Miese Tonqualität und Verzögerungen: Musikschulen in der Region Rorschach ziehen dennoch ein positives Zwischenfazit des digitalen Fernunterrichts

Musizieren ist beliebt im Lockdown. Musikschulen in der Region Rorschach unterrichten deshalb digital und beobachten Erfreuliches.

Jolanda Riedener
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Die Motivation beim digitalen Unterricht ist gross. Doch birgt diese Lernform auch Schwierigkeiten.

Die Motivation beim digitalen Unterricht ist gross. Doch birgt diese Lernform auch Schwierigkeiten.

Bild: ky/Alexandra Wey

Nach der Schliessung der Volksschulen auf Grund der Coronapandemie gilt noch während knapp zwei Wochen Fernunterricht. Dieser betrifft auch die Musikschulen in der Region. Bereits ab der zweiten Woche nach dem Lockdown haben Musikschülerinnen und -Schüler ihre Stunden mit technischen Hilfsmittel wieder abhalten können. Roland Diezi, Schulleiter der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg sagt:

«Gerade in dieser angespannten Zeit, in der nichts so ist wie immer, ist Musik ein wertvolles Hobby.»
Roland Diezi, Schulleiter und Klavierlehrer an der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg.

Roland Diezi, Schulleiter und Klavierlehrer an der Musikschule Rorschach-Rorschacherberg.

PD

Anderen Aktivitäten können die Kinder momentan zum Teil nicht nachgehen, deshalb werde umso mehr musiziert, zeigen seine Erfahrung und die Rückmeldungen der Schüler und Eltern.

Schlechte Tonqualität und Latenz

Der digitale Musikunterricht bietet aber auch Schwierigkeiten, etwa die miese Tonqualität, insbesondere bei lauteren Instrumenten wie dem Klavier. Diese unterscheide sich kaum nach Programmen wie Zoom oder Skype. Als technisch schwierig stellt sich auch das gemeinsame Musizieren von Schülern und Lehrern dar, wegen der Latenz, also der zeitlichen Verzögerung durch die Übertragung. Zusätzlich erteilen die Lehrpersonen Aufträge in Form von Tondateien: Die Schüler nehmen das Geübte auf, senden es zurück und erhalten eine Rückmeldung. Diezi sagt:

«Bei jüngeren Schülern und Anfängern ist es weiter wichtig, ihnen gewisse Dinge zu zeigen.»

Das funktioniere auf verbaler Ebene weniger gut, wenn man erklären müsse, welche Tasten man wie greifen muss oder wie die Körperhaltung stimmt. «Die Kinder müssen spüren können, wie sich das richtig anfühlt», sagt er.

Den Fernunterricht empfindet Roland Diezi anstrengender als den Präsenzunterricht. «Bis zum 11.Mai können wir diese Lernform gut weiterführen, dann sind wir aber auch froh, wenn wir wieder zum regulären Unterricht übergehen können», sagt Diezi, der Klavierunterricht gibt. Der Schweizerische Musikverband gehe derzeit davon aus, dass man mit der Wiederöffnung der Schulen auch den Einzel-Musikunterricht wieder aufnehmen könne. «Unsere Räume sind glücklicherweise genug gross, sodass wir die Distanz- und Hygieneregeln gut einhalten können.»

Nicht überall genug Platz, um Distanz zu halten

Anders ist das bei der Musikschule am Alten Rhein. Am Standort in Rheineck verfüge man zum Teil über sehr kleine Unterrichtsräume. Schulleiter Rainer Thiede hofft auf klare Vorgaben vom Kanton bezüglich der Hygienemassnahmen. Insbesondere gemeinsam genutzte Instrumente wie Klavier oder Schlagzeug müssen nach jedem Schüler grossflächig desinfiziert werden.

Verschieben musste die Musikschule am Alten Rhein den geplanten Infotag vom 8.Mai auf den 12.Juni. Sollte die Pandemie aber eine Durchführung dann ebenfalls nicht zulassen, wäre eine digitale Durchführung des Infotags denkbar. Thiede sagt:

«Es ist schwierig, an die zukünftigen Schülerinnen und Schüler heranzukommen ohne den Infotag.»

Einen gewissen pädagogischen Mehrwert biete die gegenwärtige Situation aber: Die Schüler müssen vermehrt selber überlegen, ob sie mit dem Gespielten zufrieden sind. Im Präsenzunterricht erhalten die Schüler hingegen sofort eine Rückmeldung.

Musikvideos für die Grosseltern

Guido Schwalt, Musikschulleiter in Goldach.

Guido Schwalt, Musikschulleiter in Goldach.

Corina Tobler

In Goldach verfügen bereits alle Schüler bis zur vierten Klasse über das Kommunikationstool Teams. Für den Rest der Musikschüler habe man rasch nachgerüstet. Das habe den digitalen Start erleichtert, sagt Goldachs Musikschulleiter Guido Schwalt. So habe man innerhalb von einer Woche die Stundenpläne im Fernunterricht weiterführen können. Das ging auch deshalb gut, weil zu dieser Zeit keine Anfänger unterrichtet werden.

Keine Schulreisen und Klassenlager

Noch ist offen, wie der Präsenzunterricht nach dem 11. Mai aussehen wird. Die maximal zulässige Gruppengrössen muss die St. Galler Regierung erst festlegen. «Dies wird dann ausschlaggeben sein für den Stundenplan Ihres Kindes», heisst es in einem Schreiben der Schule Rorschach an die Eltern. Die Schulleitung geht davon aus, dass weiterhin ein reduziertes Schulangebot zur Verfügung steht. Weiter können voraussichtlich alle geplanten Veranstaltungen, Exkursionen, Lager und Schulreisen nicht durchgeführt werden.

Auch in Thal sind bereits alle Lager bis zu den Sommerferien abgesagt. Schulleiterin Miriam Salvisberg hofft auf baldige Klarheit, wie der Unterricht dann abgehalten werden muss. Möglich wäre auch auf Turnhallen oder Aulas auszuweichen, denn das Raumangebot in der Gemeinde ist begrenzt. Die Herausforderung sei, sobald entsprechende Weisungen vom Kanton da sind, rasch ein Beschulungskonzept auf die Beine zu stellen.

«Die Schüler und Eltern schätzen diese Zwischenlösung», sagt Schwalt und zeigt sich überrascht, dass alles so reibungslos funktionierte. «Die Kinder üben mindestens gleichviel, eher mehr», sagt er. Sie seien motiviert, manche würden gespielte Stücke per Film an den Musiklehrer oder die Grosseltern verschicken. Trotzdem hoffe man bald auf den regulären Unterricht, denn der Fernunterricht ersetze diesen nicht.