aber noch zu früh, um darüber zu berichten.»

Sonderegger sammelt die Bewerbungen, wertet sie aus und legt sie im Februar der Findungskommission vor. Diese besteht aus Leo Scherrer und Matthias Schmid von der CVP, Esther Stricker und Stephan Weigelt von der FDP, Walter Mäder und Markus Blum von der SVP und dem Grünen Richard Faust.

Suche wird nicht an die grosse Glocke gehängt

Die Kommission habe intensiv über das Stellenprofil diskutiert. Was in den Sitzungen besprochen wurde, werde vertraulich behandelt, sagt Sonderegger. «Diskret, zurückhaltend, nicht protzig. So, wie Mörschwil sich gibt», sagt der Finanz- und Kommunikationsberater. Das Anforderungsprofil ist breit gefasst. Erwartet werden etwa Führungserfahrung, Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung, unternehmerisches, strategisches und innovatives Denken, hohe Sozialkompetenz und ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten. «Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt, als ich dieses Inserat las», sagt der 47-jährige Mörschwiler Marco Huwiler. Er findet:

«Die Anforderungen treffen mehrheitlich auf meine Person zu.»

Huwiler, der in Wittenbach aufgewachsen ist und die Ostschweiz nie verlassen hat, wurde schon öfter ins Gespräch gebracht als möglicher Chef der reichen Agglomerationsgemeinde. Er stand als «Mister Geothermie» im Rampenlicht, als Geothermie-Bohrungen im Sittertobel ein Erdbeben auslösten, war Bereichsleiter bei den St.Galler Stadtwerken und leitet heute die Technischen Betriebe Wil. Sein Arbeitgeber sei darüber informiert, dass er am Exekutivamt Interesse habe. «Man hat die Freiheit zu gestalten und kann die Gemeinde weiterbringen.»

Das dürfte auch sich auch finanziell lohnen: Gegenwärtig verdient der Mörschwiler Präsident über 210 000 Franken im Jahr.

Huwiler will die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen, um sich zu fragen: «Bin ich der Richtige?» Er werde einen A4-Block nehmen und eine Pro-Conta-Liste erstellen. Auch müsse er sich mit seiner Familie und der FDP-Ortspartei absprechen, sagt der Vater einer 17-jährigen Tochter und eines 19-jährigen Sohnes.

Thomas Oesch will nicht

Auch der Name von Vize­gemeindepräsident Thomas Oesch fällt immer wieder, wenn es um Favoriten fürs Präsidium geht. «Die vielen Zusprüche in den vergangenen Monaten haben mich geehrt», sagt er. Nach sorgfältigem Abwägen habe er sich jedoch entschieden, auf eine Kandidatur zu verzichten.

«Ich freue mich auf mein weiteres Wirken als selbständiger, unabhängiger Vermögensverwalter.»

Ebenso gerne werde er weiterhin als Gemeinderat tätig sein.

Thomas Oesch will nicht Gemeindepräsident von Mörschwil werden.

Thomas Oesch will nicht Gemeindepräsident von Mörschwil werden.

Bild: PD

Paul Bühler wird das Amt 29 Jahre inne gehabt haben, wenn er zurücktritt. Wer sein Erbe antritt, wird sich bei den Wahlen am 27. September 2020 zeigen.

Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler ist seit fast drei Jahrzehnten im Amt.

Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler ist seit fast drei Jahrzehnten im Amt.

Michel Canonica, 30.9.2016

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