Michael Götte lanciert den Wahlkampfzug nach Bern

Tübach schwingt oft obenaus; weil Gemeindepräsident Michael Götte nicht nur Schwingfeste organisiert, sondern auch Brücken baut – für die Sicherheit der Gemeinde und für seine politische Zukunft. Für diese bewirbt er sich um ein Ticket für die nächsten Nationalratswahlen.

Rudolf Hirtl
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Wenig Tage vor dem Spaziergang mit Michael Götte zogen in der Region Rorschach unwetterartige Gewitter auf. Es regnete wie aus Kübeln. Nun geht’s mit flottem Schritt den Dorfbach (Häftlibach) entlang und der SVP-Politiker bleibt an einer der Brücken stehen. «Hätten wir hier nicht in dieser Dimension für 450000 Franken gebaut, was einige im Dorf während der Projektphase für übertrieben hielten, wir hätten vermutlich am 1. August ein gröberes Problem gehabt», sagt er nachdenklich. In der Vergangenheit sei zwar in den Hochwasserschutz investiert worden, doch heute gelange durch die vielen Neubauten mehr Meteowasser in den Bach. Ein weiterer Ausbau werde also Thema bleiben.

SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident Michael Götte will den nächsten Schritt in seiner Politikerlaufbahn machen. (Bild: Rudolf Hirtl)

SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident Michael Götte will den nächsten Schritt in seiner Politikerlaufbahn machen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Aktuell mehr Sorgen bereite der Schwärzebach, der Grenzbach zwischen Tübach und Steinach. Seit drei Jahren gebe es für dessen Sanierung ein pfannenfertiges Projekt, doch auf Steinacher Seite sei mit Grundeigentümern noch nicht alles bereinigt und auch die Gemeinde klemme noch etwas. «Was ärgerlich ist, denn wir haben dem Kredit längst zugestimmt und könnten vorwärts machen. Ich hoffe, die Steinacher haben beim letzten Unwetter erkannt, dass die Massnahmen dringlich sind.» Götte ist ein Macher und schon lange Politiker. Er hat gelernt, geduldiger zu sein. «Aber solche Situationen», räumt er ein, «zehren auch heute noch an meinem Geduldsfaden.»

Unbefriedigende Situation beim Kellen-Restaurant

Er sagt dies mit noch immer leicht heiserer Stimme. Eine Erinnerung vom St. Galler Kantonalen Schwingfest im Mai, die ihn bis heute begleitet. «Alles halb so wild, der Doktor hat gesagt, ich soll ein bisschen weniger reden», sagt Götte und lacht, zumal dies ja für einen engagierten Politiker kaum zu bewerkstelligen ist. Das anhaltende Sommerwetter mag er, auch wenn es gelegentlich schon etwas zu heiss sei. «Seit Anfang Juli habe ich keine Krawatte mehr getragen. Ich geniesse diese Zeit.» Nun geht der Spaziergang vorbei an der regionalen Sportanlage auf der Kellen. «Es ist völlig unbefriedigend, dass das Restaurant bei diesem traumhaft schönen Wetter geschlossen ist», sagt Götte und lässt seinem Ärger freien Lauf. «Es ist traurig, dass es überhaupt soweit gekommen ist. Ich habe am runden Tisch versucht als Moderator zu wirken, doch bis beim Verwaltungsrat eine Entscheidung gefällt wurde, FC ja oder nein, ist es zu lange gegangen. Deshalb stehen wir heute vor diesem Scherbenhaufen.» Für Politiker sei das zu langsame Tempo weniger ein Problem, doch für einen Beizer, der Pacht und Löhne zahlen müsse, sei ein halbes Jahr eine Ewigkeit. Bauvisiere zeigen, dass es auf der Zentrumswiese weitergeht. Die Baueingabe für 76 Wohneinheiten ist erfolgt. Es habe zwar erneut Einsprachen gegeben, die der Rat im normalen Verfahren zu behandeln hat, dennoch zeichne sich, so der Gemeindepräsident, endlich ein Ende ab. Angedacht sei, im Hauptgebäude, bei dem im EG eine gewerbliche Nutzung vorgeschrieben ist, den Dorfladen unterzubringen, um diesen zu erweitern.

«Dass ich bei den nächsten Nationalratswahlen antrete, ist sehr gut vorstellbar.» (Michael Götte)

Das 1400-Seelen-Dorf Tübach ist gewachsen und wird es auch weiter tun. Beim öffentlichen Verkehr tut sich hingegen wenig. «Wenn alle Projekte in den Nachbargemeinden realisiert werden, etwa die Unterführungen, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass Tübach in das Seebus-Netz integriert wird, wie wir dies auch beantragt haben.» Bereits früher realisiert wird in Tübach der «Sport und Spass grenzenlos»-Tag vom 9. September, bei dem Götte OK-Präsident ist. 16 Teams mit je neun Mitgliedern mit und ohne Handicap erhalten einen Gruppengötti. «Zugesagt haben unter anderem der St. Galler Regierungsrat Bruno Damann, der Ausserrhoder Regierungsrat Alfred Stricker, Ruder-Olympiasieger Markus Gier und Fussballlegende Marc Zellweger», sagt Götte und hofft schon jetzt auf einen tollen Event und viele Zuschauer.

In Bern als Nationalrat für die Region einstehen

Der Name Michael Götte kursierte kürzlich auf der Kandidatenliste für das Amt des Arboner Stadtpräsidenten. «Ich habe mir darüber Gedanken gemacht. Es wurde aber kein Thema, weil ich im Kanton St. Gallen 15 Jahre lang mein politisches Netzwerk aufgebaut habe, dort hätte ich faktisch wieder bei Null begonnen.» Nicht nur Arboner haben bei ihm angeklopft, auch Gruppierungen in Gossau, Amriswil und Rorschach sähen ihn gerne im Amt des Stadtpräsidenten. Götte macht aber kein Geheimnis mehr daraus, dass er seinen nächsten politischen Schritt lieber in Richtung Bern machen möchte. Parteiintern und auch extern sei aber noch nichts entschieden. Erst bei anstehenden Gesprächen innerhalb der SVP würden die Weichen bezüglich Kandidatur für den Nationalrat gestellt. «Ob ich dann in den Zug nach Bern einsteigen darf und das nötige Ticket dafür erhalte, wird sich nächstes Jahr erweisen.» Bis dieser Entscheid gefällt sei, werde es keine grossen beruflichen Änderungen bei ihm geben. Und was heisst das für Tübach? «Ich bin seit bald 13 Jahren hier Gemeindepräsident. Es werden sicher keine weiteren zehn Jahre mehr dazukommen.» Wirtschaft und Politik, dies sei eine spannende Konstellation, betont Michael Götte vielsagend, der auch bei der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell als Leiter kantonale Politik tätig ist.