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So viele Migrantinnen wie noch nie: St.Galler Beratungsstelle für Familienplanung hat alle Hände voll zu tun

Die Beratungsstelle für Familienplanung St. Gallen (Fapla) hat 2017 deutlich mehr Migrantinnen beraten als noch in den Vorjahren – insbesondere aus Eritrea. Das stellt die Fapla vor neue Herausforderungen.
Luca Ghiselli
Deutlich mehr als die Hälfte aller Frauen, die sich 2017 in St. Gallen während der Schwangerschaft beraten liessen, sind Migrantinnen. (Bild: Getty)

Deutlich mehr als die Hälfte aller Frauen, die sich 2017 in St. Gallen während der Schwangerschaft beraten liessen, sind Migrantinnen. (Bild: Getty)

Der Zeitraum rund um Schwangerschaft und Geburt ist eine sensible Phase. Viele offene Fragen, Unsicherheiten und Ängste kreisen nicht selten um diese Zeit. Besonders verletzlich sind Frauen, die erst vor kurzem in die Schweiz gekommen sind. Sie kennen zum Teil das System nicht, wissen manchmal nicht einmal, dass sie die Dienste einer Hebamme beanspruchen können. Hier kommt die Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität (Fapla) ins Spiel. Sie berät Frauen und Familien in Fragen rund um Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbrüche, aber auch Verhütung.

Wie aus dem Tätigkeitsbericht der St. Galler Beratungsstelle hervorgeht, zählte sie 2017 erstmals mehr Migrantinnen als Schweizerinnen zu ihren Klientinnen. 205 Frauen aus der Schweiz suchten sich im vergangenen Jahr Hilfe bei der Fachstelle, 269 Migrantinnen. «Besonders Personen aus Eritrea fallen dabei ins Gewicht», sagt Jutta Ahlke. Sie leitet die Beratungsstelle, die auch Standorte in Wattwil, Rapperswil-Jona und Sargans betreibt. Dass die Anzahl Migrantinnen, die sich von der Fapla St. Gallen beraten lassen, so stark steigt, spiegelt gemäss Ahlke einen gesamtgesellschaftlichen Trend. «Es geht bei solchen Gesprächen in erster Linie darum, den Frauen ihre Möglichkeiten aufzuzeigen», sagt sie. Zum Beispiel bei der Verhütung: «Viele wissen gar nicht, wie sie verhüten sollen.» Und hier habe die Beratungsstelle einen gesetzlichen Auftrag, Prävention zu leisten und die Klientinnen zu begleiten.

Mit Dolmetscher und viel Einfühlvermögen

Die Zunahme von migrierten Klientinnen stellt die Beratungsstelle vor neue Herausforderungen. «Viele, die zu uns kommen, haben einen ganz anderen kulturellen Hintergrund», sagt Ahlke. Das fange zum Beispiel bei der Sprache an. Bei den Beratungsgesprächen, vor allem wenn es um sensible Themen wie zum Beispiel Schwangerschaftsabbrüche geht, arbeitet die Fapla St. Gallen mit Dolmetschern.

Dies stelle besondere Ansprüche an die fachlichen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen der Beratungsstelle, heisst es dazu im Tätigkeitsbericht. Aber nicht nur die Sprache ist oft eine zusätzliche Hürde: «Es ist wichtig, dass wir, wenn wir etwa über Verhütung sprechen, die Frauen nicht bevormunden.» Man wolle vielmehr darauf hinweisen, dass gerade eine richtige Verhütung auch ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung bedeute.

Zahl der Zuweisungen steigt stark an

Die Fapla setzt also überall dort an, wo die strikt medizinische Beratung aufhört. So kommt es immer öfter vor, dass Gynäkologen Patientinnen an die Beratungsstelle vermitteln. Die Zahl der Klientinnen, die von Ärzten oder dem Spital zugewiesen wurden, hat sich 2017 um 45 Prozent erhöht. Und die Anzahl Klientinnen, die von Ämtern zugewiesen worden, hat sich sogar mehr als verdoppelt. «Wir arbeiten eng mit Institutionen und Ärzten zusammen», sagt Jutta Ahlke. Man könne das Angebot aber auch niederschwellig nutzen. «Wer bei uns ein Beratungsgespräch will, muss nicht zugewiesen werden. Man kann uns zum Beispiel auch einfach ein E-Mail schreiben.»

Die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle, die unter der Trägerschaft der Frauenzentrale ist, wächst indes stetig. «Wir müssen uns auch für die Zukunft rüsten, damit wir unseren Auftrag weiterhin gut erfüllen können», sagt Ahlke. Neben den bewährten Tätigkeiten der Beratungsstelle tun sich auch immer wieder neue Themen auf. «Dazu gehört im Moment zum Beispiel die Sexualität von Personen mit einer Beeinträchtigung.» Die Zahl Schwangerschaftsberatungen hingegen, sagt Ahlke, werde in den kommenden Jahren aber mehr oder weniger stabil bleiben.

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