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Millimetergenaue Arbeit auf einer fünf Kilometer langen Baustelle

Ab 7. Oktober fahren die Züge der Appenzeller Bahnen durch den neuen Ruckhaldetunnel. In diesem laufen derzeit die letzten Arbeiten. Auch anderswo gibt es noch viel zu tun: Die ganze Strecke vom Gaiserbahnof bis Lustmühle ist eine Grossbaustelle.
David Gadze
14 Bilder

Baustelle Ruckhaldetunnel

Noch zweieinhalb Monate dauert es, bis die Appenzeller Bahnen (AB) den Zugbetrieb zwischen St.Gallen und Teufen wieder aufnehmen. Für die Passagiere wird dann vieles neu sein. Denn am 7. Oktober fährt der erste «Tango»-Zug durch den neuen Ruckhaldetunnel, das Jahrhundertprojekt der AB. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. Das zeigt sich an einer Besichtigung entlang der diversen Baustellen zwischen St.Gallen und Lustmühle.

«Es ist eine grosse Herausforderung, alle Arbeiten in der vorgesehenen Zeit abschliessen zu können», sagt AB-Direktor Thomas Baumgartner. Und der Zeitplan lässt keine Verzögerungen zu. Denn bereits ab September finden die ersten Testfahrten mit dem «Tango» zwischen St.Gallen und Niederteufen statt.

Millimetergenaue Arbeit erforderlich

Die Haltestelle Lustmühle haben die AB komplett neu gebaut. Statt eines Perrons mit je einer Haltekante pro Fahrtrichtung gibt es jetzt zwei separate Perrons. Die Fundamente sind fertig, Mitte August werden die beiden Unterstände angeliefert und aufgebaut. Lustmühle ist eine der zentralen Stellen der Neubaustrecke. Denn die Züge kreuzen künftig nicht mehr bei der Liebegg, sondern hier. Dafür mussten die AB die Gleise in Richtung Teufen auf einer Länge von rund 400 Metern auf Doppelspur ausbauen.

Ein Vorhaben, das weitere Anpassungen notwendig machte: Der Feldwaldbach musste verschoben werden. Er ist nun renaturiert, was für Fische und Amphibien vor Vorteil ist. Und um Platz für das zweite Gleis zu schaffen, musste der Hang teilweise abgetragen und mit einer Stützmauer gesichert werden.

Die Haltestelle in der Lustmühle ist aber auch aus einem anderen Grund besonders. Denn anders als bei allen anderen AB-Haltestellen liegen die Perrons in einer Kurve. Damit der Abstand zwischen den Trittbrettern der Züge und den Perronkanten überall die maximal erlaubten fünf Zentimeter betrage, sei millimetergenaue Arbeit nötig, sagt Baumgartner. «Das macht diese Haltestelle wohl einmalig in der Schweiz.»

Ab Mitte August werden auf dem ganzen Abschnitt von der Lustmühle bis zum Güterbahnhofareal – also auf rund vier Kilometern Länge – die Fahrleitungen montiert. Die Arbeiten dauern rund drei Wochen und erfolgen in der Nacht.

Gleisverlegung mit Herausforderungen

Bei der alten Kreuzungsstelle bei der Liebegg laufen die Arbeiten ebenfalls auf Hochtouren. Auch hier haben die AB die alten Gleise komplett ersetzt. Die neuen Schienen sind verlegt, schlängeln sich aber durch den Schotter. Sie werden in den nächsten Wochen mit der sogenannten Gleisstopfmaschine begradigt. Die AB haben die Schienen in diesem Bereich von der Teufener Strasse weg in Richtung Hang verlegt. Bisher hätten die Züge an einer Stelle in den Strassenraum geragt, sagt Bruno Huber von den Appenzeller Bahnen. Und obwohl die Züge hier nicht mehr kreuzen werden, haben die AB hier erneut ein zweites Gleis erstellt. Dies aus Gründen der Fahrplanstabilität: Falls der Zug aus St.Gallen verspätet ist, muss jener aus Appenzell nicht in Lustmühle warten, sondern kann bis zur Liebegg fahren.

Die Gleisverlegung habe verschiedene Herausforderungen mit sich gebracht, sagt Huber. Da der Hang rutsche, habe die Stützmauer mit Mikropfählen 15 Meter tief im Boden und zusätzlich mit Ankern im Hang verstärkt werden müssen. Der Hang werde permanent überwacht. Und dort, wo die Gleise über den Tunnel des Wattbachs führen, musste das Gewicht der ebenfalls neuen Stützmauer mit Mikropfählen seitwärts und in der Strasse abgefangen werden.

Jede gewonnene Sekunde zählt

Die ganzen Arbeiten in der Liebegg dienen dazu, die Fahrt der Züge zu beschleunigen. Dies ist möglich dank der angepassten Streckengeometrie. Ausserdem kommen künftig elektrische Weichen statt Rückfallweichen zum Einsatz. Bisher betrug die Höchstgeschwindigkeit 25 Kilometer pro Stunde, neu sind es 45 Kilometer pro Stunde. Das ergibt einen Zeitgewinn von 15 Sekunden. Was nach wenig klingt, ist in einem Fahrplan, in dem alles auf die Minute genau aufeinander abgestimmt ist, sehr viel. Wie schnell die Züge fahren dürfen, hängt jedoch nicht nur von der Gleisgeometrie ab, sondern auch von der Neigung.

Im Ruckhaldetunnel dürfen die Züge bergauf 60 Kilometer pro Stunde fahren, bergab hingegen nur 40. Für diese Geschwindigkeit hat das Bundesamt für Verkehr gemäss Huber eine Ausnahmebewilligung erteilen müssen. Auch am Riethüsliweg, zwischen der Teufener Strasse und dem Südportal des Ruckhaldetunnels, laufen die Gleisbauarbeiten noch. Die neue Haltestelle im Riethüsli ist hingegen fast fertig. Auch im Ruckhaldetunnel gibt es nicht mehr viel zu tun. Die Schienen sind verlegt, es fehlen noch die Oberleitungen – und der längste Alpaufzug der Welt, den Graffiti-Künstler Pirmin Breu derzeit auf der gesamten Länge von 700 Metern an die Wand sprayt.

Beim Südportal des Tunnels, wo die neue Brücke über die Oberstrasse und die Wanne unter der Vonwilbrücke entstehen, sind die Arbeiten ebenfalls in den letzten Zügen. Neuer Übergang beim Gaiserbahnhof Auch die Anpassungen beim Gaiserbahnhof sind nahezu abgeschlossen. Gemäss AB-Direktor Thomas Baumgartner wird in den kommenden Wochen der neue Fussgängerübergang von der St.-Leonhard-Strasse auf die beiden Perrons fertiggestellt. Er wird voraussichtlich am 7. Oktober, wenn die Züge den Betrieb wieder aufnehmen, eröffnet. Im Dezember folgen die letzten Puzzlestücke: Dann werden die beiden Teilstrecken St.Gallen–Appenzell und St.Gallen–Trogen miteinander verbunden.

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