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Die gesamte Freizeit für den Sport: Ein St.Galler ist der Grösste im Minigolf

Der 24-jährige Beat Wartenweiler hat an der Minigolf-Weltmeisterschaft in China die Goldmedaille in der Disziplin Matchplay gewonnen. Dafür hat er täglich in seinem Wohnzimmer in St.Gallen trainiert.
Christina Weder Bruderer
«Die Pokale und Medaillen sind mein Lohn»: Weltmeister Beat Wartenweiler in der Minigolfanlage im Säntispark. (Bild: Ralph Ribi)

«Die Pokale und Medaillen sind mein Lohn»: Weltmeister Beat Wartenweiler in der Minigolfanlage im Säntispark. (Bild: Ralph Ribi)

Mit einem solchen Empfang hatte Minigolf-Weltmeister Beat Wartenweiler nicht gerechnet. Familie, Freunde und Minigolfer erwarteten ihn am vergangenen Wochenende in der Ankunftshalle des Flughafens Zürich. Sie schwenkten Kuhglocken und jubelten ihm zu. Wartenweiler war darauf nicht vorbereitet. «Ich musste zuerst die Medaillen aus dem Koffer holen», sagt der 24-Jährige. Zum Glück hatte er sie zuoberst eingepackt.

Zwei Medaillen hat der St.Galler von der Minigolf-WM in Zhou­zhuang in China nach Hause gebracht. Er holte nicht nur Bronze mit dem Männer-Team, sondern gewann auch Gold in der Disziplin Matchplay, in der jeweils zwei Spieler gegeneinander antreten. Der Gewinner kommt eine Runde weiter, der Verlierer scheidet aus.

Er musste sich gegen fünf Schweden durchsetzen

«Ich wollte einfach mein bestes Minigolf spielen», sagt Beat Wartenweiler zurück in St.Gallen. Er war nicht als Favorit an die WM gereist und hatte nicht zu träumen gewagt, als Weltmeister heimzukehren. Doch dann lief alles wie am Schnürchen.

«Es war mein Tag!», sagt er im Rückblick.

Gegen fünf Schweden musste er sich durchsetzen – darunter ein mehrfacher Welt- und Europameister, eine Koryphäe in der Sportart. Nachdem Wartenweiler ihn geschlagen hatte, wusste er: «Jetzt ist alles möglich.» Er sei angespannt gewesen, aber die Nerven liessen ihn nicht im Stich.

Der Reihe nach besiegte Wartenweiler einen Schweden nach dem anderen. Als er im Finale seinen letzten Schlag ablieferte und zusah, wie der Ball aufs Loch zurollte, sei die ganze Anspannung von ihm abgefallen. «Wie in einem Nebel» habe er wahrgenommen, wie die Betreuer auf ihn zustürmten, ihn bejubelten und ihm ins Ohr schrien, «sodass ich fast einen Tinnitus bekam».

Über eine Woche später kann er seinen Erfolg noch immer nicht fassen. Kaum wieder zu Hause musste er direkt in den Arbeitsalltag zurückkehren. Als Lokomotivführer bei den SBB ist Wartenweiler bereits wieder zwischen St.Gallen, Schaffhausen, Zürich und Brugg unterwegs.

Er perfektionierte den Grundschlag in der Stube

Fast seine gesamte Freizeit investiert Beat Wartenweiler in den Minigolf-Sport. Auf die WM hat er sich in seiner Wohnung in St.Fiden vorbereitet. Im Wohnzimmer perfektionierte er täglich seinen Grundschlag, bastelte dafür eine Vorrichtung aus Karton, um die Bälle nicht gegen die Holzleisten zu schlagen. Die Nachbarn hätten sich nie beschwert, und es sei auch nichts in die Brüche gegangen, sagt er: «Ich habe noch selten am Karton vorbeigezielt.»

Am Minigolf fasziniert den 24-Jährigen die Präzision, aber auch das «Austüfteln der Bälle». 500 Minigolf-Bälle hat er zu Hause – in allen möglichen Farben, mit diversen Oberflächen und unterschiedlichem Sprungverhalten. Nicht weniger als 2000 Bälle hatte das Schweizer Team im Gepäck, als es an die WM nach China reiste. Anderthalb Wochen liess es sich Zeit, um zu testen, welcher Ball auf welcher Bahn das beste Resultat erzielte, bevor die Wettkämpfe starteten.

Während dem Turnier kümmerten sich erfahrene Betreuer ums Präparieren der Bälle. Sie wärmten oder kühlten sie und kontrollierten die Sprunghöhen. «Warme Bälle rollen besser und springen höher», sagt Wartenweiler. Manchmal trägt er während dem Wettkampf extra zwei Trainerhosen übereinander, nur um die Bälle warm zu halten.

Vor zehn Jahren hat er an einem Sommerplausch in den Schulferien mit Minigolf begonnen. Bald trat er einem Verein bei und spielte bei ersten Turnieren mit. Unterdessen ist er Mitglied beim Minigolfclub Eichholz Gerlafingen im Kanton Solothurn. Er habe immer in einem Team mit Erfolgsaussichten spielen wollen und die Nähe zu Vorbildern gesucht, sagt er. Im Minigolf sei man wie eine grosse Familie. «Alle spielen, weil sie Freude am Sport haben.» Grosse Preisgelder gibt es in dieser Sportart nicht zu gewinnen. «Mein Lohn sind die WM-Medaillen und Pokale.»

Drei Ausbildungen neben dem Sport

Doch Wartenweiler hat nicht nur Zeit ins Minigolfen investiert, er spielt auch Baseball und reist gerne. Zudem hat er drei Ausbildungen abgeschlossen: Er hat Koch gelernt, sich zum Diätkoch weitergebildet und die Ausbildung zum Lokomotivführer gemacht. Schon sein Grossvater sei ein begeisterter Eisenbähnler gewesen. Dass er wegen seiner Ausbildung nicht immer voll auf den Sport setzen konnte, bedauert er nicht. Der Vorteil am Minigolf sei, dass man die Karriere mit 25 Jahren noch nicht beenden müsse. «Man kann problemlos bis 40 an der Spitze spielen.»

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