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«Mich schauen tote Pflastersteine an»: Ideen für die Belebung des St.Galler Marktplatzes gesucht

Die Aufhebung von 38 Parkplätzen in der Stadt St.Gallen erhitzt noch immer die Gemüter. Manche Gewerbler und Detailhändler können sich mit der Massnahme nicht abfinden. Sie kritisieren, der Marktplatz wirke ausgestorben. Ideen, wie man ihn beleben und aufwerten könnte, gibt es. Doch sie drohen in der Kontroverse um die aufgehobenen Parkplätze unterzugehen.
Christina Weder
Vorschlag eines Markthändlers: Dort, wo heute Taxis warten, sollen Kunden ihre Einkäufe ins Auto laden können. (Bild: Lisa Jenny)

Vorschlag eines Markthändlers: Dort, wo heute Taxis warten, sollen Kunden ihre Einkäufe ins Auto laden können. (Bild: Lisa Jenny)

Das Restaurant Marktplatz rückt seit ein paar Tagen Tische und Stühle nach draussen auf den Marktplatz. Auch auf dem Blumenmarkt können Gäste im neuen Lokal «Marktplatz 11», im Asia-Imbiss «Mr.Rice», im «Alpen-Dedi» und im Café Blumenmarkt unter freiem Himmel sitzen und die lauen Sommerabende ausklingen lassen. Es sind zarte Versuche, den St.Galler Marktplatz und den Blumenmarkt neu zu beleben. Dass das nötig ist, zeigte sich am Montagabend an einer vom «Tagblatt» organisierten Podiumsdiskussion.

Im März hat die Stadt St.Gallen 38 Kurzzeitparkplätze auf dem Marktplatz und Blumenmarkt aufgehoben. Seither steht die Frage im Raum, wie die frei gewordene Fläche vorübergehend aufgewertet und bespielt werden könnte. Denn bis der Marktplatz definitiv neu gestaltet wird, werden mindestens noch fünf Jahre verstreichen. Am Podium brachten Detailhändler und Gewerbler vor allem ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck.

Peter Wetli, Sprecher des ständigen Marktes. (Bild: Reto Voneschen)

Peter Wetli, Sprecher des ständigen Marktes. (Bild: Reto Voneschen)

Peter Wetli, Sprecher des ständigen Marktes und Betreiber des dortigen Klipp-Klapp-Standes, kann der neuen Situation zwar durchaus Positives abgewinnen. So werde der Markt endlich wieder seinem Namen gerecht, seit die Wochenmärkte (Mittwoch und Samstag) und der Bauernmarkt (Freitag) neu geordnet und näher an den ständigen Markt gerückt seien.

«Doch an den übrigen Wochentagen schauen mich tote Pflastersteine an.»

Wetli war nicht der einzige, der am Podium scharfe Worte wählte. Andere Anwesende sprachen von einem «toten Marktplatz» und einer «drohenden Geisterstadt». Ideen, wie man der Situation begegnen könnte, wurden dagegen kaum zur Sprache gebracht.

Stadträtin Maria Pappa hätte sich ein Klettergerüst gewünscht

Doch auf Nachfrage zeigt sich: Es gibt Ideen. Manche hängen in der Luft, andere sind aufgegleist oder bereits gescheitert. So war einst geplant, in der Mitte des Marktplatzes einen Spielplatz zu errichten. «Ich hatte eine Schaukel und eine Rutschbahn erwartet», sagt Wetli. Stattdessen gebe es nun diese bunten Linien am Boden, mit denen die ehemaligen Parkfelder übermalt wurden. «Damit man dieses Spiel versteht, müsste man einen Animator auf den Marktplatz stellen», kritisiert Wetli.

Stadträtin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser)

Stadträtin Maria Pappa. (Bild: Benjamin Manser)



Stadträtin Maria Pappa ist sich bewusst, dass sich das Spiel nicht auf den ersten Blick erschliesst. Immerhin setze es einen Farbakzent und mache deutlich, dass man hier nicht mehr parkieren dürfe. Pappa bestätigt die Pläne für einen Spielplatz: «Ich hätte mir ein Klettergerüst gewünscht», sagt sie. Da dieses mobil sein musste, dachte sie an einen Wohnwagen mit Klettergeräten, der in der Mitte des Marktplatzes stehen sollte. Doch das Vorhaben scheiterte an Vorschriften und Vorgaben.

«Es war komplex, was wir alles berücksichtigen mussten: den Fallschutz, den Platz für die Marktstände, die vorbeifahrenden Autos, die Kosten, den Unterhalt...»

Auch wenn die Hürden für den Spielplatz zu hoch waren, hat die Stadt im Frühling erste Schritte für eine Aufwertung unternommen. Die Markthäuschen haben einen neuen Anstrich erhalten, grosse Pflanzentöpfe setzen grüne Akzente. Am Brunnen können Kinder mit geschwungenen Metallrohren experimentieren. Besonders bewährt hat sich gemäss Maria Pappa die geschwungene Sitzbank in der Mitte des Platzes: «Ich beobachte, dass sich viele Leute gerne darauf setzen.» Weitere Ideen seien willkommen. Die Aufwertung sei nicht abgeschlossen.

Neue Ideen: Cargo-Bikes und Zone zum Einladen der Einkäufe

Seit die Kurzzeitparkplätze auf dem Marktplatz aufgehoben sind, gibt es auch Ideen, wie Kundinnen und Kunden mit schweren Einkaufstaschen entlastet werden könnten. Ein Projekt mit Cargo-Bikes wird derzeit aufgegleist, wie Ralph Bleuer, Präsident von Pro City, bestätigt. Die Idee ist, dass sich Kunden ihre Einkäufe mit einem Transportvelo nach Hause liefern lassen. Die Geschäfte würden sich gemäss Bleuer an Kosten beteiligen. «Es wäre eine zusätzliche Service-Leistung, die wir bieten», sagt er. Doch vor dem Frühling sei nicht damit zu rechnen.

Für Marktsprecher Peter Wetli sind die Cargo-Bikes «eine nette, gut gemeinte Unterstützung». Er bezweifelt aber, dass die Bikes das Geschäft beleben. Um Kundinnen und Kunden mit Einkaufstaschen bei Laune zu halten, schlägt er eine «Be- und Entladungszone» im Bereich der heutigen Taxistandplätze vor. Dort würde er Kurzzeitparkplätze einrichten, damit Kunden ihr Auto gegen eine Gebühr 20 Minuten stehen lassen könnten.

«Das würde jenen entgegenkommen, die nicht mehr gut zu Fuss sind oder grosse Einkäufe getätigt haben.»

Wetli ist überzeugt: «Niemand würde Gefahr laufen, eine Busse zu erhalten. Und wir könnten viele glücklich machen.» Die Taxistandplätze würde er auf die andere Strassenseite verlegen. Für Wetli ist klar, dass es Ersatz für die aufgehobenen Parkplätze braucht – zumindest bis die Parkgarage UG25 gebaut ist. «Das wäre doch eine vernünftige Übergangslösung.»

Stadträtin Maria Pappa sagt, Kurzzeitparkplätze seien beim Marktplatz nicht mehr vorgesehen. Sie bezweifelt auch, ob es solche überhaupt braucht. Denn seit der Aufhebung der Parkplätze gilt der Marktplatz als Begegnungszone. «In dieser ist Ein- und Ausladen möglich», sagt Pappa. Allerdings nur, wenn die Einkäufe so gross und schwer sind, dass sie zur Beförderung ein Fahrzeug erfordern.

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